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OVB-Leser haben kräftig mitgeholfen

Eine besondere WG im Chiemgau: Inklusiv leben und lernen im Aschauer Benedetto-Menni-Nest

Geräumig, gemütlich, glücklich: mal eine andere 3G-Regel. Christina, eine von elf WG-Bewohnern im Benedetto-Menni-Nest, auf der roten Couch in ihrem Zimmer. Ein Platz in der WG ist noch frei.
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Geräumig, gemütlich, glücklich: mal eine andere 3G-Regel. Christina, eine von elf WG-Bewohnern im Benedetto-Menni-Nest, auf der roten Couch in ihrem Zimmer. Ein Platz in der WG ist noch frei.
  • Ludwig Simeth
    VonLudwig Simeth
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Eine inklusive Wohngemeinschaft gründen, in Zeiten von Corona, für junge Menschen mit Beeinträchtigung. Ein Ding der Unmöglichkeit? Von wegen. In Aschau im Chiemgau haben sechs Frauen und fünf Männer dieses Kunststück vollbracht – auch dank der OVB-Leser.

Aschau im Chiemgau – Das Leben ist kein Wunschkonzert, schon gar nicht für junge Menschen mit Hilfebedarf. Der Traum von einem möglichst selbstbestimmten Leben in den eigenen vier Wänden ist für viele von ihnen weit weg. Entweder daheim bleiben oder in eine Einrichtung gehen – meist haben sie keine andere Wahl.

Doch es geht auch anders. In zwei speziellen Wohngemeinschaften in Aschau haben elf junge Frauen und Männer mit Beeinträchtigung trotz Corona die große Chance beim Schopf gepackt, in einer inklusiven WG zusammenzuleben. Auch von der Pandemie ließen sie sich nicht stoppen.

Ein Herkulesprojekt nimmt Formen an

Das Haus, in dem sie auf zwei Stockwerken wohnen, heißt Benedetto-Menni-Nest, benannt nach einem italienischen Heiligen und entstanden aus einer bemerkenswerten Initiative von Eltern aus dem Chiemgau. Sie haben 2018 den Verein Benedetto-Menni-Nest gegründet, um ein wahres Herkulesprojekt zu stemmen: ein inklusives Haus mit zwei ambulant betreuten Wohngemeinschaften für junge Menschen mit Behinderung.

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Vor allem finanziell war das ein Kraftakt. Denn erst nach einem erfolgreichen Start, also wenn der Laden läuft, können sich solche Wohngemeinschaften selbst finanzieren und mit Geldern von Kostenträgern und Kassen rechnen.

So wurde die WG-Gründung auch ein Fall für die OVB-Leser: Als die OVB-Weihnachtsaktion das Projekt in Aschau Ende 2019 ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückte, war die Sechser-WG im Parterre soeben entstanden. Alle hatten gerade ihr neues Reich bezogen und ihre 30 Quadratmeter großen Zimmer gemütlich eingerichtet.

Manche Leser werden sich noch erinnern, an Marie und Lea (21), die unzertrennlichen Zwillingsschwestern vom Schliersee, die damals einen Förderstätten-Arbeitsplatz suchten; oder an Patrik (23), den eingefleischten FC Bayern-Fan, der auch heute noch kein Spiel seiner Roten verpasst und schon von Weitem zu erkennen ist, weil er das Vereinswappen formatfüllend auf dem Reifen seines E-Rollstuhls trägt; oder an Christina (heute 28) aus Rohrdorf, die nach wie vor den besten Milchreis in der WG macht.

Start war eine spannende Sache

Der Start war eine spannende Sache und glückte auch dank der großartigen Hilfsbereitschaft der OVB-Leser. Doch dann kam Corona.

Eigentlich hätten schon im Frühjahr 2020 sechs weitere junge Männer und Frauen mit körperlichen und kognitiven Einschränkungen ins Obergeschoss ziehen sollen. Doch daraus wurde damals nichts. In Zeiten strengsten Corona-Stillstands verhängte die Regierung einen Zuzugsstopp ohne Wenn und Aber. Und das war nur eines von vielen Problemen, mit denen die WG-Bewohner im Haus samt Pflegern und Betreuern zu kämpfen hatten.

Nervenaufreibende Corona-Monate

Nicht mehr in die Allianz-Arena fahren zu dürfen, mag einen Bayern-Fan wie Patrik hart treffen. Wenn allerdings Einrichtungen wie die Wendelstein-Werkstätten – die halbe WG arbeitet dort – coronabedingt den Betrieb einstellen, ist das viel schwerwiegender.

„Das waren aufregende, nervenaufreibende anderthalb Jahre, aber wir haben es trotzdem geschafft“, blickt Dietmar Klemens, Vorsitzender des Vereins Benedetto-Menni-Nest, mit Stolz auf eine turbulente Zeit zurück. Trotz Corona ist inzwischen auch die WG im ersten Stock voll: Lisa war die Erste, dann kamen Konstantin, Collin, Jelena, Jaquelina und Leon.

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Und wie bei der „alten“ WG im Parterre gilt auch eine Etage höher: Alle kommen aus der Region, alle sind zwischen 20 und 30 Jahren alt, alle wollen leben, lernen, Spaß haben – und das so selbstständig wie möglich.

Dass dies gut klappen kann, zeigt das Beispiel von Marlies (24). Das Gründungsmitglied der Parterre-WG ist vor Kurzem ausgezogen – in eine eigene kleine Wohnung nach Brannenburg. „Dadurch ist jetzt ein Platz bei uns frei geworden“, sagt Christina. „Bewerber können sich bei uns melden. Und auch ein paar Assistenten für die Begleitung unserer WG-Bewohner könnten wir noch gut gebrauchen“, ergänzt Klemens.

Das könne zum Beispiel bei einem Kinobesuch sein, einem Bummel durchs Aschauer Ortszentrum oder einem Spaziergang in die Natur. „Oder ein Bayernspiel in der Allianz-Arena“, betont Patrik. Aber natürlich. Der Transport soll das Problem nicht sein: Vor der Haustür steht der Vereinsbus mit Rollstuhlrampe bereit – auch dies ein bedeutender Mobilitätsfaktor in einem möglichst bewegten WG-Leben.

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