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OVB-Serie „Safari daheim“

Ein unschlagbarer Kletterkünstler: Der Baummarder ist auch in Rosenheims Wäldern heimisch

Beim Klettern macht ihm niemand etwas vor: der Baummarder.
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Beim Klettern macht ihm niemand etwas vor: der Baummarder.
  • VonSepp Hoheneder
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Wurde er Anfang des Jahrhunderts noch wegen seines Fells gejagt, wird er heute dafür für seine Kletterkünste bewundert: Die 113. Folge der OVB-Serie „Safari daheim“ beschäftigt sich mit dem Baummarder, der sich in dichten Wäldern am wohlsten fühlt.

Rosenheim – Sein Zuhause sind große Waldgebiete in Bayern. Dörfer und Städte sind dem scheuen Waldbewohner fremd. In ausgedehnten Wäldern, am besten mit viel Totholz und hohlen Bäumen fühlt sich der Baummarder am wohlsten. Im Gegensatz zu seinem Artverwandten, dem Steinmarder, der sich auch beispielsweise in Scheunen und auf Speichern gern aufhält und die Nähe der Menschen nicht scheut, geht der Baummarder menschlichen Einrichtungen aus dem Wege. Er ist ein klassischer Kulturflüchter und kommt in den Bergen bis zur Baumgrenze vor. Der hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktive Jäger geht auch in ruhigen Gebieten gerne mal tagsüber auf die Pirsch.

Keine Ballenabdrücke im Schnee zu finden

Das Fell des Baummarders (Martes martes) ist dunkelbraun, regional kann die Farbe bis kastanienbraun variieren. Die Zehen und Sohlenschwielen sind im Sommer zu erkennen, im Winterfell sind die Zehenzwischenräume stark behaart, so dass sich beispielsweise bei Schneelage keine Ballenabdrücke in der Spur ablesen lassen. Der Nasenspiegel ist schwarz und er hat etwas größere Ohren, die gelbgerändert sind. Seine Körperlänge beträgt bis zu 52 Zentimeter plus 28 Zentimeter Schwanz.

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Bei gleicher Größe mit dem Steinmarder ist der Körperbau des Baummarders um rund zehn Prozent leichter gebaut und erreicht maximal bis 1,8 Kilo. Ein typisches Kennzeichen ist vor allem der gelbe, meist ungegabelte, Kehlfleck. Die lange buschige Rute, die vor allem im Winterfell sehr ausgeprägt ist, dient ihm hauptsächlich als Gleichgewichtsorgan, wenn er sich im Kronenbereich in bis zu 30 Meter hohen Bäumen von Ast zu Ast schwingt und akrobatische, bis zu vier Meter weite Sprünge riskiert.

Phänomenale Verfolgungsjagden

Phänomenal sind seine Verfolgungsjagden auf Eichhörnchen. Bis zu zehn Minuten hetzt er dem kleinen flinken Nager nach, der bei häufigem Vorkommen seine Hauptbeute darstellen kann. Kein anderes Raubwild übertrifft ihn dabei in seinen Kletterkünsten. Die langen Krallen befähigen ihn, auch kopfüber den Baumstamm hinunterzuklettern. Bei diesen wilden Verfolgungsjagden auf Eichhörnchen kommt ihm sein agiler Körperbau zugute. Trotzdem kann es auch dem begnadeten Kletterer passieren, dass im Eifer des Gefechts ein Absturz durchaus möglich ist. Aber selbst aus 20 Meter Höhe überstehen die Tiere – wie Katzen – unbeschadet die Landung.

Vielfältiges Nahrungsspektrum

Das Nahrungsspektrum des Baummarders ist weit, aber von den Jahreszeiten und den regionalen Besonderheiten sehr unterschiedlich. Er ist zwar Allesfresser, hat aber eine ausgeprägte Vorliebe für alle Arten von Nagern und Säugern, die er überwältigen kann. Wichtige Nahrungsgruppen sind auch Vögel samt Eiern und Nachwuchs sowie Frösche, Reptilien, Früchte und Nüsse. In der Winterzeit legen sie für kargere Zeiten Vorräte an.

Ihre Ruhezeiten verbringen die Einzelgänger in Baumhöhlen, die meist der Schwarzspecht gezimmert hat. Auch leere Greifvogelhorste und Eichhörnchen-Kobel dienen dem schlauen Waldbewohner als Unterschlupf und zur Aufzucht der Jungen. Bis zu 1000 Hektar kann das Revier eines Baummarders umfassen.

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Hat sich ein Paar gefunden, kann die Verpaarung – die zumeist am Boden geschieht bis zu zwei Stunden dauern. Nach einer sogenannten Eiruhe dauert die Gesamttragzeit rund neun Monate. Im Durchschnitt bringt die Fähe im März oder April drei Junge zur Welt. Die Welpen sind bei der Geburt 30 Gramm schwer, zehn bis zwölf Zentimeter lang, nicht sehend, noch taub und ohne Zähne. Die Natur hat sie aber schon mit einem zwar kurzen, aber dennoch dichten Pelz ausgestattet.

Erst mit 35 Tagen öffnen die jungen Baummarder ihre Augen. Mit etwa 40 Tagen bekommen sie zum ersten Mal Beute, die nur die Fähe bringt. Männchen beteiligen sich nicht an der Aufzucht. Mit zwei Monaten turnen sie erstmals um ihre Aufzuchtstätte herum. Im Alter von rund vier Monaten verlässt der Nachwuchs die Mutter, um ein eigenständiges Leben zu führen. Die Lebensdauer eines Baummarders beträgt etwa acht bis zehn Jahre. Befindet er sich in der Obhut des Menschen, können es auch bis zu 16 Jahre sein.

Glänzendes Winterfell

Für sein seidiges, dichtes, weiches und glänzendes Winterfell mit den langen schwarzen Grannenhaaren und sehr feinem Wollhaar war der Baummarder ein begehrtes Beutetier der Jäger. Wie begehrt er war, bezeugt die Jagdzeitschrift „Wild und Hund“ aus dem Jahre 1926 in der Dezemberausgabe. Hier ist aus den Inseraten zu lesen, wie viel Pelzhändler zu der Zeit bereit waren zu zahlen.

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1926 betrug der durchschnittliche Verdienst eines Arbeiters in der Weimarer Republik 137 Reichsmark. 70 Reichsmark wurden für einen guten Baummarder bezahlt. Wie bei den Nerzen versuchte man auch mit dem Baummarder oder Edelmarder, wie er auch genannt wird, eine Edelmarderzucht. Aber es stellte sich heraus, dass diese zu aufwendig und zu schwierig war.

Bedrohnung kommt aus der Luft

Heute kann man den Baummarder in Bayern zwar noch bejagen, aber nur wenige Exemplare werden erlegt. Natürliche Feinde sind heute eher Fuchs, Habicht und Adler. Man kann sagen, dass sie in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet zwar selten, aber keinesfalls in ihrer Art bedroht sind.

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