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Der Tod im See - eigentlich "aufgeklärt"

Autor Wilhelm Wöbking, der sein wissenschaftliches Standardwerk zum Ableben von König Ludwig II. bereits vor 25 Jahren im Rosenheimer Verlagshaus herausbrachte, und Verleger Klaus G. Förg (links) sehen in der Neuauflage der Dokumentation einen Beitrag zur Landesausstellung auf Herrenchiemsee.  Foto Duczek
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Autor Wilhelm Wöbking, der sein wissenschaftliches Standardwerk zum Ableben von König Ludwig II. bereits vor 25 Jahren im Rosenheimer Verlagshaus herausbrachte, und Verleger Klaus G. Förg (links) sehen in der Neuauflage der Dokumentation einen Beitrag zur Landesausstellung auf Herrenchiemsee. Foto Duczek

Viele komplexe Kriminalfälle hat Wilhelm Wöbking als leitender Ermittler im Landeskriminalamt aufgeklärt. Einer der für ihn spannendsten Aufträge beschäftigte sich jedoch mit einer historischen Tragödie: dem Ableben König Ludwigs II. Mit den Methoden der Kriminalistik hatte Wöbking den Fall bereits zum 100. Todestag untersucht. Seine "Ermittlungen", passend zur Landesausstellung "Götterdämmerung" neu aufgelegt im Rosenheimer Verlagshaus, gelten bis heute als wissenschaftliches Standardwerk zum Tod des Märchenkönigs.

Rosenheim/Landkreis - Auf der Flucht ermordet, Opfer eines politischen Meuchelmordes oder eines Attentats? Um den Tod König Ludwig II. ranken sich bis heute die abenteuerlichsten Gerüchte. Dabei kommen Wöbkings Untersuchungen bereits 1986 zu einem klaren Ergebnis, dessen Informationslage sich bis zum nun wieder aufgelegten Buch im Jahr 2011 nicht verändert habe: Der entmachtete Regent beging danach mit hoher Wahrscheinlichkeit am Abend des 13. Junis 1886 Selbstmord durch Ertrinken, nachdem es zuvor zu einer körperlichen Auseinandersetzung mit seinem Arzt Dr. Bernhard von Gudden, der ihn wohl vom Suizid abhalten wollte, gekommen war. Von Gudden sei von einem wuchtigen Faustschlag des ihm körperlich überlegenen und weitaus jüngeren Königs an der Stirn getroffen, gewürgt sowie möglicherweise erdrosselt und unter Wasser getaucht worden.

Der heute 76-jährige Autor Wöbking erhielt 1982 den wohl ungewöhnlichsten Auftrag seiner Karriere: Das Haus Wittelsbach in Person des Herzogs Albrechts und seines Sohnes Franz von Bayern baten Wöbking, den Tod ihres Vorfahren zu recherchieren und daraus eine Dokumentation zu erstellen. Der Münchener Landeskriminalbeamte nahm an - unter der Bedingung, alle Akten und Protokolle, auch erstmals jene aus dem geheimen Hausarchiv der Wittelsbacher, einsehen zu können. "Es war eine hoch spannende Arbeit", erinnert sich Wöbking. Mit modernen kriminalistischen Methoden wertete er- emotionslos wie immer in seiner Karriere als Anwalt, Oberstaatsanwalt und leitender Kriminalbeamter - alle Quellen, Spuren und Aussagen auch zur Vorgeschichte des Todes aus, rekonstruierte den Tattag, analysierte die gerichtsmedizinischen Obduktionsergebnisse. Sein Ergebnis: "Der Tod im See ist nicht von dritter Seite verursacht worden." Anhaltspunkte für politische Intrigen oder eine Ermordung auf Betreiben anderer Mächte wie Preußen gebe es nicht, die Ermittlungen seien nicht gesteuert, die Akten nicht manipuliert worden. "Mit Sicherheit ist ein Tod durch Schussverletzungen auszuschließen", räumt Wöbking mit der populärsten Legende auf.

Auch die Diagnose, die zur Entmündigung des Königs geführt habe, sei unter moderner psychiatrischer Sicht korrekt: "Sein Leiden würde heute als Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis bezeichnet." Selbst die Aggressivität des Königs, die am Todestag dazu geführt habe, dass er seinen Psychiater mit in den Tod genommen habe, sei nachweislich bereits vorher aufgetreten - ebenso der Suizid-Gedanke, den der entmachtete Regent immer wieder geäußert habe.

Wie kommt es angesichts der bereits vor 25 Jahren erschienenen kriminalistischen Dokumentation zu Ludwigs Tod, dass sich bis heute Legenden darum renken, an denen zur Verwunderung von Wöbking selbst Historiker mitstricken? Der Autor sieht dies im Bedürfnis begründet, ein romantisches Bild von einem Idol aufrecht zu erhalten, in das geistige Erkrankung, Selbstmord und Gewalttätigkeit nicht hineinpassen würden. Und deshalb wird auch, so ist Wöbking überzeugt, die Neuauflage seines Buches durch Verleger Klaus G. Förg, dessen Vater es vor genau 25 Jahren zum ersten Mal herausbrachte, die "Unverbesserlichen nicht überzeugen können".

Der Autor selber sieht durch das tragische Ende des Königs das Gedenken an einen "sehr zu schätzenden, aber unglücklichen Monarchen, der sich große Dienste unter anderem an Kunst und Kultur erworben hat", nicht getrübt. "Bis heute ist König Ludwig II. der bedeutendste Marketingmanager Bayerns", findet auch Verleger Förg, der mit seinem Autor einig ist: "Das Schicksal hat König Ludwig II. übel mitgespielt, sein Tod war die Folge einer Krankheit, die ihm zum Verhängnis wurde."

"Der Tod König Ludwigs II." von Wilhelm Wöbking ist im Rosenheimer Verlagshaus in zweiter Auflage erschienen. Preis: 19,95 Euro, 414 Seiten, ISBN: 978-3-475-52500-1.

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