Die eigenen vier Wände werden teurer

OVB
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Rosenheim - Schwache Bautätigkeit in den vergangenen zehn Jahren, wenig freie Grundstücke, gestiegene Nachfrage als Folge der Erholung der Wirtschaft und des neu erwachten Interesses an der Immobilie als Wertanlage: Dies führt derzeit dazu, dass Häuslebauer, Käufer und Mieter in der Toplage Rosenheim tiefer in die Taschen greifen müssen. Der Immobilienverbund Rosenheim geht von steigenden Preisen in allen Segmenten aus. **Video auf rosenheim24.de**

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Befürchtungen, das knappe Angebot könne zu einer Überhitzung des Marktes in Rosenheim führen, erteilte der Vorsitzende des Immobilienverbundes Rosenheim und Regionalbeirat des Immobilienverbandes Deutschland (IVD), Johann Hainz, gestern vor der Presse eine klare Absage. "Wir können noch von einer gesunden Entwicklung, wenn auch mit einem relativ hohen Preisniveau, sprechen", wies er Befürchtungen, es könne in Rosenheim eine kurzfristige Spekulationsblase entstehen, zurück. Die Kaufpreise liegen nach seinen Informationen nach wie vor auf dem Niveau von Mitte der 90er-Jahre, als die Immobilienpreise ein Hoch erreicht hatten. Danach hatten die Preise lange stagniert und waren zum Teil sogar gesungen, eher wieder ein Aufwärtstrend einsetzte.

Grundsätzlich ist der Immobilienmarkt in der Stadt nach Untersuchungen von Professor Dr. Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts, auch in konjunkturschwachen Zeiten relativ stabil geblieben. Dass die Preise für Grundstücke, Haus- und Wohnungskauf und Miete jetzt ansteigen werden, liegt nach Kippes Einschätzung an einer einmaligen Marktsituation: Erstmals steige - als Folge des Endes der Wirtschaftskrise und niedriger Bauzinsen - nicht nur das Interesse der Eigennutzer, sondern auch von Anlegern. Als Vermögen sei Wohneigentum nicht nur als Folge der Turbulenzen auf dem Aktienmarkt, sondern aktuell noch geschürt durch Inflationsangst und Sorgen um den Euro in den Fokus des Interesses gerückt. Hinzu kommen nach Erfahrungen des Immobilienmarktforschers, der einen Cityreport für Rosenheim erstellt hat, neue Kauf- und Mietinteressenten der Generation 50 Plus, die es vom Land in infrastrukturell besser aufgestellte Städte ziehe. Auch der Trend zu großzügigerem Wohnraum halte an.

"In Rosenheim war außerdem die Bautätigkeit vor allem im Mehrfamilienhausbereich in den letzten zehn Jahren relativ schwach", bedauerte Hainz. Die verhaltene Neubautätigkeit und die hohe Nachfrage führen nach seinen Angaben dazu, dass die Mietpreise um bis zu 15 Prozent ansteigen. Je nach Lage und Ausstattung zahlen Mieter in Rosenheim durchschnittlich 6,90 Euro pro Quadratmeter für eine Altbauwohnung, 7,40 Euro für eine Wohnung aus dem Bestand und neun Euro für eine Neubauwohnung (jeweils auf einen guten Wohnwert bezogen). Die Mietpreise für Reihenhäuser und Doppelhaushälften liegen laut Cityreport monatlich zwischen 1100 und 1300 Euro.

Eigentumswohnungen aus dem Bestand kosten in Rosenheim nach Informationen von Kippes im Durchschnitt zwischen 980 (einfacher Wohnwert) und 2330 Euro (sehr guter Wohnwert) pro Quadratmeter. Der Kaufpreis für eine Neubauwohnung liege durchschnittlich bei 2600 Euro pro Quadratmeter. Für ein freistehendes Einfamilienhaus würden in der Regel etwa 435.000 Euro, für eine Doppelhaushälfte 358.000, für ein Reihenmittelhaus 295.000 Euro verlangt (bezogen auf gute Wohnwerte).

Da Rosenheim als wirtschaftlich starker Standort zu den deutschen Zukunftsregionen gehört, geht das Marktforschungsinstitut des Immobilienverbandes nicht von einem Bevölkerungsrückgang aus. "Rosenheim wächst und Baugrundstücke im städtischen Bereich sind rar. Dadurch dürften die Preise für Bauland ebenfalls steigen", betonte Kippes. Die Mitglieder des Immobilienverbunds Rosenheim wiesen außerdem auf gestiegene Baukosten hin - unter anderem als Folge der neuen gesetzlichen Anforderungen an die energetische Ausstattung. Alle Zeichen stehen deshalb auf "weiterhin steigende Tendenzen bei Miet- und Kaufpreisen", lautete ihr Fazit.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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