Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Ein "Ei" erobert die Lampenwelt

"Rocky Dancing Colours" kann mehr als nur Weiß: Per App lässt sich die bewegliche Design-Leuchte von Isabel Heubl farblich steuern. Foto  Heubl
+
"Rocky Dancing Colours" kann mehr als nur Weiß: Per App lässt sich die bewegliche Design-Leuchte von Isabel Heubl farblich steuern. Foto Heubl

Ein Fünf-Kilo-Ei sorgt für Schlagzeilen in der Elektronik-Fachwelt - es wippt, es kreiselt, es rockt. Und auf Wunsch tanzen auch seine Farben in allen Schattierungen durch den Raum: "Rocky Dancing Colours" hat die junge Designerin Isabel Heubl deshalb auch ihre erste Erfindung, eine interaktive, eiförmige LED-Leuchte, getauft.

In Großbritannien erhielt die (Neu-)Aiblingerin dafür den Philips Lighting Design Award.

Bad Aibling - Seit der Markteinführung vor wenigen Wochen in Frankfurt kann sich die in Aschau aufgewachsene 25-jährige Designerin vor Anfragen aus aller Welt kaum noch retten. Gleich mit ihrem Erstlingswerk scheint sie einen großen Coup gelandet zu haben.

Von Anfang an plante sie im Zuge ihrer Projektarbeit als Studentin (Produktdesign) an der Universität in Cornwall eine interaktive Leuchte - und war fasziniert von der Ei-Form: "Weder zu modern noch altmodisch, sondern eine klassische Form, die immer geht." Doch "Rocky Dancing Colours - der Name ergab sich erst viel später aus der Multifunktionalität des Produktes - sollte viel mehr sein als eine Designer-Stehleuchte. In zahlreichen Gesprächen begab sich Isabel Heubl deshalb zunächst auf die Suche nach den Wünschen und Anforderungen von Nutzern an eine gute Leuchte. "Dabei stand ganz klar auch die Haptik im Vordergrund, und das bedeutete, dass die Lampe auf keinen Fall heiß werden soll." Die Lösung hierfür nach längeren Tests: eine Drei-Watt-Hochleistungs-LED-Leuchte, mit der die etwa kniehohe Lampe stets nur Zimmertemperatur hat und trotz niedrigen Energieverbrauchs einen ganzen Raum stimmungsvoll erleuchtet.

"Doch ich wollte zugleich auch etwas Verspieltes machen. Den Gedanken an eine App hatte ich schon immer im Hinterkopf." Es bedurfte zwar vieler Tüfteleien - doch wenn Isabel Heubl heute mit ihrem Smartphone oder dem Tablet in die Nähe ihrer "Rockys" kommt, dann rührt sich richtig was: Per App kann sie nicht nur vorgeben, in welchen Farben das einzelne "Ei" leuchtet. Die Lampen lassen sich koppeln, leuchten in gleichen oder verschiedenen Farbtönen, können aber auch permanent (im programmierbaren Zeitabstand) die Farben wechseln. Es gibt unter anderem einen Weckmodus, ein "Sonnenaufgang"-Programm oder auch die Möglichkeit der Koppelung ans Telefon. "Rocky" funktioniert mit Akku ebenso wie mit Kabel.

"Doch war es mir auch wichtig, die Leuchte nicht nur per ,Fernbedienung' steuern zu können", erklärt die Designerin. Und deswegen reagiert Rocky auch auf Berührung. Mit einem leichten Klaps auf die Spezial-Oberfläche aus Acryl lässt sich nicht nur die Farbeinstellung regeln, sondern es kommt auch Bewegung in die Sache. Denn die Konstruktion der Leuchte beruht auf dem Stehaufmännchen-Prinzip: Das Ei kann praktisch nicht kippen, sehr wohl aber hin und her wippen oder sich wie ein Kreisel drehen. Dadurch entstehen wieder andere Farb- und Lichteffekte.

Die Konstruktion allerdings war auch ein Fall für sich. Dazu reiste die Studentin damals eigens nach Ungarn, wo ihr ein befreundeter Bootsbauer in seiner Werkstatt mit Rat und Tat beim Bau von Ober- und Unterschale zur Seite stand. Von dort ging es zwei Wochen später direkt zur Preisverleihung in der Nähe von London. Dabei erhielt die Designerin für den ersten Prototypen sogleich den Philips Lighting Design Award.

Auf Anraten ihres Vaters Rainer Heubl wurde zuvor noch das Patent angemeldet - wusste er doch um die Bedeutung des richtigen Zeitpunkts. Der Erfinder einer speziellen Babyschaukel ("Meine Tochter war das erste Baby, das sich in Bauchlage selbst anschaukeln konnte") freut sich riesig, dass Isabel gut 20 Jahre später selbst unter die Erfinder und Designer gegangen ist. Noch dazu mit einem Werk, das auf seinem Schaukelprinzip beruht.

Er steht seiner Tochter mit Rat und Tat ebenso zur Seite wie die Mutter. Zugleich kam es zu einem interfamiliären Teamwork der besonderen Art, der die Drähte zwischen Großbritannien und Deutschland glühen ließ: Schwester Maxie "begleitete" Rockys Werdegang mit ihrer erfolgreichen Diplomarbeit im Studium der Wirtschaftswissenschaften zum Thema Marketing - was wiederum dem Design-Projekt zugute kam. Das zeigte sich nun auch bei der Markteinführung.

Inzwischen werden die Komponenten von "Rocky" seriell unter anderem in Düsseldorf und Hamburg gefertigt und nicht nur Firmen-Manager schickten sich gegenseitig in den Innovationsbereich der Frankfurter Messe, beeindruckt von der hochkomplexen elektronischen Steuerung der Leuchte.

Von Kanada über Südafrika bis in den arabischen Raum reichen mittlerweile die Anfragen von Interessenten, die "Rocky Dancing Colours" vermarkten möchten. Nicht mehr erwarten konnte es gar ein Unternehmer aus Brüssel: Er sah die Leuchten auf der Messe in Frankfurt und orderte auf der Stelle sechs Stück für seine kurz darauf geplante Geschäftseröffnung. "Am liebsten hätte er gleich die Vorserienmodelle vom Stand mitgenommen", erinnert sich die junge Designerin.

Zur Zielgruppe "Hotels, Spa, Bars, Lounges" sind mittlerweile weitere hinzugekommen. Arztpraxen und Innenarchitekten fragen ebenso wie Privatpersonen danach. Die Techniker, die beim Entwickeln von Rocky geholfen hatten, mussten sogar nach zwei Messe-Tagen vorzeitig zurück in die Werkstatt - mit dem neuen Auftrag, eine Outdoor-Variante zu entwickeln.

Diese wird in Kürze vorgestellt - in einem dafür geradezu prädestinierten Rahmen: auf dem B&O-Parkgelände (ehemaliges US-Areal) in Mietraching. Denn dort schließt sich ein weiterer Bogen. Eigentlich nur durch Zufall darauf gestoßen, sprang der Funke der Begeisterung auf Familie Heubl sofort über: "Das Konzept von Dr. Ernst Böhm, der das Gelände auch unter den Aspekten von Innovation, Technologie und Nachhaltigkeit entwickelt, hat uns absolut überzeugt", betont Rainer Heubl. Vor wenigen Tagen ist er mit seiner Familie dort ins neue Haus eingezogen. Und auch Isabel Heubl, die in Frankfurt als Unternehmensberaterin arbeitet, hat das Areal als Standort für ihr Büro gewählt.

Denn eines ist für die Designerin, deren Start auch durch das Programm "Bayern Innovativ" gefördert wurde, sicher: "Rocky Dancing Colours" wird nicht ihr letztes Projekt sein.

Kommentare