Nach Infektionen im Marinushof

Eggstätt: Seniorenheim nach Corona-Ausbruch auf dem Weg der Besserung

45 Mitarbeiter und Betreute des Marinushofes in Eggstätt waren asymptomatisch an Corona erkrankt. Die meisten sind mittlerweile genesen.
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45 Mitarbeiter und Betreute des Marinushofes in Eggstätt waren asymptomatisch an Corona erkrankt. Die meisten sind mittlerweile genesen.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Vorsichtiges Aufatmen im Marinushof: In dem Heim zur demenzerkrankte Senioren stabilisiert sich die Lage. 45 Betreute und Mitarbeiter waren corponapositiv getestet worden, aber asymptomisch erkrankt. Der Großteil gilt als genesen oder ist auf dem Weg dorthin. In der Gemeinde gilt ein „Lockdown light“.

Eggstätt – Die Corona-Fallzahlen steigen im ganzen Landkreis. Besonders betroffen: Eggstätt. Und dort vor allem der Marinushof, ein Heim für Senioren mit Demenzerkrankungen.

27 Betreute und 18 Mitarbeiter waren dort in den vergangenen Wochen positiv getestet worden. Bei allen Betroffnen war der Verlauf asymptomatisch, sie zeigten keine oder kaum Anzeichen der Erkrankung. Der Großteil der positiv Getesteten gilt als genesen oder auf dem Weg dorthin.

Demenzerkrankte schlafen auch in fremden Betten

Heimleiterin Heidi Mittendorfer-Wierer: „Demenzerkrankte sind nicht einzuschränken, sie bewegen sich durch das Haus, machen auch mal in einem fremden Bett ein Nickerchen oder trinken aus einem fremden Glas. Deswegen war von Anfang an klar – und auch mit den Behörden und Angehörigen besprochen – dass bei uns das ganze Haus betroffen ist, wenn es zu einem ersten Fall kommt.“

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Pflegekräfte-Notfallpool gibt es nicht mehr

Der Ausfall von 18 Mitarbeitern – knapp die Hälfte des Personals – sei hart gewesen, ist sich Betreiber Stefan Mayer mit seiner Heimleiterin einig. „Es hätte uns sehr geholfen, wenn wir den Pflegekräfte-Personalpool des Landkreises hätten nutzen können, aber den gibt es nicht mehr“, so Mayer.

Den habe es so auch nicht gegeben, sagt Michael Fischer, Sprecher des Landrats- und des Gesundheitsamtes. Während des Katastrophenfalles im Frühjahr habe man eine Liste mit zur Verfügung stehenden Pflegekräften gehabt, zu denen Altenheimbetreiber im Notfall Kontakt aufnehmen konnten. Eine aktuelle Liste gebe es nicht, so Fischer, und eine Neuauflage sei derzeit auch nicht angedacht. Pflegeheime seien verpflichtet, eigenständig Personal vorzuhalten.

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Mayer, der mit einem Partner mehrere Pflegeheime in der Region betreibt, hätte notfalls auf Personal anderer Heime zugreifen können. „Aber was macht der Betreiber eines Solitärheimes? Für den wäre Unterstützung vom Landkreis sehr wichtig“, so Mayer.

Ausnahmegenehmigung vom Gesundheitsamt

Für den Marinushof fand sich eine Lösung: Vom Gesundheitsamt, „mit dem wir eng zusammenarbeiten“, habe es laut Heidi Mittendorfer-Wierer eine Ausnahmegenehmigung gegeben, dass Pflegekräfte mit asymptomatischem Krankheitsverlauf sich um positiv getestete Betreute kümmern konnten. Über alle Maßen hinaus engagiert hätten sich die Mitarbeiter sowieso, ist Mayer dankbar. „Wir sind ein super Team, das extrem zusammenhält“, sagt die Heimleiterin. Und das rund um die Uhr Unterstützung von zwei Ärzten hatte. Nur so sei die Belastung zu stemmen gewesen.

Weitere Infos rund um das Coronavirus finden Sie in unserem News-Ticker.

Was allerdings ist, wenn die Corona-Tests der bisher negativen Mitarbeiter und Betreuten vom Dienstag neue Fälle bringen, darüber wollen Heimbetreiber und Heimleiterin lieber nicht nachdenken. Genug Schutzausrüstung haben sie.

„Lockdown light“ in vier Gemeinden

Eggstätt hat neben den Fällen im Marinushof auch im Ort einige Coronafälle zu verzeichnen. Deshalb gibt es nun einen „Lockdown light“: Die Hartseehalle ist vorerst geschlossen, Veranstaltungen sind verschoben. „Die Sicherheit und Gesundheit unserer Bürger geht vor“, sagt Bürgermeister Christian Glas. Ähnlich sehen es seine Kollegen in Breitbrunn, Gstadt und Chiemsee, dort sind wegen rapide gestiegener Fallzahlen die öffentlichen Einrichtungen der Verwaltungsgemeinschaft geschlossen.

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