Von der "Effha" zur Hochschule

Der so genannte A-Bau, die Keimzelle der Rosenheimer Hochschule, im Jahr 1971 (links). Der letzte Erweiterungsbau (rechts) wurde 2008 eröffnet. Fotos reU
+
Der so genannte A-Bau, die Keimzelle der Rosenheimer Hochschule, im Jahr 1971 (links). Der letzte Erweiterungsbau (rechts) wurde 2008 eröffnet. Fotos reU

Am 1. Oktober 1971 öffnete die Fachhochschule Rosenheim erstmals ihre Tore: 700 junge Menschen nahmen ihr Studium in einer der drei Fachrichtungen Holztechnik, Kunststofftechnik und Betriebswirtschaft auf. Bis heute sind diese im Studienangebot der Hochschule Rosenheim zu finden - und noch 20 weitere Studiengänge dazu. Was mit dem Bayerischen Fachhochschulgesetz am 1. August 1971 in Kraft trat, entwickelte sich in den folgenden Jahren in ganz Bayern zur Erfolgsgeschichte - auch in Rosenheim.

Rosenheim - "Mit dem Inkrafttreten des Bayerischen Fachhochschulgesetzes am 1. August 1971 wurde der Wunsch weiter Kreise aus Wirtschaft und Politik umgesetzt", sagte Gründungspräsident Dr. Josef Gebhard anlässlich der Errichtung der Fachhochschule in Rosenheim. Gebhard hatte viele Jahre die Staatliche Ingenieurschule und Höhere Wirtschaftsfachschule geleitet. Bis zum Bezug des neuen Studiengebäudes in der Marienberger Straße im Frühjahr 1970 fanden die Lehrveranstaltungen der Ingenieursschule im heutigen Altbau der Grundschule an der Prinzregentenstraße statt. Die Wandlung von der Ingenieursschule mit dem Ausbildungsschwerpunkt Holztechnik zur Fachhochschule mit einem differenzierten Lehrangebot war von viel Arbeit begleitet und dennoch innerhalb von nur sechs Jahren bewerkstelligt: Eine Lehrstoffreform wurde durchgeführt mit Betonung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundlagenfächer, die allgemeinbildenden Disziplinen ausgebaut, das Dozentenkollegium von 14 im Jahr 1965 auf 38 im Sommer 1971 vergrößert, die Studierendenzahl erhöht und praxisbezogene Forschung und Entwicklung eingeführt.

Schwerpunkt auf der Lehre

"Ziel des Gesetzes war es, einen zweiten Hochschultyp zu schaffen, dessen markantestes Kennzeichen, auch in Unterscheidung zu den Universitäten, die anwendungsorientierte Lehre ist", erklärt Professor Heinrich Köster, seit 2008 Präsident der Rosenheimer Bildungsstätte - kurz: Hochschule Rosenheim. "Hinsichtlich ihrer konsequenten Praxisorientierung sind sich die Fachhochschulen treu geblieben", so Köster. Studierende bearbeiten bereits während ihres Studiums Projekte im Auftrag von Unternehmen, nehmen an Exkursionen teil und verbringen ein ganzes Semester in einem Betrieb in der freien Wirtschaft.

Um als Professor an eine Hochschule für angewandte Wissenschaften, wie sich Fachhochschulen heute nennen, berufen zu werden, müssen die Bewerber neben einer hohen wissenschaftlichen Qualifikation eine mindestens fünfjährige einschläfige Berufspraxis mitbringen, alle fünf Jahre ein Industriesemester absolvieren und sind aufgerufen, sich in anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung einzubringen. Auch dieser Bereich ist - neben der wissenschaftlichen Weiterbildung - seit 2006 eine Kernaufgabe der Hochschule. "Die Forschungsprojekte werden meistens in enger Zusammenarbeit mit Partnern aus der Wirtschaft oder Wissenschaft durchgeführt. Dadurch ist gewährleistet, dass die Lehre wissenschaftlich fundiert stattfindet", so Köster. "Es werden aber zunehmend auch universitäre Grundlagenforschung aufgenommen und Lösungen für praktische Probleme gesucht und entwickelt."

Waren die ersten dreißig Jahre ihres Bestehens als Fachhochschule von der Einrichtung neuer - vor allem technischer - Studiengänge und der Umsetzung mehrerer Erweiterungsbauten geprägt, stellte die Bologna-Erklärung von 1999 die Rosenheimer Hochschule vor eine neue Herauforderung: Entsprechend der Vereinbarung der 29 europäischen Bildungsminister, international vergleichbare und anerkannte Bildungsabschlüsse einzurichten, wurden die Rosenheimer Diplomstudiengänge innerhalb von zehn Jahren umgestellt: Aktuell bieten die sieben Fakultäten 14 Bachelor- und sechs Masterstudiengänge an, dazu drei berufsbegleitende, weiterbildende Studiengänge. Auch in der aktuellen Entwicklung sucht die Hochschule das Gespräch mit den Unternehmen in der Region und deren Bedürfnissen.

"Wir planen zum Start des Wintersemesters 2011/12 mit einem neuen Studiengang in den Bereich Gesundheit zu expandieren. Dies ist der erste Schritt hin zu einer neuen Fakultät für Gesundheit", so der Präsident. Derzeit werde eine Reihe weiterer Neuerungen geprüft: "Zum einen stehen dringend bauliche Veränderungen an", sagt Köster. Eine Campus-Managerin entwickle in den kommenden Monaten einen Plan dazu. Dieser sieht beispielsweise eine Auslagerung der Parkplätze, die Verlagerung der Übungsanlagen und die Entwicklung eines Kommunikationszentrums vor. "Hier spielen Überlegungen hinein, wie die Studierenden von morgen lernen möchten: vernetzt, in Gruppen, mit der Möglichkeit zum sofortigen Austausch - und alles auf technisch höchstem Niveau" fasst Köster seine Vorstellungen von der "Hochschule 2020" zusammen. "Die Lebens- und Lernrealität der Studierenden hat sich in kurzer Zeit sehr verändert", erklärt Köster: "Studierende brauchen Flexibilität - und damit eine Lehre, die unabhängig ist von Ort und Zeit."

Auf dem Weg zur "Hochschule 2020"

Derzeit wird das E-Learning-Angebot erweitert. Über weitere Möglichkeiten des Distance Learnings bis hin zu Lehrformen wie dem Teleteaching wird laut Köster intensiv nachgedacht: "Die 'Hochschule 2020' passt sich an die Situation von Studierenden an und bietet ihnen gleichzeitig alles, was sie für eine sehr gute Ausbildung und schnellen Start ins Berufsleben benötigen." re

Kommentare