ACHT TATKOMPLEXE, 185 FÄLLE

Ecstasy an Minderjährige verkauft? 30-jähriger Flüchtling aus Bernau vor Gericht

Bunt und gefährlich: Ein Zollbeamter hält Ecstasy-Tabletten in den Händen. Mit derartigen Drogen soll ein 30-Jähriger junge Leute aus dem Achental versorgt haben.
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Bunt und gefährlich: Ein Zollbeamter hält Ecstasy-Tabletten in den Händen. Mit derartigen Drogen soll ein 30-Jähriger junge Leute aus dem Achental versorgt haben.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Über ein Jahr lang soll ein 30-jähriger Flüchtling aus Bernau Minderjährige aus dem Achtenal mit diversen Drogen versorgt haben. Das junge Alter seiner Kunden sei ihm laut Staatsanwaltschaft bekannt gewesen. Nun muss sich der 30-Jährige im Traunstein vor Gericht verantworten.

Traunstein/Bernau – Nicht nur wegen der Drogenwirkung, sondern sogar als „Schlankheitsmittel“ über einen Zeitraum von zwei Wochen hinweg nahmen junge Frauen offensichtlich Ecstasy-Tabletten – von denen ihnen teils übel wurde. Das wurde gestern im Traunsteiner Landgerichtsprozess in einem Verfahren vor der Ersten Strafkammer mit Vorsitzender Richterin Heike Will gegen einen 30 Jahre alten Flüchtling aus Bernau deutlich, der zwischen Frühjahr 2019 und August 2020 Minderjährige im Achental mit Betäubungsmitteln versorgt haben soll.

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Staatsanwalt Josef Haiker wirft dem 30-Jährigen aus Bernau vor, in acht Tatkomplexen mit 185 Fällen junge Leute in Grassau, Marquartstein und Schleching mit Drogen, insbesondere mit Marihuana, Haschisch und Ecstasy-Tabletten, beliefert zu haben. Der Angeklagte soll um das jugendliche Alter der Konsumenten gewusst haben.

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Gegen die minderjährigen Zeugen laufen durchwegs noch entsprechende Verfahren. Obwohl sie dadurch ein Schweigerecht in dem gestrigen Prozess gehabt hätten, machten sie Angaben, in denen sie den Angeklagten und damit auch sich selbst belasteten. Einige Eltern begleiteten die jungen Menschen, die teils vorher keine oder wenig Erfahrung mit Drogen hatten. Mit einer der Minderjährigen, damals 16 Jahre alt, war der 30-Jährige nach Worten des Mädchens zeitweise näher befreundet. Sie bekam anfangs auch Betäubungsmittel von ihm geschenkt.

Drogen auf Bestellung

Deutlich wurde bislang, dass die Interessenten die jeweilige Substanz bestellen mussten. Der Dealer soll möglicherweise irgendwo ein Depot betrieben und dann jeweils vorher einen Übergabeort vereinbart haben. Einige der Zeugen schilderten, der Angeklagte habe ihnen auch andere Drogen als die gewünschten angeboten – samt günstigerem Preis als vergleichsweise in München.

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Der Angeklagte mit den Verteidigern Julian Praun aus Traunreut und Dr. Markus Frank aus Rosenheim zur Seite berief sich auf sein Schweigerecht. Die Erste Strafkammer wird weitere Zeugen vernehmen, um den Sachverhalt aufzuklären. Beim nächsten Termin wird unter anderem die Sachbearbeiterin über ihre Ermittlungen berichten.

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