Initiative für weniger Lichtverschmutzung

Bei Earth Night am 17. September waren die Lichter aus

  • Silvia Mischi
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Angst vor der Dunkelheit steckt seit Menschengedenken in uns. Doch durch nächtliche Beleuchtung wird die Umwelt zerstört, sagen Experten. Dies aber ist den Wenigsten bewusst. Ein Rimstinger will das ändern und ruft dazu auf, am Donnerstag ab 22 Uhr Licht auszuschalten.

Rimsting – Von den 3000 Schmetterlingsarten, die es in Bayern gibt, sind 93 Prozent nachtaktiv. Fledermäuse empfinden Straßenbeleuchtungen als Grenzmauern, die sie nicht überfliegen. Alleine an den Straßenlaternen in Deutschland verenden jeden Sommer mehr als 100 Milliarden Insekten, ergab eine wissenschaftliche Studie. „Die Zahlen sind erschütternd“, sagt Manuel Philipp aus Rimsting. Umso mehr freut es ihn, dass am Donnerstag, 17. September, vielerorts nachts wegen der von ihm initiierte „Earth Night“ das Licht ausgeschaltet wird – dem gesunden Schlaf, der Natur und dem Klima zuliebe.

Beteiligungen auch in den Landkreisen Rosenheim und Mühldorf

Die Gemeinden Aschau, Bernau, Bruckmühl und Stephanskirchen sind im Landkreis Rosenheim dabei. Die Kreisstadt Mühldorf sowie die Gemeinde Ampfing beteiligen sich unter anderem im Landkreis Mühldorf. Deutschlandweit sind – per Beschluss – 19 Kommunen bei der Aktion dabei. Zahlreiche Unternehmen konnte Manuel Philipp ebenso gewinnen. Viel Überzeugungsarbeit habe er leisten müssen, sagt Philipp.

Manuel Phillipp (links) zeigt das Universum und mach mit der Aktion „Earth Night“ auf die Lichtverschmutzung fest.

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Beleuchtungspflicht gegen Lichtverschmutzung

Denn viele Gemeinden glauben, sie hätten eine generelle Beleuchtungspflicht. Das aber stimmt nicht. „Sie trifft eine Verkehrssicherungspflicht, was bedeutet, dass sie Gefahrenbereiche kenntlich machen müssen, was aber nicht zwingend durch Licht geschehen muss.“ Laut Auskunft der Versicherungskammer Bayern reiche es beispielsweise an Fußgängerüberwegen aus, diese mit Planken und Blinklichtern zu kennzeichnen. „Straßenzüge, die nicht bekanntermaßen unfallträchtig sind oder auch normale Wohnstraßen müssen nicht verpflichtend beleuchtet werden“, sagt Manuel Philipp.

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Weitere Städte und Gemeinden habe er dafür gewinnen können, Donnerstagnacht die Rathausbeleuchtung oder Ähnliches bei sich auszuschalten. „Es werden täglich mehr“, freut er sich.

Initiative geht von „Paten der Nacht“ aus

Die Earth Night ist ein Initiative von „Paten der Nacht“ – einer in Deutschland ansässigen überparteilichen Vereinigung Ehrenamtlicher, die sich für den Schutz der Nacht und die Eindämmung der Lichtverschmutzung durch Aufklärungsarbeit und Best-Practice-Beispiele einsetzt. Donnerstag, den 17. September, findet ab 22 Uhr die Aktion statt – „für wenigstens eine dunkle Nacht pro Jahr“ formuliert Phillipp das Motto. Die Earth Night ist ein Ereignis, bei der Menschen versuchen, Kunstlicht so weit wie möglich zu reduzieren. Anders als bei der Earth Hour im März (bei der das Licht für nur eine Stunde abgeschaltet wird, um symbolisch auf den Klimaschutz aufmerksam zu machen), wird bei der Earth Night im September eine ganze Nacht das Licht reduziert. Die Earth Night will auf die exzessive Nutzung von nächtlichem Kunstlicht und seinen Folgen für Mensch, Umwelt und Natur aufmerksam machen. „Sinnlos leuchtendes sowie fehlgelenktes Licht ist pure Energieverschwendung und schadet dem Klima. Das ist bekannt.

Sternenhimmel verblasst

Kaum bekannt ist, was Licht darüber hinaus noch alles anrichtet: Es lässt den Sternenhimmel verblassen und macht den Schlaf weniger erholsam“, erklärt der Initiator. Zudem: Kunstlicht töte im Sommer milliardenfach Insekten, die uns und der Natur dann als Bestäuber sowie den meisten Tieren als Hauptnahrungsquelle fehlen. Ganze Ökosysteme geraten wegen dieser sogenannten Lichtverschmutzung aus dem Takt.

Initiator seit vier Jahren aktiv

„Die Politik tut in puncto Lichtverschmutzung bislang viel zu wenig. Dabei ist mit kaum etwas derart schnell, leicht und einfach nachhaltiger Umweltschutz zu betreiben, wie durch einen veränderten, das heißt verantwortungsvolleren Umgang mit Licht“, betont Phillipp.

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Sensibilisiert dafür, wie schädlich Licht ist, wurde Manuel Philipp vor vier Jahren. Damals entwickelte der Werbefachmann, Hobby-Astronom und studierter Physiker die Idee für den Sternenpark Winkelmoosalm. „Dort in Reit im Winkl hat man nachts eine großartige Sicht auf den Sternenhimmel, was daran liegt, dass es dort noch natürliche Dunkelheit gibt“, sagt der 50-Jährige. Um diese zu bewahren, schlug er vor, die Region zu einem Lichtschutzgebiet zu machen. Mit Erfolg.

So stark ist der Vollmond

Übrigens: Der Vollmond leuchtet mit 0,3 Lux, Straßenlaternen erzeugen zwischen zehn und 20 Lux. „Wir von ,Paten der Nacht‘ empfehlen eine Gehwegbeleuchtung von einem Lux, das ist dreimal so hell wie der Vollmond und reicht völlig“, sagt Philipp.

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