Ein Dutzend Jahre hinterher

Die Bestandsstrecke im Inntal, aufgenommen bei Brannenburg. Bis eine zweite Schienenverbindung von Wörgl über Rosenheim nach Grafing verläuft, vergehen nach den aktuellen Planungen wohl noch 20 Jahre. aez

Rosenheim/Kufstein – Das gesamte System des Brenner-Basistunnels umfasst rund 230 Kilometer Strecke inklusive sämtlicher Bauwerke.

Aktuell sind rund 90 Kilometer davon ausgebrochen. Ende des Jahres 2026, Anfang 2027 wollen die beiden Staaten Italien und Österreich die neue Schienenverbindung zwischen Franzensfeste in Südtirol und Innsbruck eröffnen. Die nördliche – und wohl auch die südliche – Zulaufstrecke wird bis zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht vollständig befahrbar sein.

Vor allem das deutsch-österreichische Teilstück zwischen Wörgl und Grafing wird bis zur Inbetriebnahme des Basistunnels noch nicht viergleisig ausgebaut sein. Darin sind sich alle mit dem Projekt befassten Seiten einig. Doch was passiert, wenn der Tunnel eröffnet wird und die Zulaufstrecken nur zur Hälfte befahrbar sind? Experten sagen vo raus, dass das Güteraufkommen zwischen Italien und Deutschland stetig wachsen und nur zu einem Teil sprunghaft mit dem Meilenstein Ende 2026 steigen wird. Da die Bestandsstrecken noch Kapazitäten frei haben, lassen sich zusätzliche Züge aller Voraussicht nach bis zu einem gewissen Grad abwickeln. Der Brennerbasistunnel und der Nordzulauf sind jedoch langfristige Projekte. Deren neue Infrastruktur wird mit einer Lebensdauer für mehrere Generationen angelegt, weshalb Reserven berücksichtigt worden sind. Aus diesem Grund ist für das Trassenauswahlverfahren ein Bemessungsfall mit 400 Zügen pro 24 Stunden definiert worden (wir berichteten).

Die Zeitschiene für den weiteren viergleisigen Ausbau vom Nordzulauf sieht drei Teilbereiche vor: Der Abschnitt zwischen Radfeld bei Wörgl und Schaftenau bei Kufstein soll zwischen Mitte 2023 und Mitte 2032 gebaut werden. Fahrplanmäßiger Betrieb wird nach Angaben der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und der Deutschen Bahn (DB) ab Dezember 2032 herrschen.

Die Zeitschienen für den gemeinsamen Planungsraum (zwischen Schaftenau und Rosenheim) sowie den erweiterten Planungsraum (von Rosenheim nach Grafing) verlaufen parallel. Das derzeitige Trassenauswahlverfahren für die Neubaustrecke soll bereits Anfang 2020 nach einer Bewertung der derzeitigen Vorschläge abgeschlossen sein. Daran schließt sich die rund sechs Monate lange Vorplanung an, die im Herbst 2020 in die Vorbereitung der Entwurfs- und Genehmigungsplanung übergeht. Ab Mitte 2021 folgt die aufwendige Phase der Entwurfs- und Genehmigungsplanung, für die aktuell eine Dauer von fünf Jahren angesetzt wird. Der Spatenstich für beide neuen Teilstrecken könnte demnach im Januar 2026 erfolgen. Zum Vergleich: Dies ist das Jahr der geplanten Inbetriebnahme des Basistunnels zwischen Italien und Österreich. Zum großen Fahrplanwechsel im Jahr 2038, genauer gesagt am 13. Dezember, soll die Neubaustrecke zwischen Kufstein, Rosenheim und Grafing in Betrieb gehen. aez

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