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Druck auf Intensivstationen steigt

Weniger klinische Verläufe, aber mehr Patienten auf der Intensivstation: Die dritte Welle macht Medizinern in der Region Rosenheim nach wie vor Sorgen.
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Weniger klinische Verläufe, aber mehr Patienten auf der Intensivstation: Die dritte Welle macht Medizinern in der Region Rosenheim nach wie vor Sorgen.

Rosenheim – Die dritte Welle macht Medizinern in der Region Rosenheim nach wie vor Sorgen.

Insbesondere in den Romed-Kliniken ist die Lage angespannt, vor allem die Intensivstationen in der Region sind beansprucht. Zur aktuellen Lage haben die OVB-Heimatzeitungen mit Dr. Hanns Lohner, Chefarzt am Romed-Klinikum, gesprochen. Über seine Sorgen – und darüber, was ihm Hoffnung macht.

Die Bundesnotbremse kommt, allenthalben hört man von großer Besorgnis. Teilen Sie die Sorgen?

Wir stellen ein Phänomen fest. Die Belastung auf den Normalstationen hat nicht zugenommen, das war zuletzt sogar weniger. Aber in den letzten zehn Tagen hat der Aufnahmedruck auf die Intensivstationen deutlich zugenommen. Das macht uns Sorge. Wir gucken auf die Zahlen in Oberbayern, da nimmt die Intensivbelegung auch langsam zu, sie verharrte zuletzt aber auf einem Plateau. Bei uns aber ist da eine Zunahme. Aktuell in Rosenheim werden zehn Covid-Patienten auf der Intensivstation behandelt, die mehrheitlich auch beatmet werden. In Wasserburg sind es zwei Patienten.

Es wird gerade viel über Long Covid gesprochen, gerade bei jüngeren Patienten.

Wenn sich Long Covid entwickelt, mit lang anhaltenden Allgemeinbeschwerden und Leistungsminderung, sind die Patienten nicht mehr stationär bei uns. Was aber die Intensivversorgung an sich betrifft: Da haben wir schon mehr jüngere Patienten als während der zweiten Welle. Die kommen manchmal vielleicht etwas spät in die Klinik, nicht lang vor dem Intensivbedarf. Sie werden dann auch oft länger beatmet, versterben aber auch seltener als ältere Patienten.

Wie knapp stehen die Kliniken vor der Kapazitätsgrenze?

Wir sind belastet, das ist keine Frage. Wir sind zunehmend mehr belastet, weil wir mehr Intensivpatienten in den letzten zehn Tagen hatten. Das bemisst sich nicht an der Zahl der zur Verfügung stehenden Betten, sondern am kompetenten Intensivpersonal. Wir versuchen im Romed-Verbund, Personal auf die Intensivstationen zu bekommen, damit können wir das zur Zeit noch bewerkstelligen.

Spielt der Personalschlüssel eine Rolle?

Mit vier Pflegekräften in jeder Schicht kann man acht Intensivpatienten betreuen, da geht aber kurzfristig auch mal die Betreuung eines neunten. Diesen Personalschlüssel müssen wir aber auch halten, wir müssen natürlich unsere Mitarbeiter vor Überlastung schützen und es gibt entsprechende Verordnungen. Aber da man hoffen darf, dass man mal einen Patienten weniger als nach Schlüssel hat, darf man schon mal kurz drüber gehen. Dennoch: Das Personal ist schwer belastet. Der fachliche und personelle Aufwand in der Intensivpflege ist sehr hoch.

Mussten Sie Betten sperren, weil Sie zu wenig Personal haben?

Auch ohne Covid kommt es vor, bei allen Kliniken, dass eine Station vorübergehend voll ist. Dann muss man sperren. Es gibt da ein System, da ist jederzeit für alle Kliniken und den Rettungsdienst zu erkennen, wer noch Aufnahmefähigkeit hat und welche Klinik voll ist. Es ist aber durchaus auch üblich, dass man vorübergehend als nicht aufnahmebereit meldet. Dann müssen Patienten in andere Kliniken gefahren werden. Das ist aber nicht nur in Covid-Zeiten so, es ist nur jetzt manchmal häufiger der Fall.

Panisch sollte man nie werden. Wir versuchen, das planvoll anzugehen. Die Entwicklung der letzten zehn Tage besorgt uns sehr. Wir werden auch in einer Woche die Patienten versorgen können, aber die He rausforderungen werden größer. Unser Personal hat schon zwei Wellen hinter sich, ist ausgebrannt in einem gewissen Sinne. Die Gefahr, dass wir zum Beispiel Triage machen müssen: die sehe ich in der Region aber nicht.

Sehen Sie Licht am Horizont?

Die Tatsache, dass die Belegung auf den Normalstationen nicht so ansteigt und wir wissen, dass die Welle der Intensivpatienten da immer ein bisschen hinterherhinkt, kann Hoffnung geben, dass wir möglicherweise in zwei, drei Wochen auch im Bereich der Intensivstationen wieder auf einem Normalniveau sind. Das ist aber natürlich Spekulation. Ich hoffe, dass in den Mai hinein eventuell eine gewisse Stabilisierung eintritt. Doch da müssen wir erst hinkommen. Die nächsten zwei, drei Wochen werden nochmals fordernd.

Impfungen – machen die sich bemerkbar?

Ja, das ist eindeutig der Fall. Wir sehen keine Ausbrüche in den Heimen mehr, da dort ein Großteil der Bewohner geimpft ist. Auch die mittlerweile gut vorangekommene Impfung von alten Menschen dürfte mit ein Grund dafür sein, dass diese sehr gefährdeten Patienten seltener an Covid erkranken als in der ersten und zweiten Welle. Und auch bei unseren Mitarbeitern sehen wir die Wirkung der Impfung sehr deutlich. Wir haben mittlerweile mehr als 60 Prozent unseres Personals geimpft und haben jetzt nur noch ganz selten von Covid betroffene Mitarbeiter. In Rosenheim hatten wir seit Monaten keine Patienten mehr, die sich während des Klinikaufenthaltes mit Covid angesteckt haben.

Interview: Michael Weiser

Dr. Hanns LohnerChefarzt Romed-Kliniken

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