Drogen-Netzwerk aufgebaut: Rosenheimer Gericht verurteilt 19-jährigen Raublinger

Ein Polizeiermittler zeigt unterschiedliche Ecstasy-Tabletten: Auch mit dieser Drogenart hat ein 19-jähriger Raublinger gehandelt.
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Ein Polizeiermittler zeigt unterschiedliche Ecstasy-Tabletten: Auch mit dieser Drogenart hat ein 19-jähriger Raublinger gehandelt.

Weil er mit Bekannten ein Drogen-Netzwerk aufgebaut hat, musste sich jetzt ein 19-jähriger Mann aus Raubling vor Gericht verantworten. Zudem standen eine 18-jährige Raublingerin sowie ein 18-jähriger Neubeurer und ein 16-jähriger Neubeurer in Rosenheim vor Gericht.

Von Christa Auer

Raubling/Rosenheim – Das Jugendschöffengericht Rosenheim verurteilte jetzt einen 19-jährigen Raublinger wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln zu einer Einheitsjugendstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Eine 18-jährige Raublingerin und ein gleichaltriger Neubeurer wurden wegen Beihilfe zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Für die beiden und einen 16-jährigen Neubeurer gab es zudem die Auflage zur Teilnahme an Suchtberatungsmaßnahmen.

Handel bringt 34 200 Euro ein

Verbotenes Handeln mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in 18 Fällen, davon dreimal in besonders schwerem Fall und viermal mit Waffen, ließen ein gewisses Maß an krimineller Energie bei dem 19-Jährigen vermuten. Dafür sprachen auch der Tatertrag von 34 200 Euro sowie sein Netzwerk mit Freunden, deren Gutmütigkeit und Zuneigung er ausnutzte und die er für seine gut geplanten Taten einspannte.

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So sah es zumindest das Jugendschöffengericht Rosenheim, vor dem sich die Jugendlichen verantworten mussten. Alle vier Angeklagten hatten sich von Anfang an geständig gezeigt und damit den Anklagevorwurf bestätigt. Demnach kaufte der Raublinger am 9. Oktober von einem anderweitig Verfolgten nahe des Bahnhofs in Raubling knapp 500 Gramm Marihuana.

Anschließend übernahm die 18-jährige, die damals mit dem Raublinger in einer Beziehung war, den Stoff und bewahrte ihn kurze Zeit in ihrer Wohnung auf. Das war dem Angeklagten aber wohl zu heiß, denn er versuchte, das Marihuana anderweitig zu deponieren.

Jugendlicher lehnt Angebot am Telefon ab

Sein Versuch, den 16-jährigen Neubeurer für diese Aufgabe zu gewinnen, scheiterte, weil der Jugendliche am Telefon ablehnte, den Stoff bei sich aufzubewahren. Allerdings fragte dieser seinen 18-jährigen Freund, der sich bereit erklärte, die Drogen in seinem Zimmer zu verstecken. Laut dessen Angaben sei das geschehen, ohne lange nachzudenken. Später habe er sich aber sehr unwohl dabei gefühlt.

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Deshalb habe er gemeinsam mit seinem Freund die Drogen am nächsten Morgen dem Raublinger zurückgebracht, sagten die beiden Neubeurer vor dem Schöffengericht. Sie hatten ihr Handeln zuerst als Freundschaftsdienst angesehen, „weil er uns auch schon oft geholfen hat und wir ihn nicht hängen lassen wollten“. Im Nachhinein sei ihm aber klar geworden, dass eine Grenze überschritten worden sei, sagte der 18-Jährige.

Der Raublinger habe die Drogen in seiner Wohnung, wo er eine geladene Schreckschusspistole griffbereit aufbewahrt hätte, kurz überprüft und dann den 16-Jährigen gebeten, das Marihuana zu seiner Freundin zu bringen, wo es bis zum Weiterverkauf im Gartenschuppen der Eltern gelagert werden sollte.

Baseballschläger griffbereit

Dort hatte der Raublinger einen Baseballschläger greifbar deponiert und mindestens vier Mal Drogen gelagert, wie das Mädchen aussagte. Sie habe den Angeklagten geliebt, ihn deshalb bei den Drogengeschäften unterstützt und auch Kontakte zu Abnehmern hergestellt. Für ihre Mithilfe habe sie sich frei bedienen dürfen.

Aufgeflogen ist der Raublinger, weil er im Zuge anderweitiger Ermittlungen ins Visier der Drogenfahnder geriet. Demnach hatte er von Mai bis Juli 2019 in mindestens zwölf Einzelgeschäften mit jeweils 150 Gramm und von August bis Oktober zwei Mal mindestens 150 Gramm und dreimal je 250 Gramm Marihuana zum Weiterverkauf für 12 Euro pro Gramm erworben. Nachdem er im August Opfer eines Raubüberfalls geworden war, führte der Angeklagte in der Folge bei mindestens drei Drogengeschäften ein Messer mit sich.

Doch auch schon vor diesen Taten war der Angeklagte aktiv. Im Sommer 2018 kaufte er in Kiefersfelden 50 Gramm Marihuana, und im April 2019 war er in Kiefersfelden mit 18 Ecstasy-Tabletten aufgegriffen worden. „Ich habe es wegen dem Geld gemacht“, räumte der junge Mann unumwunden ein. Es sei eine gute Einnahmequelle gewesen und er habe seine Lieferanten nicht hängen lassen wollen.

Unter offener Bewährung

Dass er unter offener Bewährung stand, hat ihn anscheinend nicht groß beeindruckt. Anfang Oktober war er wegen massiver Körperverletzung, Widerstand und Beleidigung zu einer 16-monatigen Jugendstrafe verurteilt worden. Diese Strafe war nun ins neuerliche Urteil miteinzubeziehen. Laut Jugendgerichtshilfe sei der Angeklagte durch die Untersuchungshaft wach gerüttelt worden. Seit Februar arbeite er mit der Suchtberatung und wolle sich der MPU stellen, um beruflich wieder Fuß zu fassen.

Für alle Angeklagten wurde eine Ahndung nach Jugendstrafrecht angeregt. Im Rahmen einer Verständigung blieb das Jugendschöffengericht im vereinbarten Strafrahmen, der für den Raublinger eine Haftstrafe zwischen drei Jahren und sechs Monaten und vier Jahren vorsah. Für die beiden 18-Jährigen und den 16-Jährigen wurden eine Abstinenzweisung, Beratungsgespräche mit der Suchtberatung und – für die beiden Älteren – Arbeitsauflagen im höheren Bereich für sinnvoll erachtet.

Freizeitarrest für 18-Jährige

Die 18-Jährige und der 16-Jährige sollen zudem an Drogenpräventionsmaßnahmen teilnehmen. Der 18-Jährige hat einen FreD-Kurs (Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten) bereits absolviert. Für die Angeklagte schien zudem ein Freizeitarrest erzieherisch notwendig.

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„Die Geständnisse wurden positiv gewertet und enorm hoch gewichtet,“ sagte Richterin Verena Köstner. Bei der Angeklagten sei die Schuldeinsicht und Reue nicht gleich erkennbar gewesen, deshalb brauche es einen Denkzettel. Letztlich seien alle drei Mitläufer, die beiden Jungs hätten sich mit der Tat auch schon auseinandergesetzt.

Mit dem Organisator ging die Richterin dagegen härter ins Gericht. Ohne Geständnis hätte hier die Strafgewalt des Amtsgerichts nicht ausgereicht. Er habe seine Freunde skrupellos in seine Straftaten mitreingezogen und nichts aus den Vorverfahren gelernt.

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