Drei Freunde fahren in den Tod

OVB
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Hier starben drei junge Männer, ein vierter schwebt in Lebensgefahr: Der VW-Golf schob sich auf dem Parkplatz "Gletschergarten" an der A93 fast komplett unter einen stehenden Lkw.

Flintsbach - Es gab weder Brems- noch Schleuderspuren. Kerzengerade schoss gestern Vormittag ein VW-Golf auf einem Parkplatz an der Inntalautobahn ins Heck eines stehenden Lkws. Im Auto: Vier junge Rumänen, die den Wagen soeben erst in München gekauft hatten. Drei von ihnen waren sofort tot, nur der 19-jährige Mann, der links hinter dem Fahrer saß, überlebte mit schwersten Verletzungen. **Weitere Bilder und Video auf rosenheim24.de**

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Ausgerechnet am Tag, an dem Innenminister Joachim Herrmann die durchaus erfreulichen neuen Verkehrszahlen für Bayerns Straßen präsentierte, ereignete sich auf der A 93 einer der schlimmsten Unfälle der letzten Jahre. Wie es auf einem Parkplatz zu dem Unglück kam? Warum drei Männer - der Fahrer war erst 20, die Beifahrer jeweils 19 Jahre jung) sterben mussten? Darüber kann man nur rätseln. Bis das unfallanalytische Gutachten vorliegt, können Wochen vergehen.

Der Unglücksort - ein kleiner Rastplatz im Gemeindebereich von Flintsbach.

Die Tragödie ereignete sich um 9.45 Uhr am "Gletschergarten" - einem unscheinbaren kleinen Parkplatz zwischen den Ausfahrten Brannenburg und Oberaudorf, der auf dem Weg in Richtung Süden nur von wenigen Kraftfahrern angesteuert wird. Dort stand gestern Morgen ein Sattelzug aus Bulgarien - ordnungsgemäß geparkt auf dem dafür auf dem Rastplatz vorgesehenen Standstreifen. Nahezu ungebremst, wie die Polizei mitteilte, fuhr der VW-Golf, kurz nachdem er die Autobahn verlassen hatte, auf dem Rastplatz in den Lkw. Das Auto schob sich mehrere Meter weit unter den Laster und wurde von der Heckkante regelrecht zerschnitten.

Der Fahrer (20) und der Beifahrer (19) auf dem Vordersitz dürften sofort tot gewesen sein. Auch für den 19-jährigen Rumänen, der rechts hinten saß, kam jede Hilfe zu spät. Lediglich den jungen Mann hinten links konnten die Retter lebend aus dem Wrack befreien. Er wurde mit lebensbedrohlichen Verletzungen per Helikopter ins Rosenheimer Romed-Klinikum geflogen.

Die vier Unfallopfer dürften gute Freunde gewesen sein. Sie stammten alle aus dem Bezirk Vaslui im Osten Rumäniens. Den alten Golf (Baujahr 1989) mit Münchner Überführungskennzeichen hatten sie in der Landeshauptstadt gekauft.

Die Sichtverhältnisse waren nach Angaben von Einsatzkräften zum Unfallzeitpunkt gut, der Parkplatz war mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt. "Es waren keine Bremsspuren zu sehen", berichtet einer der Feuerwehrler. Der VW-Golf sei mit Winterreifen ausgestattet gewesen. Zeugen gibt es bisher nicht. Wer den Unfall beobachtet hat, wird gebeten sich unter Telefon 08035 / 9068-0 mit der Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim in Verbindung zu setzen.

Der bulgarische Lkw-Fahrer erlitt einen Schock und wurde vom Rettungsdienst betreut. Nach kurzer Totalsperre wegen der Landung des Rettungshubschraubers war der rechte Fahrstreifen bis etwa 12.15 Uhr blockiert. Der Verkehr staute sich auf fünf Kilometern. Die eingeklemmten Unfallopfer wurden von Kräften der Feuerwehren aus Oberaudorf, Flintsbach und Degerndorf aus dem Wrack geschnitten.

Auch hier gab es ein Todesopfer: Nur etwa 150 Meter weiter nördlich hatte sich an der Parkplatzeinfahrt im November 2009 ein vergleichbarer Unfall ereignet.

Der Parkplatz "Gletschergarten" wurde damit schon zum zweiten Mal Schauplatz einer Tragödie. Am 1. Mai 1999 war dort die Leiche von Anna Kolarova entdeckt worden. Vier Jahre später gelang es der Rosenheimer Kripo, den Mörder der Tschechin, einen Fernfahrer aus dem Salzburger Land, zu fassen. Anfang November 2009 hatte sich fast an gleicher Stelle ein weiterer tödlicher Unfall ereignet. Damals starb ein österreichischer Volvo-Fahrer (51), der ebenfalls ungebremst auf einen Lkw auffuhr, der in der Einfahrt zum Parkplatz stand.

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

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