„Draustoana Stadl“ in Babensham: Frisch renoviert ein Raub der Flammen – Millionenschaden

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Blick in den verbrannten Stadel mit dem Rest des wertvollen Flügels und der neuen Theke.
  • Wolfgang Haserer
    vonWolfgang Haserer
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  • Petra Maier
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  • Josef Unterforsthuber
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Die Event-Location „Draustoana Stadl“ in Babensham ging am Sonntagvormittag in Flammen auf. Die Polizei geht von einem Millionenschaden aus. Die Brandursache ist bis dato unklar. Insgesamt waren über 100 Feuerwehrmänner aus der gesamten Region im Einsatz.

Update 27. April, 13.40 Uhr: 

Zukunft ungewiss

Josef und Sieglinde Scherer sind die Besitzer des Event-Stadels, der am Sonntag durch ein Großfeuer zerstört wurde. Gisela Wimmer, Schwester von Josef Scherer, traf unsere Zeitung am Montag am verwaisten Brandort. Sie schildert traurige Details zu dem verheerenden Brand: „Mein Bruder ist inzwischen 64 Jahre alt. Er weiß momentan gar nicht, ob er und meine Schwägerin den Event-Stadel überhaupt wieder eröffnen oder nur noch als Wohnung nutzen wollen. Gerade hatten sie alles schön renoviert. Wände wurden frisch gestrichen, auch ein kleiner Erker wurde angebaut“, beschreibt sie die Arbeiten und bedauert: „Momentan haben die beiden keinen Plan für die Zukunft.“

Update 27. April, 12 Uhr:  

Zeuge berichtet vom Einsatz

Feuerwehrkommandant Stefan Gartner von der Wasserburger Feuerwehr war einer der ersten Einsatzkräfte beim Großbrand in Babensham. Er kam gerade von einem Einsatz in Wasserburg zurück, als er von der Alarmierung erfuhr und machte sich sofort auf den Weg zum Brandort. „Schon beim Einschleifer auf der B 304 sah ich die große Rauchsäule und ahnte Schlimmes“, so der erfahrene Feuerwehrmann. 

Mit einem kompletten Löschzug, Rüstwagen, Mannschaftsfahrzeugen und einigem Sondergerät, wie der in Corona-Zeiten obligatorischen Infektausstattung, rückten die Kameraden von der größten Feuerwehr im nördlichen Landkreis an. Wegen Corona konnten die Löschfahrzeuge nicht wie üblich mit neun Personen besetzt werden, sondern nur mit sechs. Die anderen fuhren in Mannschaftstransportern zum Brandort. „Schnell kamen auch die anderen Wehren aus dem Landkreis Rosenheim und auch mehrere Wehren aus den Landkreisen Mühldorf und Traunstein. Das war ein richtiger Menschenauflauf - an den Sicherheitsabstand wegen Corona dachte kaum einer.“ 

Meterhoch schlugen die Flammen aus dem Dach.

Wichtigstes Ziel sei gewesen, die Nachbargebäude vor einem Übergreifen des Feuers zu schützen. Gefährlich war die Situation noch zusätzlich durch Gasflaschen und Gastanks, wie sie in der Gastronomie verwendet werden. „Die hätten jederzeit explodieren können“, so der Kommandant. Um 15.30 Uhr sei der Einsatz beendet gewesen, etwa vier Stunden nachdem der Notruf eines Nachbarn eingegangen war.

Schutzausrüstung "ein beruhigender Faktor" 

Besonders schätzt Gartner die gute Schutzausrüstung der Wasserburger bei diesem Einsatz: „Bereits in der Nachbesprechung war einheitlicher Tenor der vergangenen Tage, dass sich die von der Wasserburger Werkstätte um das Team von Franz Heinrichsberger gespendeten Mundschutze absolut wertvoll sind“, erklärt er. „Die sind seit der Übernahme bereits 20 mal in der Wäsche gewesen und nach wie vor ein beruhigender Faktor für unsere Leute im Einsatzgeschehen - vor allem wenn man mit vielen Leuten zusammenkommt“, lobt auch der stellvertretende Kommandant Rudi Göpfert.

26. April: 

Meterhohe Flammen

Babensham – Dichte Rauchschwaden am Himmel, dazwischen ein kreisender Hubschrauber und mehr als 15 Feuerwehren am Boden im Einsatz: „Es war ein grausiges Szenario“, beschreibt ein Augenzeuge, der am Sonntagmorgen zufällig am Brandort vorbeikam, als die Flammen dort meterhoch gen Himmel schlugen. In Leonhard am Buchat brannte die beliebte Event-Location „Draustoana Stadl“ lichterloh.

Notruf um 11.20 Uhr

Um 11.20 Uhr war der Notruf eines Nachbarn eingegangen, so die Mitteilung aus dem Polizeipräsidium Rosenheim. Die Feuerwehren aus dem Landkreis Rosenheim und auch mehrere Wehren aus den Landkreisen Mühldorf und Traunstein eilten nach Gumpertsham und versuchten zu retten, was zu retten war. Aus den kleinen Weihern auf dem Gelände pumpten die Feuerwehrmänner unaufhörlich Wasser ab, um den Brand des Wohngebäudes mit Gastronomiebetrieb und landwirtschaftlichem Anwesen zu löschen. 

Bürgermeister Huber: "Zum Glück war es windstill"

Babenshams Bürgermeister Josef Huber war vor Ort und sprach gestern Nachmittag von einem „Bilderbucheinsatz“ der Einsatzkräfte. Von der Alarmierung bis zum Eintreffen der Feuerwehren sei nicht einmal eine halbe Stunde vergangen. „Dann lief alles sehr routiniert und professionell.“ So wurde ein weiteres Übergreifen des Feuers verhindert, die Bebauung in der unmittelbaren Nachbarschaft ist eng. „Es war zum Glück ein nahezu windstiller Tag. In den vergangenen Tagen hätte es da deutlich schlechter ausgeschaut“, sagt Huber.

Dichter Rauchstieg gestern von Gumpertsham aus gen Himmel.

Der geschätzte Schaden beträgt laut Polizei rund eine Million Euro. Personen wurden nicht verletzt. Über 100 Feuerwehrmänner seien im Einsatz gewesen, teilte die Polizei mit; dazu etliche Rettungswagen und ein Polizeihubschrauber.

Zur möglichen Brandursache machte die Polizei noch keine Angaben, die Kriminalpolizei Rosenheim hat die Ermittlungen übernommen.

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Der Stadl war in der Vergangenheit Schauplatz vieler Hochzeits- und Firmenfeiern. Das ursprüngliche Gebäude an dieser Stelle wurde im 19. Jahrhundert als Heu- und Strohstadel im Weiler Gumpertsham errichtet. 1998 wurde es zu einem romantischen und rustikalen Veranstaltungsort umgebaut.

Von allen Seitenversuchten die Feuerwehrleute den Brand zu löschen.

Als Event-Scheune bot es die Gastlichkeit für Veranstaltungen und Ausstellungen und die verschiedensten privaten und gesellschaftlichen Anlässe. Die Gäste konnten wählen, ob bayerisch-urig, modern oder in romantischer Stimmung bei Kerzenschein gefeiert werden sollte. Eine integrierte Bühne, Bar, Tanzfläche, Musik- und Tonanlage standen ebenfalls zur Verfügung.

Vom Heustadelzur Event-Location

Einmal im Jahr fand eine Feldmesse des Schnaitseer Pfarrverbandes auf dem Gelände der Familie Scherer statt. Insgesamt bedeutet der Brand einen großen Verlust – nicht nur für die Eigentümer, sondern für viele Gäste und Besucher aus der Region und darüber hinaus. Der „Draustoana-Stadl“ war bei Jung und Alt gleichermaßen beliebt.

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