Und drauf aufs Gas: Die kriminelle Show der Auto-Poser in der Region Rosenheim

Im Visier: Mit Geschwindigkeitskontrollen versucht die Polizei der neuen Poser-Szene in der Region Rosenheim beizukommen. Foto: picture alliance
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Im Visier: Mit Geschwindigkeitskontrollen versucht die Polizei der neuen Poser-Szene in der Region Rosenheim beizukommen. Foto: picture alliance
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Aus dem Lockdown auf die Piste: Die Polizei zeigt sich beunruhigt über eine neue Raser-Szene in Rosenheim. Und geht mit täglichen Kontrollen gegen die Szene vor.

Rosenheim –  Sie sind Männer, sie sind meistens jung, sie sind unvernünftig und sie überschätzen häufig ihr Können am Steuer: Kaum wurden die strengen Corona-Beschränkungen gelockert, treiben Raser ihr Unwesen auf den Straßen. Besonders gern in Rosenheim, in der Stadt, „dort also, wo man sieht und gesehen wird“, wie Robert Maurer vom Polizeipräsidium sagt.

Die Straße als Bühne

Eine Marke zu setzen, einem Konkurrenten, und sei er auch nur eingebildet, zu zeigen, wo der Hammer hängt: Das sei es, was die Männer antreibe. Die Polizei spricht daher gar nicht mehr nur von „Rasern“, sondern von „Auto-Posern“. Die Experten vom Präsidium erkennen sie an ihren frisierten Wagen – und ziehen sie gegebenenfalls aus dem Verkehr. An einem Tag in der jüngsten Zeit wurden die Beamten gleich fünfmal fündig.

Die Polizei treibt einigen Aufwand, um Raser auszubremsen. Jeden Tag blitzen die Beamten. „Die Auto-Poser sollen verstehen, dass das gefährlich ist, was sie tun“, sagt Maurer, der von „teilweise gewaltigen Geschwindigkeiten“ spricht.

Mit der Radarpistole gegen Raser

58 Fahrer erwischte die Polizei allein in der vergangenen Woche. Auf sie warten hohe Bußgelder oder gar Punkte in Flensburg, auf zwölf von Ihnen sogar ein Monat Führerschein-Entzug.

Am stärksten drückte am Sonntag ein 33-jähriger Autofahrer aus Wasserburg aufs Gas: Bei erlaubten 80 Stundenkilometern rauschte er gegen 21 Uhr auf der B 15 bei Schechen mit 140 Sachen in die Radarfalle. Tags darauf wurde auf der Höhe von Hochstätt ein 41-jähriger Mühldorfer mit über 150 Stundenkilometern gemessen – bei erlaubtem Tempo 100. Wenige Tage zuvor hatte die Polizei zwei 21-Jährige bei einer Verfolgungsjagd in Rosenheim gestoppt.

Raserprozess noch immer nicht abgeschlossen

Die Raserszene in der Region Rosenheim war in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt, nachdem im November 2016 zwei junge Frauen vom Samerberg bei einem schweren Unfall in Rosenheim ums Leben gekommen waren. Der Frontalzusammenstoß mit dem Golf eines auf ihrer Spur entgegenkommenden Ulmers war nach Angesicht des Gerichts durch zwei junge BMW-Fahrer mitverursacht worden, die den Ulmer nicht mehr hatten einscheren lassen.

Das Gericht in Traunstein hatte die beiden zu Freiheitsstrafen von zwei Jahren und sechs Monaten, beziehungsweise zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Die Anwälte haben Revision beantragt .

Eine Entscheidung steht noch aus.

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