Digitalisierungsgipfel: Freistaat und Kommunen finanzieren Systemadministratoren und Schulrechenzentren

In einer Pressekonferenz wurden die Details zum „Digital-Turbo“ an Bayerns Schulen bekannt.
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In einer Pressekonferenz wurden die Details zum „Digital-Turbo“ an Bayerns Schulen bekannt.

Die Corona-Krise hat die Defizite bei der Digitalisierung an den bayerischen Schulen offengelegt - aber dem Thema auch Schwung verliehen. Den will die Staatsregierung nun aufgreifen.

Update 23. Juli, 12.55 Uhr

Alle Schulen in einer Cloud

Kernpunkt des „Digital-Turbos“, den die bayerische Staatsregierung zusammen mit Vertretern von Lehrern, Schülern, der Kommunen und Eltern bekannt gegeben hat, ist auch eine Cloud. In ihr sollen, so Markus Söder beispielsweise Lern-Videos jederzeit für Schüler abrufbar sein. Söder nahm Bezug auf das bisherige digitale System für bayerischen Schulen, „Mebis“. Die Cloud solle ein „Mebis Plus“ sein.

Hierfür wird es auch ein Rechenzentrum geben. Wo es sich befinden wird, steht noch nicht fest. Söder sagte insgesamt sei der Kaltstart, der durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurde, gut gelungen. Mebis habe zwar auch Probleme bereitet. „In der Breite“ habe Mebis aber funktioniert.

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Update 23, Juli, 12.45

Söder kündigt Investitionen von 2 Milliarden Euro an

Das Konzept, auf das sich Politik, Lehrer, Eltern und Schüler verständigt haben, nannte Söder „Digital-Turbo“. Insgesamt werden 2 Milliarden Euro in verschiedene Schritte investiert. Ministerpräsident Markus Söder nannte besonders diese Punkte.

Hardware: Aus Mitteln des Bundes sollen 200.000 Geräte für bedürftige Schüler angeschafft werden. Bayern stocke die Mittel auf 250.000 Euro auf. Ein Sprecher der Landesschülerschaft begrüßte auch gerade diesen Punkt. Er forderte allerdings, dass der Zgang nicht schwer sein dürfe. Söder kündigte auch an, dass Lehrer rund 20.000 Geräte erhalten sollen.

Unter Hardware fasste Markus Söder aber auch Personal - etwa 100 zusätzliche Lehrer und Systemadministratoren auf Kreis- und Kommunal-Ebene. Auch die Qualität der Internet-Verbindung werde angegangen. Es werde ein Atlas erarbeitet, welche Schulen in Bayern noch Breitband-Anschlüsse benötigen. Dies geschieht unter dem Begriff „Digitaler Schulatlas“.

Auch das Thema Leher-Fortbildung sprach der Ministerpräsident an. „Wir erleben großartige Initiativen von Lehrern“, lobte Söder den digitalen Unterricht in der Corona-Zeit. Andere Lehrerinnen und Lehrer hätten aber noch Schwierigkeiten mit dem Thema. Deshalb solle es Fortbildung geben, Webinare unter dem Motto: „Lehrer schulen Lehrer.“

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Update, 23. Juli, 12.18 Uhr

München - Corona habe die Digitalisierung an Schulen beschleunigt, sagte Markus Söder zu Beginn der Konferenz. Oft hätten sich Schüler zuvor mehr digitalen Unterricht gewünscht. Doch dann kam die Pandemie. „Diesmal war es anders: Schülerinnen und Schüler wünschten sich normalen Unterricht.“ Der Ministerpräsident möchte diese Fortschritte nutzen. „Jetzt gilt es, das neue Schuljahr zu planen“. Das solle mit Sorgfalt geschehen.

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Update 23. Juli, 12 Uhr

Der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder wird vorstellen, wie sich Politik, Eltern und Schüler über die Digitalisierung an Bayerns Schulen besprochen haben.

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Die Staatsregierung nlädt Vertreter der kommunalen Spitzenverbände wie dem Städtetag sowie von Lehrer-, Eltern- und Schülerverbänden am Donnerstag (10.00 Uhr) nach München in die Staatskanzlei zu einem Digitalisierungsgipfel. «Ziel ist es, im gemeinsamen Schulterschluss den Schwung bei der Digitalisierung an den Schulen in Bayern mitzunehmen und weiter zu verstärken», heißt es in der Einladung.

Im Anschluss (12.00 Uhr) wollen Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sowie Vertreter der Verbände über die Ergebnisse informieren. Wir berichten an dieser Stelle live.

Vorbereitung auf die digitale Arbeitswelt

Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach (CSU), die auch bei dem Treffen dabei ist, hatte im Vorfeld der Deutschen Presse-Agentur gesagt: «Digitale Lehrangebote sollten künftig verstärkt als Ergänzung zum Unterricht genutzt werden, auch, um die Kinder und Jugendlichen auf die digitale Arbeitswelt vorzubereiten.» Man könne aber nicht erwarten, dass analoger Unterricht von heute auf morgen digital abgebildet werden kann. Der Freistaat habe noch Glück gehabt, dass man auf der Plattform mebis aufsetzen und so Arbeitsmaterialien austauschen konnte. Zudem seien kurzfristig etwa Leihgeräte für Schüler eingesetzt worden. «Das wäre unter normalen Umständen nicht so schnell gekommen», so Gerlach. «Darauf wollen wir nun aufbauen.»

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IT-Experten sollen helfen

Die Wartung von digitalen Geräten an Schulen wie Computern oder Tablets muss nach Ansicht von Lehrerverbänden in Bayern dringend an externe IT-Experten ausgelagert werden. An vielen Schulen habe die Geräteausstattung eine Größenordnung erreicht, die als Systembetreuer eingesetzte Lehrer nicht mehr bewältigen könnten, sagte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv), Michael Schwägerl, der Deutschen Presse-Agentur in München im Vorfeld eines Schul-Digitalisierungsgipfels der Staatsregierung am Donnerstag in München.

Blick auf die zweite Welle

«Die Corona-Krise hat uns schmerzhaft vor Augen geführt, wo wir bei der Digitalisierung der bayerischen Schulen stehen», sagte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Matthias Fischbach. Der abrupte Wechsel ins virtuelle Klassenzimmer nach den Schulschließungen Mitte März habe den Großteil der Schulen vor eine kaum lösbare Herausforderung gestellt. «Mit Blick auf eine mögliche zweite Corona-Welle im Herbst brauchen die Schulen so schnell wie möglich eine belastbare Planungsstrategie zur bestmöglichen Symbiose von Präsenz- und Distanzunterricht», forderte Fischbach. In der Tat lässt sich momentan noch nicht genau vorhersagen, ob der Unterricht nach den Sommerferien tatsächlich wie erhofft wieder im Normalbetrieb laufen kann. Das hängt vom Infektionsgeschehen ab.

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Knackpunkt beim Unterricht mit Hilfe digitaler Technik ist vor allem auf dem Land ganz oft die Internetverbindung. Lehrer, Eltern und Schüler fordern deshalb eine leistungsfähige und stabile Verbindung an den Schulen. Auch zu Hause haben Kinder und Jugendliche mitunter nur schlechtes Internet oder nicht genug Datenvolumen, so dass sie zum Beispiel kaum oder sogar gar nicht an Videokonferenzen ihrer Klasse teilnehmen können. Beim Breitband- und insbesondere beim Mobilfunkausbau sei noch Luft nach oben, hatte kürzlich auch Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) eingeräumt. Das sei aber kein Problem der staatlichen Förderprogramme, oft kämen etwa die Unternehmen vor Ort beim Netzausbau nicht hinterher.

Darüber hinaus erhoffen sich die Schulen klare Aussagen zur Rolle der Lernplattform Mebis und zum Einsatz von Software wie MS Teams, die unter anderem eine Zusammenarbeit über Video ermöglicht. Hier seien verlässliche Lösungen nötig, die auch Rechtssicherheit böten, sagte Jürgen Böhm, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbandes (brlv). Auch entsprechende Fortbildungen für Lehrer müssten dringend angeboten werden. Neben der Versorgung von Schülern mit Leihgeräten stehen auch Dienstgeräte für Lehrer auf der Wunschliste, da diese häufig mit ihren privaten Laptops arbeiten. Die FDP fordert auch ein modernes Online-Unterrichtsgesetz.

Mebis schwächelte

Viele der Forderungen sind nicht neu, durch die Coronakrise wurden die Defizite jedoch deutlich. Denn von heute auf morgen wurden die Schulen geschlossen und die Lehrer mussten den Unterricht mit digitalen Hilfsmitteln fortsetzen. Vor allem die Lernplattform Mebis schwächelte aber, weil sie dem Ansturm von Hundertausenden Kindern und Jugendlichen nicht gewachsen war. Hinzu kam ein Hackerangriff, der das System Mitte März erst mal vorübergehend lahmlegte.

Doch Computer, Laptop und Tablet sind ist nicht alles: «Digitale Lehrangebote sollten künftig verstärkt als Ergänzung zum Unterricht genutzt werden, auch, um die Kinder und Jugendlichen auf die digitale Arbeitswelt vorzubereiten», hatte Gerlach kürzlich erklärt. Auch die Lehrer sehen digitale Angebote nicht als dauerhafte Lösung. Sie hoffen, ihre Schüler nach den Ferien auch wieder in der Schule zu sehen. «Die persönliche Nähe und das soziale Miteinander im Klassenzimmer sind durch nichts zu ersetzen», sagte bpv-Chef Schwägerl. (dpa)

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