Couch statt Hörsaal: So läuft das digitale Semester an der Technischen Hochschule Rosenheim

Vorerst keine Gruppenarbeiten: Auf das gewohnte gemeinsame Lernen müssen Studenten der Technischen Hochschule Rosenheim derzeit verzichten. blum
  • vonTina Blum
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Seit zwei Wochen läuft das digitale Semester an den Unis und Hochschulen. Studenten büffeln jetzt zu Hause statt im Hörsaal oder der Bibliothek. Studenten der Technischen Hochschule Rosenheim berichten über ihren Studienalltag in Zeiten von Corona.

Rosenheim – Eine Kaffeepause mit den Kommilitonen zwischen den Vorlesungen, das gemeinsame Essen in der Mensa – der gewohnte Alltag an Hochschulen und Unis ist in Zeiten von Corona nur eine blasse Erinnerung. Vorlesungen gibt es nur auf dem Bildschirm des Computers. „Der Kontakt zu den Professoren ist momentan sehr unpersönlich, man kann keine richtige Beziehung zu ihnen aufbauen“, sagt Hubert Wiesbacher, Innenausbau-Student an der Rosenheimer Hochschule. Eine Umstellung für die Studenten.

Online-Vorlesung auf heimischem Sofa

Wiesbachers Studienalltag beginnt meist mit der ersten Vorlesung um 8 Uhr morgens. „Eigentlich ganz normal“, sagt Wiesbacher. Mit dem Unterschied, dass er lediglich seinen Computer hochfährt und sich einloggt. Schon sitzt er im virtuellen Hörsaal – zu Hause auf dem Sofa. Im Schnitt hat er so vier Lehrveranstaltungen pro Tag.

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Viel Eigeninitiative gefordert

Für das digitale Semester benutzen Professoren unterschiedliche Online-Plattformen. „Wir arbeiten mit vier verschiedenen Tools, zum Beispiel Webex, Zoom oder Gotomeeting“, sagt Wiesbacher. Das sei am Anfang etwas unübersichtlich gewesen, mit ein wenig Aufwand könne man sich aber einarbeiten. Generell verlangt ein Studium viel Eigeninitiative von den Studierenden, sagt Wiesbacher. Nun sei noch mehr Disziplin gefordert. Der Professor könne nicht nachvollziehen, ob die Studenten auch wirklich zuhören und folgen. Fragen stellen die Studenten über einen Chat. „Es ist aber nicht das Gleiche wie in der Präsenzvorlesung“, sagt Wiesbacher. Praktische Übungen und Kurse in der Campus-Werkstatt entfallen. Ob das Praxissemester – in der Regel ist es das fünfte Semester – wie gewohnt ablaufen wird, ist für viele Studenten noch unklar. „Kommilitonen haben erzählt, dass ihnen Betriebe schon eine Absage erteilt haben“, sagt Wiesbacher.

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Abstriche müssen Studenten auch beim gemeinsamen Lernen und bei der Projektarbeit machen. „Wir haben uns vor Corona immer zu Lerngruppen zusammengeschlossen. Das hat wirklich viel gebracht“, sagt Florian Ortmaier, Kommilitone von Wiesbacher. Nur vor dem Laptop zu sitzen, findet er anstrengend und ungewohnt. Projektarbeiten ohne persönlichen Kontakt seien fast unmöglich. „Man kann sich zwar online und telefonisch mit den Studienkollegen absprechen, aber persönliche Treffen sind produktiver“, sagt Ortmaier.

Finanzielle Ungewissheit

Ungewiss ist auch die finanzielle Lage für viele Studenten. Hubert Wiesbacher arbeitet während der Semesterferien, um sich etwas Geld für das Folgesemester zu sparen. „Ich weiß nicht, ob sich das in diesem Sommer klappt“, sagt er. Da die Vorlesungen dieses Jahr bis in den August andauern und die Prüfungen ab Mitte September anstehen, wisse er nicht, ob er noch Vollzeit arbeiten kann. Der Betrieb, in dem er beschäftigt ist, sei zeitlich nicht so flexibel.

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Nebenjob im Café weggebrochen

Der Nebenjob ist auch für Lisa Kamml weggebrochen. Sie studiert Physiotherapie an der Technischen Hochschule in Rosenheim und steht kurz vor dem Staatsexamen. „Ich habe vorher in einem familiengeführten Café bedient. Die stehen jetzt auch kurz vor dem Aus“, sagt sie. Wie und ob sie dort wieder arbeiten könne, sei nicht klar.

Praxisteil für Staatsexamen offen

Im Dunkeln tappen die Physiotherapie-Studenten. Wie das Staatsexamen ablaufen soll, haben ihnen weder Hochschule noch Staatsregierung mitgeteilt. „In unserer Branche kann man Körperkontakt nicht vermeiden“, sagt Lisa Kamml. Beim Staatsexamen gebe es auch einen praktischen Teil, bei der unter anderem Patienten im Krankenhaus behandelt werden sollten, sagt sie. Ihr dreiwöchiges Praktikum während des Studiums, das sie Anfang März im Rosenheimer Klinikum absolvieren wollte, fiel aus. Praktisch üben könne sie derzeit nur an und mit ihrer Mitbewohnerin. „Die studiert glücklicherweise auch Physiotherapie.“

Persönlicher Kontakt fehlt

Am Kontakt zu den Dozenten während des digitalen Semesters hat Lisa Kamml nichts auszusetzen. „Es herrscht reger E-Mail-Verkehr, unsere Dozenten bemühen sich sehr.“ Allerdings habe sie deutlich weniger Online-Vorlesungen als andere Studierende, sagt sie. Da viele Lehrveranstaltungen entfallen, habe sie jetzt aber mehr Zeit, sich auf das Staatsexamen vorzubereiten. „Trotzdem vermisse ich das Lernen in Gruppen und den persönlichen Kontakt“, sagt Lisa Kamml.

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