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Bei Tankstellen, Speditionen und den Konzernen nachgefragt

Sprit-Engpässe in der Region – welche Ursachen dahinterstecken und wann es besser wird

Tankstellen im Raum Rosenheim kämpfen mit Engpässen beim Sprit
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Am vergangenen Wochenende war an den Tankstellen der Region teilweise kein Diesel oder Super mehr zu bekommen
  • Sascha Ludwig
    VonSascha Ludwig
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In den letzten Wochen bot sich den Autofahrern in der Region ein eher ungewohntes Bild an den heimischen Zapfsäulen. Gleich mehrere Ursachen führen zu einer teils drastischen Unterversorgung mit Kraftstoffen. Wir haben uns auf Spurensuche begeben.

Eine waschechte Sprit-Odyssee brachte am Ende der vergangenen Woche unsere Leserin Andrea Eyner hinter sich: Beginnend am Donnerstagabend (28. Juli) machte sich die Rosenheimerin zum Tanken auf; mit eher mäßigem Erfolg. Sowohl im Stadtgebiet als auch im direkten Umland war Diesel-Kraftstoff plötzlich Mangelware. Stattdessen waren die Zapfsäulen mit rot-weißem Absperrband verhangen, handgeschriebene Zettel informierten über Liefer-Engpässe.

Sprit-Nachschub derzeit mangelhaft – Ursachen vielfältig

Eine Situation, die auch der Chef der JET-Tankstelle in der Ebersbergerstraße in Rosenheim bestätigen kann: „Allgemein ist aktuell der Nachschub mit Diesel und Super schlecht. (...) Die einzelnen Tankstellen haben darauf aber oft leider keinen Einfluss, die Lieferungen über die Speditionen werden zentral gesteuert“, so Helmut Hermann Orthuber im Gespräch. Doch der Rosenheimer äußert noch einen weiteren Verdacht, der für die derzeitige Knappheit beim Sprit verantwortlich sein könnte: „Aktuell kommen natürlich auch wieder mehr Einheimische zum Tanken. Und auch der der Tank-Tourismus aus Österreich hat definitiv zugenommen“, ergänzt Orthuber. Er schätzt, dass sich das Aufkommen in den letzten Wochen und Monaten um zehn bis zwanzig Prozent gesteigert habe. Auf die gelegentlichen Engpässe reagierten seine Kunden bisher weitestgehend mit Verständnis; ähnlich gelassen sollen die Autofahrer bislang auch die insgesamt gestiegenen Preise akzeptiert haben.

Preise jenseits der 2-Euro-Marke lassen österreichische Autofahrer ausweichen; insbesondere im Grenzgebiet

Stephan Fleidl, Prokurist der Spedition Ludwig Höcketstaller in Eiselfing, gibt weitere Hinweis auf die Ursachen der aktuellen Sprit-Knappheit: „Besonders im Raum München-Ingolstadt wird aktuell von den Händlern wenig freigegeben. Zusätzlich hat auch die Industrie jüngst große Mengen reserviert.“ Die Rede ist im Fall der Spedition von Heizöl und Diesel, die das Unternehmen mit einem eigenen Fahrzeug zu Großkunden liefert. Wenn bis vor kurzem noch mit einer Vorlaufzeit von nur ein oder zwei Tagen Kraftstoff bei den Tanklagern abgeholt werden konnte, muss sich der Speditionskaufmann aktuell mindestens rund zwei Wochen vorher anmelden. Die Kapazitäten fielen darüber hinaus zur Zeit deutlich geringer als noch in der Vergangenheit aus: „Aktuell sind zumindest wieder kleinere Kontingente verfügbar; wir reden hier aber nur von rund 100.000 Litern“, so Fleidl abschließend. Umgelegt auf die gesamte Region eine verschwindend geringe Menge.

Revision bei OMV in Burghausen – Vorfall in der Raffinerie Wien-Schwechat

Erschwerend kommt dann noch hinzu, dass sich die OMV-Raffinerie in Burghausen derzeit in der Revision befindet“, ergänzt der Logistiker. Der sogenannte „Turnaround“ der Anlage am Rande der Herzogstadt soll allerdings bald beendet sein. Von Unternehmensseite heißt es: „Die gestaffelte Anfahrphase der Anlagen mit der schrittweisen Inbetriebnahme endet voraussichtlich Ende August 2022.“ Eine weitere Anlage des Unternehmens – genauer die Raffinerie Schwechat in der österreichischen Hauptstadt Wien – sorgt dagegen noch immer für Probleme. „Wir gehen davon aus, dass mit einem Vollbetrieb der Raffinerie im Herbst zu rechnen ist. Ob dies im dritten Quartal oder erst zu Beginn des vierten Quartals erfolgen wird, lässt sich aufgrund der Vielzahl an Arbeiten heute noch nicht präzise vorhersagen“, heißt es von Seiten der Unternehmenskommunikation.

„Alles hängt mit allem zusammen – wie so oft in der Logistik“

Das ist die einzige Raffinerie in Österreich und zum Teil daher auch relevant für den Bayerischen Raum“, ergänzt Alexander von Gersdorff, Pressesprecher vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie e.V. Der Verband vertritt die Interessen der Mineralölwirtschaft und verzeichnet derzeit in punkto Sprit-Verfügbarkeit eine „Verkettung unglücklicher Umstände“, so der Sprecher auf Nachfrage von rosenheim24.de. Und weiter: „Derzeit kommen zahlreiche Faktoren zusammen: das Rheinniedrigwasser, der Sommerferienbeginn am vergangenen Wochenende, Fahrermangel bei Tankkraftwagen, wegen absehbaren Gasmangels in vielen Betrieben verstärkte Transporte von Heizöl, die dadurch für Benzin und Diesel fehlen, Engpässe auf der Schiene und schließlich die turnusgemäße Revision einer Raffinerie in Bayern.“

Der niedrige Wasserstand am Rhein sorgt dafür, dass Schiffe für den Binnentransport von Kraftstoffen nicht mehr voll beladen werden können. Die Taktung muss daher erhöht werden; die Kosten steigen.

Mit Nachdruck betont Alexander von Gersdorff schließlich, dass es sich nur um eine „vorübergehende und keinesfalls flächendeckende“ Problematik handle. Autofahrer und Heizölkunden müssten sich also keine Sorgen machen, dass Bayern der Brennstoff ausgehe; „auch nicht in den nächsten Jahren“. Und dennoch: Für die nahe bis mittelfristige Zukunft zeichnet der Verbandssprecher ein eher düsteres Bild – wenn auch aus anderen Gründen – denn: „Wir stehen dann vor der Herausforderung, auf russische Importe zu verzichten. (...) Und auch der Tankrabatt läuft schließlich nur noch bis Ende August.“ Ob sich dann der Diesel-Preis schlagartig um 14 Cent pro Liter und Super-Benzin um satte 30 Cent verteuert, bleibe abzuwarten.

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