Schuldnerberatung schlägt Alarm

Abgelaufene Corona-Stundung: Das könnte für viele Mieter in der Region zum Problem werden

Mietproblem bald auch in Rosenheim? Die Schuldnerberatung der Rosenheimer Diakonie warnt man bereits vor vermehrten Kündigungen.
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Mietproblem bald auch in Rosenheim? Die Schuldnerberatung der Rosenheimer Diakonie warnt man bereits vor vermehrten Kündigungen.
  • Korbinian Sautter
    vonKorbinian Sautter
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Wegen der Corona-Krise galt zwischen April und Juni ein spezieller Kündigungsschutz für Mieter. Nach Ablauf dieser Frist hat sich die Lage in den vergangenen Monaten allerdings kaum gebessert. Laut der Schuldnerberatung der Diakonie in Rosenheim stehen daher viele Mieter bald vor einer Kündigung.

Rosenheim – Von Kurzarbeit über finanzielle Schwierigkeiten bis hin zum Wohnungsverlust: Laut Diakonie Rosenheim könnte eine durch Corona verursachte Kündigungswelle für viele Mieter bereits bald zur Realität werden.

Nach Ablauf des staatlichen Kündigungsschutzes hat sich die Lage demnach deutlich verschärft und die Zahl der juristischen Kündigungsverfahren steigen in die Höhe. Zwar durften dieses Jahr wegen der Corona-Krise zwischen April und Juli keine Wohnungen gekündigt werden, selbst wenn man mit der Miete im Verzug war. Diese eingeführte Stundung gilt nun nicht mehr, während die Probleme am Arbeitsmarkt weiterhin bestehen bleiben. Dadurch könnte das Thema Mieterkündigungen aufgrund ausstehender Zahlungen bald verstärkt auf den Landkreis Rosenheim zukommen.

Bezahlbare Wohungen in Rosenheim kaum noch zu kriegen

Für Klaus Voss, Geschäftsstellenleiter der Diakonie Rosenheim, ist das lediglich eine Frage der Zeit. „Ich glaube, das Problem mit der Miete wird uns spätestens im nächsten Jahr richtig treffen. Bezahlbarer Wohnraum ist in Rosenheim und Umgebung sowieso schon ein schwieriges Thema, das sich durch die Corona-Pandemie nur noch einmal verschärft hat.“

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Der Leiter „Soziale Dienste“ der Diakonie sieht daher viel Arbeit auf sich und seine Schuldner- und Insolvenzberatung zukommen und richtet eine extra Sprechstunde ein, um Menschen mit derartigen Problemen zu unterstützen. Laut Voss macht die Miete bei den meisten Einwohnern bereits mehr als 50 Prozent des Nettoeinkommens aus. Eine Verschuldung sei da nahezu unausweichlich.

Die Stadt gibt leichte Entwarnung

Während sich die Beratungsstellen auf eine mögliche Kündigungswelle vorbereiten, bleibt die Stadt Rosenheim gelassen. Pressesprecher Thomas Bugl vertraut auf die Kurzarbeiterregelung und sieht keine direkte Bedrohung auf dem Wohnungsmarkt. „Wir haben bisher noch keine Meldung vom Sozial- und Wohnungsamt bekommen, dass wir in nächster Zeit viele Kündigungen zu bewältigen hätten. Dafür haben wir in Rosenheim trotz Corona einfach ein zu hohes Beschäftigungsniveau und eine niedrige Arbeitslosenquote.“ Demnach sei es für die Region erst problematisch, wenn man sich wieder auf einen ähnlichen wirtschaftlichen Tiefpunkt wie zur Zeit des Lockdowns zubewege.

Mietmarkt in der Region angespannt

Bei der Schuldnerberatung rechnet man jedoch damit, dass zahlreiche Selbstständige aufgrund der massiven Einkommenseinbußen ihr Geschäft aufgeben müssen. Bereits jetzt müssen demnach viele Arbeiter mit deutlich reduziertem Einkommen zurechtkommen, was bei fehlenden Rücklagen zu einer bedrohlichen Situation werden kann.

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Auch der Mieterverbund Rosenheim sieht die Entwicklung in der Region durchaus kritisch. „Der Wohnungsmarkt wird sich hier in absehbarer Zeit wohl kaum spürbar entspannen. Die Nachfrage wird mutmaßlich höher als das Angebot bleiben“, erläutert der Geschäftsführer Martin Rothammer.

Die Situation bleibt ungewiss

In einem Punkt aber ist man sich sowohl auf Mieter- als auch auf Vermieterseite einig. Eine erhöhte Anzahl an Kündigungen ist durchaus möglich, auch wenn laut der Geschäftsführerin des Vermieterbundes Rosenheim, Monika Frisch, bis dato „noch keine signifikanten Veränderungen aufgetreten sind.“ Inwieweit die Corona-Krise sich letztendlich auf den Markt auswirkt, wird sich, auch aufgrund der Dauer von gerichtlichen Kündigungsverfahren, aber nach Einschätzung von Diakonie-Geschäftsleiter Voss wohl erst in den nächsten Monaten zeigen.

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