"Die Gerti ist mir ein Rätsel"

Hier stimmt die Chemie
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Hier stimmt die Chemie: Karin Schnabel (links), Sohn Maxi und Hauswirtschafterin Gertraud Schläger.

Noch zwei Tage sind es bis Silvester. Es ist die Zeit der guten Wünsche und Vorsätze. Karin Schnabel aus Rosenheim muss nicht lange überlegen: "Wieder gesund werden", wünscht sie sich für 2012.

Ein schwerer Bandscheibenvorfall hat die alleinerziehende Mutter von einem Moment auf den anderen außer Gefecht gesetzt - und hätte auch die Welt ihres Sohnes Maxi (9) schlagartig verändert, wenn Gertraud Schläger von der Familienpflegestation Rosenheim-Bad Aibling nicht gewesen wäre.

Die Chemie hat sofort gestimmt zwischen dem Maxi und der Gerti, wie der Drittklässler die Hauswirtschafterin liebevoll nennt. Wochenlang bildeten sie ein starkes Team zusammen mit Maxis Vater, der eigentlich getrennt von der Mutter lebt. Nach Schulschluss kümmerte sich Gertraud Schläger um den Buben und den Haushalt, am Abend kam der Papa, blieb über Nacht bis zum Frühstück. Und gegen Mittag kam dann wieder die Gerti. So ging das über viele Wochen.

Passiert ist das Dilemma im August. Eine "blöde Bewegung im Alltag" - und von einem Moment auf den anderen ging bei Karin Schnabel überhaupt nichts mehr. Selbst die kleinste Bewegung wurde zur Tortur. Der Rest ist schnell erzählt: Es folgten schlimme Schmerzen, schlaflose Nächte, die unumgängliche Operation, ein stationärer Krankenhaus-Aufenthalt in Wasserburg und ein Reha-Marathon, der längst noch nicht zu Ende ist.

Ein exemplarischer Fall, der das Aufgaben- und Einsatzgebiet der Familienpflegestation auf den Punkt bringt. Wenn Mütter "ausfallen", müssen sie sich nicht nur in einem fremden Haushalt zurecht finden. Sie müssen sich auch in die Köpfe der Kinder hineindenken, Halt geben, Trost spenden, Zuversicht verbreiten und den richtigen Ton treffen. Schließlich haben sie es mit Menschen zu tun, die sich in außergewöhnlichen Krisensituationen befinden. Da liegen die Nerven manchmal blank, da wird jeder Handgriff kritisch beäugt, jedes Wort auf die Goldwaage gelegt.

"Die Gerti ist mir ein Rätsel", schwärmt Karin Schnabel voller Dankbarkeit. "Was zu tun war, hat sie erledigt, ohne dass ein Wort notwendig gewesen wäre." Deshalb freut sich die Rosenheimerin über die große Resonanz auf die OVB-Weihnachtsaktion "Ein Herz für Familien", die der Arbeit Schlägers und ihrer Kolleginnen von der Familienpflegestation Rosenheim-Bad Aibling gewidmet ist. Der Spendenstrom ist auch nach Weihnachten nicht abgerissen. Gestern wurde die Marke von 250 000 Euro geknackt.

Hintergrund der OVB-Aktion: Die Einsätze der Station - 2010 waren es in Stadt und Landkreis Rosenheim insgesamt fast 70 - werden nur zu zwei Dritteln von den Krankenkassen gedeckt. Den Rest muss das Familienpflegewerk des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) als gemeinnütziger Träger selbst mit Spenden und Zuschüssen finanzieren.

Karin Schnabel hofft nicht, dass sie die Dienste der Familienpflegestation 2012 noch einmal in Anspruch nehmen muss. Im Januar will sie sich wieder an ihren Arbeitsplatz bei einer Firma in Raubling herantasten, wo sie seit 23 Jahren beschäftigt ist. Gertraud Schläger drückt ihr dabei fest die Daumen.

Auf den Konten der OVB-Weihnachtsaktion befinden sich jetzt 354 000 Euro.

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