Der Arbeitsplatz der Zukunft

Arbeiten, wo man sich eben gerade befindet – digitale Helferlein machen es möglich.
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Arbeiten, wo man sich eben gerade befindet – digitale Helferlein machen es möglich.

Das Büro der digitalen Welt ist unabhängig vom Raum und kommt ohne Stift oder Papier aus

Morgens um neun ins Büro, mit der Aktentasche unterm Arm – das war einmal. Heute ist in vielen Branchen kein Papier mehr nötig, um seiner Arbeit nachzugehen. Selbst ins Büro in die Firma braucht man oft nicht mehr zu fahren. Der Arbeitsplatz hat sich entkoppelt vom Raum, Stift und Papier sind ersetzbar geworden – digitale Helferlein machen es möglich.

Auf dem Schreibtisch von Susanne Schörghuber-Schwittay befinden sich aktuell genau drei Dinge: Ein Laptop, ein Bildschirm und ein Telefon. Wenn sich die Lehrerin der Internatsschule Schloss Neubeuern auf den Weg ins Klassenzimmer macht, klemmt sie sich ihr Notebook unter den Arm, steckt einen digitalen Stift in die Tasche – und los geht’s. Für den Unterricht nutzt sie digitale Lehrwerke, bei der Organisation verwendet sie die Angebote von Microsoft OneNote.

ToDo-Listen, Unterrichtsvorbereitung oder auch die Hausaufgaben-Korrektur finden digital statt. „Lediglich die Notenlisten führe ich noch auf Papier“, sagt die Lehrerin, die auch Mitglied der Schulleitung ist.

Papierloses Klassenzimmer

Das Internatsgymnasium Schloss Neubeuern ist Vorreiter in Sachen Digitalisierung. Seit 2009 verzichten Lehrer und Schüler ab der neunten Klasse komplett auf Papier. Damit wurde Schloss Neubeuern zur ersten papierlosen Schule deutschlandweit. Die Schüler werden mit Tablet-PCs ausgestattet, die nach den Bedürfnissen der Schule vorprogrammiert sind. Lernen, Hausaufgaben und die Mitarbeit im Unterricht finden digital statt. Das Programm der Tablets kann etwa Handschriften erkennen und verfügt über Multitouch-Screens, so dass sie Schulhefte oder Vokabel-Karteikarten ersetzen können. Im Mai 2013 fand in Neubeuern das erste digitale Abitur in Deutschland statt. Heute arbeiten über 150 Schüler der Klassen neun bis zwölf sowie alle Lehrer digital.

Umweltfreundlich: Arbeiten ohne Papier

„Der größte Vorteil ist, dass ich alles auf einem Gerät abgespeichert habe und dieses jederzeit mitnehmen kann“, sagt Schörghuber-Schwittay. Dazu kommt der ökologische Aspekt. „Papier verschlingt wichtige Rohstoffe wie Holz und Wasser und benötigt zudem viel Energie“, so die Lehrerin. Oft drucke man Dinge aus und hefte sie ab, obwohl man sie dann nie wieder anschaue. Da sei das Arbeiten ohne Papier viel umweltfreundlicher.

Doch es gibt auch einiges zu beachten. Zum einen sollten die digitalen Helferlein gut funktionieren und auf den Arbeitsalltag abgestimmt sein. Am Schloss Neubeuern arbeitet man mit OneNote, laut Schörghuber-Schwittay einem übersichtlichen System, mit dem alle möglichen Dateiformate abspeichern könne. Wichtig sei außerdem eine regelmäßige Datensicherung auf mehreren Speichermedien, damit Daten nicht verloren gehen.

Corona: Unterricht fand ganz normal statt

Die digitalen Möglichkeiten haben der Schule in der Corona-Krise einen Vorschub verschafft. Im Lockdown Anfang des Jahres zum Beispiel fand der Unterricht ganz normal statt – nur eben digital. Die internationalen Schüler des Internats, die in Neubeuern geblieben waren, und die deutschen Schüler, die nach Hause gefahren waren, absolvierten ihre Schulstunden von dort, wo sie sich eben befanden. Statt sich selbst durch irgendwelche Aufgaben zu wursteln, gab es Unterricht am PC nach Stundenplan und mit Anwesenheitspflicht. Auch unter den aktuellen Auflagen nutzt die fortgeschrittene Digitalisierung. Denn Gruppenarbeiten sind eigentlich verboten – in der Schule Neubeuern finden sie trotzdem statt. Nur eben im digitalen Raum.

Homeoffice wird salonfähig

In anderen Bereichen war es erst die Corona-Pandemie, die einen regelrechten Digitalisierungs-Schub ausgelöst hat. Viele Unternehmen haben dabei das Homeoffice für sich entdeckt. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung haben im April/Mai rund 50 Prozent der Beschäftigten zumindest teilweise von zu Hause aus gearbeitet. „Wir haben die weit überwiegende Rückmeldung von Unternehmen, dass Homeoffice auch nach Corona in größerem Umfang gelebt werden soll, als das vor Beginn der Pandemie der Fall war“, sagt Sebastian John, Referent für Fachkräfte und Zukunft der Arbeit bei der IHK für München und Oberbayern.

Konzentrierter Arbeiten möglich

Das hat Vor- und Nachteile. Unter Corona mussten sich etwa viele Mitarbeiter sehr kurzfristig mit neuer Technik vertraut machen. Auch der Arbeitsplatz kann ein Problem darstellen. „Zwar stellen viele Unternehmen die Ausstattung für Homeoffice zur Verfügung, aber nicht jeder Mitarbeiter hat ein Büro oder einen ergonomischen Schreibtisch zu Hause“, so John. Auch die Kommunikation sei eine Herausforderung. Insbesondere für neue Team-Mitglieder sei es schwer, auf informellen Weg die anderen Kollegen und das Unternehmen kennen zu lernen. Doch vielen fällt das Arbeiten im Homeoffice auch deutlich leichter. „Viele Mitarbeiter berichten, dass sie im Homeoffice konzentrierter arbeiten können, da weniger Ablenkung herrscht“, so John.

Gewinner ist die Umwelt

Auch lästige Pendlerfahrten fallen weg. Ein klarer Gewinner durch das Homeoffice ist damit die Umwelt. Die eingesparten Kilometer führen zu einer Reduzierung der CO2-Emmissionen.

Für IHK-Experte John kommt es auf die richtige Mischung an. „Die Zukunft wird in den meisten Unternehmen eine pragmatische Mischung aus Homeoffice und modernen Büroarbeitsflächen sein, welche die Mitarbeiter flexibel buchen können.“ So könne das Homeoffice für Tätigkeiten genutzt werden, die gut alleine zu bewältigen sind – für Arbeiten, die Kommunikation erfordern, stünden entsprechende Flächen im Büro zur Verfügung.

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