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Geimpft oder genesen ist nicht genug

Der 2GPlus-Wahnsinn in Rosenheim: Freizeit, Sport- und Kulturanbieter haben zu kämpfen

Geimpft oder Genesen? Tessa Irlbacher, Geschäftsführerin des Raublinger Sportgeschäfts Iko, kontrolliert zusammen mit ihrem Mitarbeiter Daniel Klarner den Nachweis von Kundin Sabine Asenbeck.
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Geimpft oder Genesen? Tessa Irlbacher, Geschäftsführerin des Raublinger Sportgeschäfts Iko, kontrolliert zusammen mit ihrem Mitarbeiter Daniel Klarner den Nachweis von Kundin Sabine Asenbeck.
  • Korbinian Sautter
    VonKorbinian Sautter
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Egal ob in der Kletterhalle, der Therme, im Kino oder sogar auf dem Golfplatz: Die 2Gplus Regel hat für die Region schwerwiegende Folgen. Denn die Betreiber von Freizeit, Sport und Kulturanlagen ringen nun mit den aktuellen Corona-Beschränkungen.

Rosenheim – Die Rückkehr aus dem rund zweiwöchigen Lockdown wird nun durch die bayernweite 2Gplus-Regelung erschwert. Wer beispielsweise ein Fitnessstudio, ein Konzert oder eine Sporthalle besuchen möchte, braucht nicht nur einen Impf- oder Genesennachweis, sondern auch einen negativen Coronatest. Für viele Inhaber bedeutet das zusätzliche Arbeit, sinkende Besucherzahlen und jede Menge Frust.

„Wir haben keine Wahl“

„Wir haben ja nie wirklich eine Wahl“, sagt Stefan Barber, Werkleiter der Therme Bad Aibling. Er und seine Mitarbeiter sind gerade dabei, die abgelassenen Becken wieder aufzufüllen, um am Freitag, den 10.Dezember, unter den neuen Vorgaben öffnen zu können. Um diese zu erfüllen, postiert Barber einen zusätzlichen Arbeiter auf dem Parkplatz vor der Therme, auf dem in Zusammenarbeit mit der deutschen Lebensrettungsgesellschaft Bad Aibling eine Teststation eingerichtet wurde. Mit einer maximalen Auslastung von 25 Prozent könne man so 300 Leute ohne große Wartezeit gleichzeitig reinlassen.

Die Becken werden gefüllt: Mitarbeiter Michael Wagner-Fischer bereitet die Therme Bad Aibling auf die Öffnung unter 2Gplus-Bestimmungen vor.

Auch die Chiemgau Thermen in Bad Endorf werden ab Freitag wieder öffnen. Geschäftsführer Markus Füller hat zwar keine eigene Teststation vor der Haustür, wird aber dennoch seine Mitarbeiter unter 2G plus-Bedingungen aus der Kurzarbeit zurückholen.

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Den Luxus einer eigenen Teststation hat das Rosenheimer „Kinopolis“ nicht. Ein eigenes Angebot an Schnelltests wäre zu Stoßzeiten laut Geschäftsführerin Janet Breucker unmöglich umzusetzen. Besucher müssten daher vor dem Eintritt beispielsweise zum nächstgelegenen Testzentrum auf der Lorettowiese. „Das wird am Eingang erst einmal für Diskussionen sorgen“, befürchtet die Rosenheimer Kinobetreiberin. Sie hält die aktuellen Vorgaben für etwas überzogen. Zumal mit der zusätzlichen Hürde eine Wiedereröffnung mehr „Beschäftigungstherapie als wirtschaftlich sinnvoll“ sei.

Wenig Verständnis für die 2Gplus-Regel hat auch Rainer Blum, Geschäftsführer des City-Golf Rosenheim und Betreiber der Anlagen in Happing, „Wir haben auf unserer Driving Range drei Meter Abstand und sind noch dazu im Freien“, meint er. Trotzdem wurde das Golfen Teil der allgemeinen Vorschriften, die den Betrieb der Anlage unmöglich machen. Aus diesem Grund, sowie aktuell auch witterungsbedingt, bleibt das Gelände bis zum 15. Dezember geschlossen. Dann hofft Blum, dass die „schwammige Verallgemeinerung“ zumindest für den Außenbereich aufgehoben wird.

2Gplus im Fitnesstudio: Gäste sind verärgert

Über eine Erleichterung von 2G-plus würde sich Natalie Reindl, Geschäftsführerin des Fitnessstudios „Elan Fitness“ in Wasserburg, freuen. Sie hat ihre Räume unter den neuen Bedingungen bereits wieder geöffnet und bekam direkt den Unmut der Besucher zu spüren. „Ich bekomme von fast einem Drittel unserer Mitglieder Nachrichten, weil sie die geltenden Bestimmungen nicht verstehen können“, berichtet die Wasserburgerin.

Einer der verärgerten Besucher von Fitnessstudios ist Klaus S. aus Prutting (68), der wie seine Frau (64) bereits die dritte Impfung hinter sich hat. „Da fragt man sich schon, als braver Staatsbürger lässt man sich impfen, inzwischen zum dritten Mal, und dann sitzt man wieder da und muss sich testen lassen, wenn man nur ins Fitnessstudio will. Das kann eigentlich nicht sein.“ Er fordert ein Umdenken von der Politik und zumindest Erleichterungen für Booster-Geimpfte.

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Vom 2Gplus-Wahnsinn befreit sind seit gestern die Skiliftbetreiber. Die bayerische Regierung ruderte in Sachen Testpflicht für Skifahrer zurück und ermöglicht Seilbahnbetreibern wie Egid Stadler Planungssicherheit. „Dafür haben wir gekämpft“ , sagt der Leiter der Bergbahnen am Sudelfeld. Für ihn war die frohe Botschaft der Startschuss, um am Wochenende die ersten drei Beschneiungsanlagen anzuwerfen.

„Es schaut schon mal nicht schlecht aus“, sagt auch Andreas Brandtner, Betreiber des Skigebiets Steinplatte und der Gondelbahn in Seegatterl. Hans Höflinger, Betreiber der Skilifte auf der Winklmoosalm, traut dem Frieden dagegen noch nicht so recht. „Einerseits freue ich mich, aber ich kenne die konkrete Verordnung noch nicht“, sagt er. Sobald die genauen Vorgaben bekannt sind, könnten die Betreiber ihre Skigebiete bereits am Freitag, den 17. Dezember, öffnen.

Schnell auf 2Gplus eingestellt hat sich das die Kletterhalle „Stuntwerk Rosenheim“. Mit der nahegelegenen Schnelltestmöglichkeit im Aicherpark ist Betriebsleiterin Esmeralda Duchan guter Dinge, dass der Ablauf größtenteils reibungslos verläuft. Ein Mitarbeiter kontrolliere am Eingang die Nachweise und hat notfalls für Kurzentschlossene einen Schnelltest parat. Bei maximal erlaubter Auslastung von 25 Prozent können 80 Leute gleichzeitig zum Klettern oder Bouldern in die Halle. „Das könnte zu Stoßzeiten eventuell eng werden, aber dann muss man eben mit den Leuten reden“, meint Duchan. Da sich die Leiter des Stuntwerks allerdings bereits im Lockdown auf Schlimmeres gefasst gemacht hatten, sei die derzeitige Situation immerhin noch besser, als wenn man wieder komplett zu machen müsste.

Vereine stehen vor neuen Problemen

Vor einer erneuten Herausforderung stehen auch die Sportvereine wie der FV Oberaudorf. Bei dem Fußball- und Volleyballverein sieht der erste Vorstand Christian Haydn das Problem allerdings in erster Linie nicht bei den Jugendmannschaften. „Da bei den Kindern der Test aus der Schule auch für das Training ausreichend ist, sollte das Mannschaftstraining funktionieren“, meint Haydn. Allerdings hätten die Trainer einen größeren Aufwand, da sie sich vor jedem Training sowohl selbst testen als auch die Nachweise der Schüler kontrollieren müssen.

„Wie viele Leute in den Herren- und Damenmanschafften übrig bleiben, ist dann schon eine andere Sachen, das müssen wir erst mal sehen.“ Denn Haydn geht davon aus, dass durch die Testpflicht einige der Spieler wegfallen werden. „Von Zuschauern mal ganz zu schweigen“. Das erste Volleyball-Team der Damen habe sich aus diesem Grund bereits frühzeitig in die Winterpause verabschiedet. Sie hoffen, wie die meisten Freizeit-, Kultur- und Sportanbieter in der Region, dass der 2G-Wahnsinn im kommenden Jahr zumindest in bestimmten Bereichen ein Ende haben wird.

2G im Handel: Kunden und Verkäufer sind unglücklich

Akribisch umgesetzt wurden die seit gestern geltenden gesetzlichen 2G-Vorschriften im Iko Sporthaus Raubling. Im Eingangsbereich wurde von einem abgestellten Mitarbeiter die Impf- oder Genesen-Dokumente sowie der Personalausweis kontrolliert.

Nach den ersten Vormittagsstunden ist es laut Geschäftsführerin Tessa Irlbacher unproblematisch gelaufen. „Die Besucher haben alles hergezeigt, aber nicht immer einen glücklichen Eindruck hinterlassen.“ Etwas schwammig sieht sie die Vorgaben des Gesetzgebers, da zum Beispiel Schuhgeschäfte nicht unter die 2G-Regelung fallen, sie aber auch ein vielfältiges Sortiment an Schuhen in ihrem Sportgeschäft führen.„Wir haben uns jetzt entschieden, durch die Bank zu kontrollieren, weil wir ja nicht wissen, ob wir sonst am Ende Probleme bekommen.“

Dass diese Regelung kein geteiltes Echo finden würde, war abzusehen. Einzelne Besucher mussten am Vormittag abgewiesen werden, davon eine Person die die nötigen Dokumente nicht dabei hatte. Die anderen zogen schimpfend und teils empört über diese Vorschrift von dannen.

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