Online-Vortrag mit Stefan Christoph

Demokratieforscher zu Corona und rechten Verschwörungsideologien: „Realitätsferne Ansichten“

Vegan-Koch Attila Hildmann, hier auf einer Demonstration von Gegnern der Corona-Maßnahmen in Berlin, verbreitet zahlreiche Verschwörungstheorien rund um das Coronavirus.
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Vegan-Koch Attila Hildmann, hier auf einer Demonstration von Gegnern der Corona-Maßnahmen in Berlin, verbreitet zahlreiche Verschwörungstheorien rund um das Coronavirus.
  • Ludwig Simeth
    vonLudwig Simeth
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Rosenheim – „Verschwörungsideologien in der Neuen Rechten“ ist der Titel eines Vortrags, den Demokratieforscher Stefan Christoph (32) am 15. Oktober ab 19.30 Uhr halten wird. Eigentlich sollte Christoph im Rosenheimer Mailkeller sprechen, wegen Corona wird nun ein gestreamter Online-Vortrag daraus.

Herr Christoph, Sie forschen an der Uni Regensburg zu Verschwörungsideologien in Demokratien. Worum geht es in Ihrem Vortrag?

Stefan Christoph: Er kreist um die Frage, warum Menschen an angebliche Verschwörungen glauben, wie sich das ganz aktuell ausprägt und warum das für unsere Demokratie gefährlich sein kann. Ebenso geht es darum, inwiefern Verschwörungsideologien menschenfeindliche Ansichten transportieren und was Verschwörungsdenken und die extreme Rechte speziell in Krisen wie der Finanzkrise vor einem guten Jahrzehnt oder der aktuellen Corona-Pandemie verbindet.

Warum ist gerade jetzt die richtige Zeit für Ihren Vortrag?

Christoph: Weil ich derzeit, in der Corona-Krise, wie durch ein Brennglas auf ein Thema schaue, an dem ich schon länger dran bin. Man muss nicht nach Berlin fahren, um auf krude Parolen und realitätsferne Ansichten zu stoßen, die Fakten missachten. In München, Regensburg, Rosenheim, überall. Sogenannte Verschwörungsideologien haben Hochkonjunktur.

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Stefan Christoph (32), Demokratieforscher

Christoph: Skeptisch zu sein und Maßnahmen zu kritisieren ist in einer Demokratie legitim – auch in Zeiten von Corona. Wer die Verhältnismäßigkeit von Schutzmaßnahmen bezweifelt, wer von den Medien fordert, sie müssten die neu positiv getesteten Menschen in Relation zur Gesamtzahl der Tests setzen oder die schweren Covid-19-Verläufe im Auge behalten – der ist noch nicht unbedingt Verschwörungstheoretiker. Meist sind die Grenzen fließend. Ein entscheidender Punkt ist dabei der aktuelle Kenntnisstand der Wissenschaft, oder präziser formuliert: der inhaltliche Konsens der wissenschaftlichen Meinung.

Doch über Corona wissen wir noch sehr wenig.

Christoph: Das stimmt. Aber es gibt empirische Fakten, auf die man sich stützen kann – oder sie leugnen kann. Ein anderes Beispiel: Der Klimawandel ist wissenschaftlich erwiesen. Dennoch werden Sie für jeden Fernseh-Talk zum Thema problemlos einen kategorischen Klimawandelleugner mit wissenschaftlicher Aura finden.

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Die gängigste, absurdeste Corona-Verschwörungstheorie?

Christoph: Der Klassiker ist die These der großen Pharmaverschwörung, die wahlweise von Bill Gates oder George Soros gelenkt wird. Sie sollen Corona „erfunden“ haben, um noch mehr Geld zu verdienen, um uns allen mit der Corona-Impfung Mikrochips einsetzen zu können. Da darf man ironisch fragen, warum die Impfung nicht schon längst da ist.

Warum spielt gerade die rechte Szene eine Rolle?

Christoph: Weil eine gewisse ideologische Wegbereitung hierfür existiert bei Menschen, die an autoritäre Denkmuster glauben: einerseits an starke „Verschwörer“, die die Welt lenken. Andererseits an starke Persönlichkeiten, die uns aus der fremdbestimmten „Corona-Diktatur“ oder von „Weltverschwörung“ und „Lügenpresse“ befreien. Jeder Vergleich zur Weimarer Republik vor der Machtergreifung Hitlers hinkt, aber ansatzweise sind Parallelen zu erkennen: Ton, Wortwahl, Rhetorik oder demokratiefeindliche Hetzportale im Netz, die gezielt Lügen verbreiten.

Anmeldung zum Vortrag per E-Mail

Interessierte können sich per Email anmelden unter noafd-rosenheim@riseup.net und erhalten dann den Zugangslink zum Vortrag.

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