"Dem Dings sein Dings"

OVB
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Die Betreuung von Demenzkranken im Mühldorfer Haus der Begegnung scheitert derzeit noch an der Finanzierung. Auch die Selbsthilfegruppe, die derzeit noch besteht, hat eine ungewisse Zukunft vor sich.

Mühldorf - Viele Angehörige von Demenzkranken stehen erst fassungs- und dann oft hilflos vor den Veränderungen, die ihr Partner oder ihre Geschwister im Lauf der Zeit erleiden. Wenn alles aus der Richtung läuft, dann gibt es viele Probleme. Das Mehrgenerationenhaus - Haus der Begegnung in Mühldorf, das in diesem Jahr von der OVB-Weihnachtsaktion unterstützt wird, hat sich dieses Personenkreises angenommen.

Demenz ist eine schleichende Krankheit, die von den Betroffenen und ihren Angehörigen viel Kraft und Einsatz erfordert. Ein Pfarrer zum Beispiel konnte plötzlich mitten in der Messe nicht mehr weiter. Oder er sagte "dem Dings sein Dings", wenn er seinen Bruder und dessen Sohn meinte.

Bei vielen der Demenzbetroffenen beginnt die Krankheit scheinbar harmlos. Dem Partner oder den Geschwistern fällt lange Zeit nicht auf, wieso sich ihr Partner nichts mehr merken kann oder etwas vergesslich wird. Schlimmer wird es dann, wenn er sich nicht mehr orientieren kann. Eine Ehefrau berichtet, dass sie mit ihrem Mann um 12 Uhr ganz normal zu Mittag gegessen hätte, er um 15 Uhr aber sehr grantig wurde, weil seine Frau ihn verhungern lasse!

Die Mühldorferin Maria B. betreut ihre Schwester, bei der die Krankheit vor rund drei Jahren ausgebrochen ist. Die Schwester verwechselt die Wochentage, will am Mittwoch zur Sonntagsmesse in die Kirche und zieht sich Kleidung an, die den Temperaturen nicht angemessen ist. "Schlimm ist es dann geworden, als sie mit dem Zug nach München zu ihrem Sohn wollte. Sie musste auf die Toilette, fand danach ihren Platz und ihre Tasche nicht wieder. Zudem stieg sie an der falschen Stelle aus. Das sind alles Dinge, die einem schon sehr belasten", erzählt Maria B.

Die Mühldorferin hat lange gebraucht, bis sie die Diagnose akzeptierte. Sie selbst war damals mit den Nerven am Ende, denn einfach ist der Umgang mit Demenzkranken für die betreuende Person nicht. "Du weißt nicht mehr, was Du sagen sollst oder kannst. Meine Schwester beschwerte sich, dass ich immer mit ihr schimpfe, das war zwar nicht so, aber wenn ich ihr sagte, dass sie am Sonntag keine Waschmaschine kaufen kann, weil die Geschäfte gschlossen haben, dann war ich wieder die Böse", sagt die Mühldorferin.

Im Mehrgenerationenhaus - Haus der Begnung in Mühldorf wird sich der Angehörigen von Demenzkranken angenommen. Dort gibt es eine Angehörigengruppe, die sich regelmäßig trifft.

"Diese Angehörigen brauchen Hilfe und Unterstützung. In der Gruppe erfahren die Teilnehmer, dass sie mit ihren Problemen und Sorgen nicht allein sind", erläutert Marianne Zoller, Leiterin des Hauses. Auch für Maria B. wurde diese Gruppe zu einer wichtigen Einrichtung. Dort konnte sie erfahren, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine ist. "Wir lachen, trotz dieser Schicksalsschläge, sehr viel. Es gibt auch konkrete Hilfe, wie andere mit bestimmten Situationen umgehen, oder den Austausch von Adressen für Betreuung und Kliniken", berichtet die Mühldorferin.

"Wir bieten menschliche Unterstützung, verbunden mit konkreter Hilfe. Es ist für viele nicht leicht, dieses aufkommende Misstrauen des Partners zu ertragen. In der Gruppe fühlen sich sehr viele sehr gut aufgehoben. Wir haben Betroffene, die aus dem ganzen Landkreis zu dieser Selbsthilfegruppe kommen", berichtet Zollner.

Für dieses Angebot des Mehrgenerationenhauses ist derzeit die weitere Finanzierung noch nicht gesichert, wie auch für die im nächsten Jahr geplante Betreuungsgruppe für Demenzpatienten. Im sogenannten Café "Memory" sollen Demenzpatienten an einem Tag in der Woche betreut werden, damit der Partner oder Betreuer einmal einen Nachmittag für sich hat, um Besorgungen oder einen Arztbesuch zu erledigen.

Die OVB-Weihnachtsaktion unterstützt dieses Vorhaben im Mehrgenerationenhaus - Haus der Begegnung. Mit einer Spende können Leser dafür sorgen, dass dieses Angebot auch in den kommenden Jahren Bestand hat.

Josef Bauer (Oberbayerisches Volksblatt)

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