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Die Stadt steckt mitten in der vierten Welle

Weil die Corona-Zahlen durch die Decke gehen: Rosenheim zieht die Zügel an

Seit dem 10. August steigt die 7-Tage-Inzidenz in Stadt und Kreis Rosenheim an.
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Seit dem 10. August steigt die 7-Tage-Inzidenz in Stadt und Kreis Rosenheim an. In der Stadt allerdings deutlich stärker.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Am Freitag (27. August) steigt die Inzidenzzahl in der Stadt Rosenheim auf über 200. Und als am stärksten betroffener Hotspot Bayerns zieht Rosenheim die Zügel wieder enger an. Es gibt eine neue Allgemeinverfügung. Für noch mehr Bereiche – etwa in der Außengastronomie – gilt damit nun das Prinzip „getestet, geimpft oder genesen“.

Rosenheim – Die kreisfreie Stadt Rosenheim zieht Konsequenzen aus dem Anstieg der Inzidenz knapp über 200. In einer Allgemeinverfügung verschärft die Stadtverwaltung unter anderem Kontaktbeschränkungen und senkt Personenobergrenzen für Veranstaltungen. Dabei gelten für Getestete, Geimpfte oder Genesene genauer definierte Ausnahmen. „Das ganze läuft im Prinzip auf die nahezu flächendeckende Einführung von 3 G in Freizeit, Gastronomie oder Kultur hinaus“, sagt Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl, Sprecher der Stadt. So gilt die Regel seit heute auch für den Außenbereich von Gaststätten in der Stadt.

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Mit seinen Beschränkungen zieht Rosenheim die Konsequenz aus dem sprunghaften Anstieg der Ansteckungszahlen in den vergangenen bleibt im Trio der Corona-Hotspots, hinter Wuppertal und Leverkusen ist Rosenheim die einzige deutsche Kommune mit einem Wert jenseits der 200.

Hochzeiten in bescheidener Runde

Am Donnerstag waren 18 Menschen positiv auf Corona getestet worden, die Sieben-Tage-Inzidenz war damit um fünf Punkte auf 201, 3 gestiegen. Auch im Landkreis steigt die Zahl kontinuierlich, von 72,7 am Donnerstag auf 82,5 am Freitag.

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„Die gravierendsten Änderungen ergeben sich sicherlich aus der Einschränkung der Personenzahl etwa für Hochzeiten oder andere Familienfeiern“, sagte Thomas Bugl auf Nachfragen der OVB-Heimatzeitungen.

Eben in diesem Bereich sind immunisierte Menschen im Vorteil. An solchen Anlässen dürfen bis zu 20 Personen in geschlossenen Räumen und bis zu 30 Personen unter freiem Himmel teilnehmen, die Geimpften oder Genesenen werden nicht eingerechnet. Bei öffentlichen Veranstaltungen sind ebenfalls 20, beziehungsweise 30 Menschen gestattet, allerdings ohne Vorteile für Genesene oder Geimpfte, die dann wie „Otto Normalgast“ mitgezählt werden.

Die Stadt denkt weiter über 3 G für die Wirtschaft nach

Was Treffen mit Bekannten und Freunden betrifft: im privaten wie im öffentlichen Bereich sind Treffen von höchstens zehn Menschen aus zwei Haushalten erlaubt – ebenfalls einschließlich Geimpfter und Genesener. Nur Kinder unter 14 Jahren bleiben bei der Gesamtzahl außer Betracht.

Was Gastronomie, Freizeiteinrichtungen und Kultur betrifft, ebenso wie bei Terminen außerschulischer Bildung, findet sich in der jüngsten Verfügung der Stadt Rosenheim regelmäßig der Hinweis auf Testnachweise „nach Maßgabe“ eines bestimmten Paragraphs der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordung, Da steht zu lesen, dass jeder, der mitmachen will einen negativen Test vorweisen muss – es sei denn, er ist geimpft oder genesen.

Die Wirtschaft äußert sich skeptisch

Die Stadtverwaltung hatte auch über eine 3-G-Pflicht in Wirtschaft und Betrieben nachgedacht. Man prüfe diese Möglichkeit weiter, sagte Bugl, allerdings wären da die Freiheit der Berufsausübung und Schutz der Gesundheit gegeneinander abzuwägen, zudem gelte es, die Frage der Verhältnismäßigkeit befriedigend zu beantworten.

Die Wirtschaft äußert Skepsis. Andreas Bensegger, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Rosenheim, hält die 3-G-Regel im alltäglichen Betrieb „für nicht umsetzbar“. Schon der Datenschutz stelle Unternehmer und Geschäftsleite vor Herausforderung. Um Kunden wie auch Mitarbeitern Zutritt in ein Geschäft oder einen Betrieb zu gewähren, „müsste ich einiges wissen, was ich eigentlich nicht wissen darf“.

Kontrollen mit großen Lücken

Die Stadt Rosenheim hatte innerhalb von acht Tagen in der Siebentage-Inzidenz erst die 100er, dann sogar die 200er-Marke gerissen. Der Grund für den starken Anstieg liegt auf der Hand: Zwischen 21. und 24. August waren über zwei Drittel der neuen Infektionen bei Reiserückkehrern überwiegend aus dem Balkan festgestellt worden. Am Freitag lag der Anteil bei 45 Prozent. Der Großteil des Rests entfällt überwiegend auf das familiäre Umfeld – in das Infektionen allerdings wiederum von heimkehrenden Urlaubern eingetragen worden sein können.

Nach Auskunft des Gesundheitsamts waren viele der positiven Fälle bei Tests entdeckt worden, denen sich die Infizierten bereits nach ersten Symptomen unterzogen hatten. Es dürfte sich also um Reiserückkehrer handeln, die an der Grenze nicht als ungetestet oder ungeschützt aufgefallen war.

Ebenfalls interessant: Nach fulminantem Anstieg der Corona-Zahlen in Rosenheim: Einführung der 3-G-Regeln am Arbeitsplatz?

Die große Anzahl an Infizierten unter den Reiserückkehrern lässt den Schluss zu, dass die Grenzkontrollen große Lücken aufweisen. Ein Problem sei, dass es die klassischen Kontrollen nicht mehr gebe, sagte dazu auch Rosenheims Sprecher Bugl.

Das Innenministerium bestätigte auf Anfragen, dass ein Check aller Einreisenden nicht angestrebt sei, auch weil lockenlose Kontrollen zu Chaos an der Grenze führen könnte. Grenz- und Bundespolizei prüften stichprobenartig direkt an der Grenze oder ließen sich bei Stopps im Zuge der Schleierfahndung Test-, Impf- oder Genesungsnachweise zeigen.

Beide Polizeibehörden berichteten auf Anfrage der OVB.-Heimatzeitungen jedoch, dass der weit überwiegende Teil der kontrollierten Urlauber mit korrekten Nachweisen angetroffen worden sei. Nach den Zahlen der Grenzpolizei verstoße nur jeder Tausendste gegen die Corona-Auflagen.

Für Wolfgang Hierl ist das kein Widerspruch. „Wir beobachten bei vielen Reiserückkehrern, dass zwar das Ergebnis der verpflichtenden Testung bei Einreise in Deutschland noch negativ ist, in den Folgetagen sich aber Erkältungssymptome entwickeln, die sich nach einer nochmaligen Testung als Infektion entpuppen.“ Auch wer nicht aus einem Hochrisikogebiet einreise, solle sich daher am besten nach fünf bis sieben Tage nochmals testen lassen, am besten mittels PCR-Test.

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