Im Eurocity unter Coronavirus-Verdacht: Bange Stunden für Frau aus der Region Rosenheim

Wegen Corona-Verdachts gestoppter Zug in M¸nchen angekommen
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Zwei Frauen aus der Region Rosenheim (nicht im Bild) waren unter Coronavirusverdacht und wurden deshalb in Verona aus dem Zug geholt.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Eine 19-jährige Frau aus dem Landkreis Rosenheim berichtet den OVB-Heimatzeitungen, wie sie und ihre Freundin unfreiwilliig den Zugverkehr lahmlegte, wegen einer Erkältung unter Corona-Verdacht gerieten und für Stunden in Verona festsaßen. In der Region wappnen sich Kirchen und Veranstalter gegen das Virus.

Rosenheim – Der Coronavirus kommt näher, hat aber Rosenheim und seine Umgebung noch verschont. Zwar wurde am Donnerstag eine Person aus der Region auf COVID-19 getestet. Nach Aussagen des Gesundheitsamtes handele es sich dabei um eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Als Verdachtsfälle aus dem Zug gezogen

In Italien herrscht dagegen schon Panik. Eine der beiden Frauen, die am vergangenen Wochenende unfreiwillig den Zugverkehr zwischen Österreich und Italien für Stunden unterbrochen hatten, ist aus dem Landkreis Rosenheim. Die beiden waren auf der Fahrt von Venedig nach München unter Corona-Verdacht geraten. Mit den OVB-Heimatzeitungen sprach die 19-Jährige über die bangen Stunden.

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Im Landkreis Rosenheim ist am 1. März der erste Coronavirus-Fall aufgetreten. Das Landratsamt gibt dazu am Montag, 2. März, um 14 Uhr eine Pressekonferenz. Wir berichten live.

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Die junge Frau – sie möchte anonym bleiben – berichtet, wie es dazu kam, dass sie und ihre Freundin in Verona stundenlang festgehalten wurden. Sie erzählt von Chaos, Inkompetenz der Krisenkräfte und „quälender Ungewissheit“.

Grippesymptome – Zugbegleiter lässt nicht locker

Mit ihrer Freundin hatte sie das Wochenende in Venedig verbracht. „Wir sind zu lang am Lido geblieben und haben uns verkühlt“, erzählt sie. Es folgten leicht erhöhte Temperatur und Husten bei beiden. Auf der Heimfahrt im Eurocity bemerkte der Zugbegleiter den Zustand der beiden, „er hat nachgefragt und nicht lockergelassen“.

Die beiden wurden in ein Extra-Abteil geleitet und angewiesen, sich nicht von der Stelle zu rühren. Als der Zug hielt, starrten andere Reisende von draußen herein, manche fotografierten sogar durchs Fenster. „Das war echt nicht schön“, sagt sie.

+++ Alle Informationen zum Coronavirus in der Region finden Sie auf unserer Themenseite. +++

Der Zug stand in Verona – und blieb erst mal stehen. Nach einer geschätzten Stunde kamen Sanitäter. Es stellte sich heraus, dass sie ihr Fieberthermometer vergessen hatten. „Die haben dann den Blutdruck gemessen und sich mit uns unterhalten“, sagt die junge Frau, „draußen standen derweil 20 Polizisten.“

Keine der italienischen Coronavirus-Risikogebiete betreten

Zwar hatten die jungen Frauen keine der italienischen Risikozonen betreten, doch es half aber nichts. Sie wurden ins Krankenhaus von Verona transportiert, mussten dort warten, mit 100 weiteren Verdachtsfällen. „Alle saßen so rum, das hat niemanden so richtig interessiert“, sagt sie. Man nahm ihnen Blut ab, röntgte sie.

Die Ungewissheit setzt den jungen Frauen jetzt langsam zu, sie weinen. „Wir wollten wissen, was wird, und die haben uns nur befohlen, die Klappe zu halten.“

Eine Ärztin kümmerte sich schließlich um die Besucher. Irgendwann durften die Eltern die beiden jungen Frauen abholen – ohne dass das Testergebnis klar war. Um 5 Uhr morgens waren sie zu Hause. Das Ergebnis der Untersuchung ist mittlerweile auch da: kein COVID-19, alles gut.

Untersuchung an weiterer Person aus dem Landkreis Rosenheim

Darauf hoffen die Mediziner auch im Falle der Person aus dem Kreis Rosenheim, bei der am Donnerstag ein Coronavirus-Verdacht vorlag. Die Person habe über Halsschmerzen geklagt, zudem habe sie beruflich in Norditalien zu tun gehabt; allerdings habe sie nicht in den vom Robert-Koch-Institut definierten Risikogebieten gearbeitet. Der Test sei auch der Arbeit der Person in einem sensiblen Feld geschuldet: Sie arbeite in der Intensivpflege. Bis heute Mittag soll nach Auskunft des Gesundheitsamtes ein Ergebnis vorliegen; sicherheitshalber darf die Person fürs Erste nicht arbeiten.

Mit Verdacht auf Grippe waren am Mittwochnachmittag drei Touristen einer spanischen Reisegruppe ins Kreiskrankenhaus Prien gebracht worden. Weitere 15 Mitreisende wurden wegen leichter Grippesymptome zur Beobachtung ebenfalls in Krankenhäuser gebracht. Die 18 gehörten zu einer größtenteils aus Schülern bestehenden Reisegruppe aus Spanien, die Schloss Herrenchiemsee besuchten.

Ärzte und Rettungssanitäter kümmerten sich um die Gäste. Auch der Leiter des Gesundheitsamtes Rosenheim, Dr. Wolfgang Hierl, und Vertreter des Katastrophenschutzes beim Landratsamt, fuhren nach Prien. Erleichterung: Die Untersuchten mussten nicht auf „begründete Verdachtsfälle“ hochgestuft werden.

Wie Veranstalter in der Region vorbeugen

In der Region laufen Vorbereitungen auf Großveranstaltungen trotzdem in gewohnten Bahnen. Hans Urban von den Starkbierfreunden Haag sagt vor dem Starkbierfest im Hochzeitsstadl: „Ich glaube, Vorsicht ist wichtig. Aber alles abblasen kannst du auch nicht. Influenza ist mindestens genauso gefährlich.“

Der Wirt sorge vor, mit Spendern für Desinfektionsmitteln. So wird auch im Haus der Kultur in Waldkraiburg vorgesorgt. Alexandra Lausmann vermeldet den Einbau von Spendern. „Wir sind glücklich, dass das schon erledigt ist.“ Derlei Vorsorge gehöre, unabhängig von Corona, in jedes öffentliche Haus.

Der Meinung sind, ob öffentlich oder privat, zur Zeit so viele Menschen wie noch nie. Hans Urban berichtet, wie sich der Wirt auf die Suche nach Desinfektionsmitteln machte – ohne Erfolg, weil alle Anbieter in der Region zur Zeit leergekauft werden. „Er hat’s dann übers Internet bekommen.“

Die Kirchen wappnen sich gut wie möglich. Die Bischofskonferenz empfehle, Weihwasserbecken zu leeren, berichtete gestern Abend Dekan Daniel Reichel. Beim Friedensgruß solle man vorerst aufs Händeschütteln verzichten und stattdessen nicken oder lächeln.

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