Die Kliniken rüsten sich

Im Corona-Krisenmodus: Wie sich die Region Rosenheim auf den Pandemie-Höhepunkt vorbereitet

Leere Plätze, volle Lager: Während sich die Infektionszahlen in Rosenheim neuen Rekordhöhen nähern, bereitet sich der Landkreis unter anderem mit Horten von Schutzausrüstung auf Krisenzeiten vor.
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Leere Plätze, volle Lager: Während sich die Infektionszahlen in Rosenheim neuen Rekordhöhen nähern, bereitet sich der Landkreis unter anderem mit Horten von Schutzausrüstung auf Krisenzeiten vor.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Die Inzidenzzahlen schnellen in die Höhe, die Krankenhäuser stellen mehr Betten für Covid-19-Kranke bereit, mit der Funktion des Ärztlichen Leiters kehrt die Region zu einem bewährten Netzwerk-Modell zurück. Stadt und Landkreis Rosenheim befinden sich im Krisenmodus, sehen sich aber gut gerüstet..

Rosenheim – Berichte von vorzeitigen Entlastungen von Patienten machten Ende der vergangenen Woche die Runde. Wollte das Romed-Klinikum so für einen lawinenhaften Anstieg der Infektionen vorsorgen? Von Seiten des Klinikums gab es ein klares Dementi. „Wir betonen ausdrücklich, dass kein Patient früher entlassen wird, weil das Bett für einen Covid-Patienten benötigt wird“, sagte Sprecherin Elisabeth Siebeneicher.

Drei Stationen für Covid-19-Patienten

Man habe vielmehr in den letzten 14 Tagen die Anzahl der Betten für Covid-19-Patienten sukzessive erhöht. Aktuell halte man drei Stationen vor.

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Zuständig für die Verteilung und Verlegung von Patienten ist künftig der Ärztliche Leiter Krankenhauskoordinierung. Seit Donnerstag gibt es den für die Landkreise Rosenheim und Miesbach, Dr. Michael Städler macht den Job (wir berichteten), offenbar als Wunschkandidat von Landrat Otto Lederer. Städtler habe schließlich schon im Frühjahr dazu beigetragen, „eine Überlastung der Krankenhäuser durch Covid-19-Patienten zu verhindern und die reguläre Versorgung aufrechtzuerhalten“, hieß es seitens des Landratsamts.

Romed- und Schönkliniken bereiten sich vor

Entlastung durch Verteilung: Das soll auch im Pandemie-Herbst funktionieren. Die Funktion des Ärztlichen Leiters hatte das Bayerische Gesundheitsministerium vor wenigen Tagen reaktiviert. Zu seinem Amt gehört die Verteilung der Patienten nicht nur auf die Einrichtungen, sondern gegebenenfalls auch auf die Reha-Kliniken in den beiden Landkreisen. Wie Heiko Jeske als Sprecher von Medical Park bestätigte, liefen am Freitag bereits entsprechende Gespräche.

Teil des Netzes sind neben den Romed- auch die Schön-Kliniken. „Alle unsere Klinikstandorte sind in die regionalen Netzwerke aus Behörden und Versorgungseinrichtungen eingebunden und tauschen sich hier sehr regelmäßig aus“, sagt Sprecherin Astrid Reinig auf Anfragen der OVB-Heimatzeitungen.

Inzidenzzahlen sind nach oben geschnellt

Der Landkreis macht sich krisenfest. Aus gutem Grund: Stadt und Landkreis Rosenheim bewegen sich in gefährlicher Nähe zur Sieben-Tages-Inzidenz von 300. Das bedeutet 300 nachgewiesene Neu-Infektionen mit dem Coronavirus pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Für die Stadt und Landkreis Rosenheim - eine Region mit knapp 325.000 Einwohnern bedeutet eine 7-Tages-Inzidenz von 300 also fast 1000 Corona-Infektionen pro Woche.

Das ist weit über dem Wert, der Mühldorfs Landrat Maximilian Heimerl vor dem Wochenende in Unruhe versetzte. „Wir sind kurz davor, die Kontrolle zu verlieren“, sagte Heimerl den OVB-Heimatzeitungen.

„Das Gesundheitsamt ist trotz Unterstützung durch Polizei und Bundeswehr bei der Kontaktnachverfolgung an der Belastungsgrenze.“ Das sagte Heimerl, nachdem die Inzidenzzahlen in seinem Landkreis erstmals über 200 gestiegen waren. In Rosenheim ist man derlei Zahlen fast schon gewöhnt. Das Gesundheitsamt zeigte sich dennoch besorgt über den „ungebremsten exponentiellen Anstieg der Zahlen seit dem 21. Oktober.

Kontakt-Suche mit Hilfe der Bundeswehr

Fürs Gesundheitsamt in Rosenheim räumt Sprecher Fischer zunehmende Probleme bei der Verfolgung von Infektionsketten ein. Daher hat das Landratsamt personell aufgerüstet, und zwar mit Hilfe von Polizei und Bundeswehr. Mit dem so genannten Kontaktpersonen-Management sind beim Gesundheitsamt laut Sprecher Michael Fischer rund 100 Menschen beschäftigt. 48 von ihnen seien „externe Hilfskräfte“: 22 sogenannte Reservisten vom Freistaat Bayern, neun Polizeianwärter und 17 Soldaten der Bundeswehr.

Besser als im Frühling ist die Materiallage. Testkapazitäten, Schutzkleidung, Desinfektionsmittel, Masken – überall drohten zu Beginn des Frühjahrs Engpässe. Durch diese Erfahrungen gewarnt, sei der Landkreis bereits aktiv geworden, berichtet Michael Fischer. Das Lager sei gut gefüllt. Nach seinen Angaben befinden sich etwa 4700 Schutzanzüge und 3200 Schutzkittel auf Halde, „etwa ein Drittel der Menge, die im Frühjahr zur Hochzeit der Corona-Pandemie von Mitte März bis Ende Mai ausgegeben wurde“. Bei Schutzbrillen liege man mit 3900 bei der Hälfte der damals benötigten Menge, mit 2400 Gesichtsvisieren sogar beim Doppelten der seinerzeit benötigen Menge.

Landkreis hortet Schutzausrüstung

Überm Soll weiß man sich auch bei Mundnasenschutz-Masken. Über eineinhalb Millionen sind eingelagert, im Frühjahr hatte man rund 600.000 benötigt. Lediglich Handschuhe könnten schneller knapp werden. Mit 107.000 hält man rund ein Sechstel der Menge vom Frühling vorrätig. Gedacht sei diese Ausrüstung für „absolute Notfälle“, unterstreicht Fischer. Ärzte und Kliniken seien aufgerufen, sich selbst um Schutzausrüstung zu kümmern.

Im „absoluten Notfall“ käme es auch auf die Menschen an, die Beatmungsapparate bedienen können. „Für die derzeit vorgehaltenen Intensivbetten steht ausreichend Personal zur Verfügung“, sagt Romed-Sprecherin Siebeneicher. „Für den Fall, dass es zu Erkrankungen des Personals kommt, ist ein Ausfallkonzept kurzfristig umsetzbar.“

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