Sepp Mangstl (54) aus Ostermünchen stirbt an Covid-19: Region trauert um ersten Corona-Toten

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Ehrung für langjährige Treue: Franz Steegmüller (rechts), der Seniorchef der Flötzinger-Brauerei, dankte Sepp Mangstl im Vorjahr beim Herbstfest , weil er seit 35 Jahren mit der Dreder Musi für die musikalische Unterhaltung der Besucher im Zelt der Brauerei sorgt.
  • Norbert Kotter
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Große Bestürzung löst sein Tod weit über die Grenze der Gemeinde Tuntenhausen aus: Der Musimoasta der Höhenrainer Blaskapelle und stellvertretende Dirigent der Dreder Musi ist das erste Todesopfer, welches das Coronavirus in der Stadt und im Landkreis Rosenheim gefordert hat. 

Tuntenhausen – Bürgermeister Hans Schaberl aus Feldkirchen-Westerham kann den Verlust nur schwer in Worte fassen, den der Tod des allseits beliebten Mitbürgers auch für seine Gemeinde bedeutet. Seit 40 Jahren war Sepp Mangstl bei der Höhenrainer Musi aktiv, die ein Motor des kulturellen Lebens im Veranstaltungskalender des Ortes ist. 

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Seit 18 Jahren habe der Verstorbene bei der Kapelle den Taktstock geschwungen, berichtet deren Vorsitzender Alois Stacheter. Nicht nur das große Herbstkonzert am letzten Samstag vor Beginn der Adventszeit in der Turnhalle in Großhöhenrain habe sich unter dem Dirigat von Mangstl zu einem Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben der Ortsgemeinschaft entwickelt.

"Sein tragischer Tod muss eine Mahnung sein"

 „Sein Tod reißt eine sehr große Lücke“, so Stacheter. Das trifft nicht allein auf die Höhenrainer Musi zu. „Das ist ein schwerer Schlag für den gesamten Ortsteil“, ergänzt der Rathauschef. Mangstl war nicht nur bei der Blasmusik aktiv, sondern sang auch im Kirchenchor mit und fungierte als Schriftführer des Trachtenvereins. Hauptberuflich war er als Leiter der Führerscheinstelle beim Landratsamt Rosenheim beschäftigt. 

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„Sein tragischer Tod muss uns allen eine Mahnung sein, die Corona-Krise nicht auf die leichte Schulter zu nehmen“, ruft der Bürgermeister seine Gemeindebürger zu größtmöglicher Vorsicht und Disziplin auf, damit der Kampf gegen die heimtückische Krankheit letztlich erfolgreich geführt werden könne. 

Herbstfestbesucher kannten ihn von Dreder Musi 

„Wir sind alle erschüttert und zutiefst traurig.“ So beschreibt Roland Merk, der Dirigent der Dreder Musi, die Gefühlslage bei der Kapelle nach Bekanntwerden der schrecklichen Nachricht, die sich am Wochenende wie ein Lauffeuer in der Region verbreitete. Mangstl vertrat Merk als Dirigent und ist auch Abertausenden von Herbstfestbesuchern als Flügelhornist der Kapelle ein Begriff. 

Seit 35 Jahren spielte er während der Wiesn-Zeit auf der Bühne des Flötzinger-Zeltes. Im vergangenen Jahr war er von der Brauerei für sein langjähriges Mitwirken geehrt worden. Merk informierte noch am Wochenende zahlreiche Musikerkollegen des Verstorbenen und steht auch mit dessen Familie in engem Kontakt. Wie beliebt Mangstl in Musikerkreisen weit über die Landkreisgrenzen hinaus war, das erschließt sich dem Dirigenten der Dreder Musi aus vielen spontanen Reaktionen, die er erhielt, nachdem er die traurige Botschaft in der Szene übermittelt hatte. „Vielen hat es schlichtweg die Sprache verschlagen. Die Trauer ist überall unendlich groß“, so der Dirigent. 

Covid-19 hat nun "ein Gesicht bekommen" 

Besonders nachdenklich hat Merk ein Satz von Roland Bräger gestimmt, dem Direktor der Brauerei Maxlrain. „Corona hat jetzt ein Gesicht im Landkreis bekommen“, habe er ihm gesagt. Es habe sich auf dramatische Weise gezeigt, dass die Pandemie kein Ereignis sei, das man nur in den Nachrichten zur Kenntnis nehmen dürfe, so Merk.

Viele Erinnerungen mit Sepp Mangstl verbindet Marisa Steegmüller, die Geschäftsführende Gesellschafterin der Flötzinger-Brauerei. Sie sei zutiefst geschockt gewesen, als sie die Nachricht von dessen Ableben erreicht habe. „Der Sepp war mit ein Inbegriff der Dreder Musi. Durch seinen Tod ist unsere Brauerei-Familie um ein Mitglied ärmer geworden“, sagt Steegmüller. Besonders wenn er am Abend im vollen Zelt das „Arrival“ von Abba gespielt habe, hätten viele Besucher Gänsehaut bekommen, erinnert sie sich. Die Brauerei werde ihm auf jeden Fall auf der nächsten Wiesn ein würdiges Gedenken bereiten. 

Reise nach Madrid – keine Vorerkrankungen 

Wo sich der Vollblutmusiker genau infiziert hat, ist derzeit unklar. Der Bruder des Verstorbenen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, berichtete im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen davon, dass der Verstorbene am 5. März eine Flugreise nach Madrid angetreten habe. Von der sei er am 12. März zurückgekehrt. „Da hat er sich schon krankgefühlt und sich in ärztliche Behandlung begeben. Er war krankgeschrieben und hat das Haus seit dieser Zeit nicht mehr verlassen“, versichert der Bruder. Vorerkrankungen waren nicht bekannt. 

Massive Atemprobleme

Die Tragödie nahm am vergangenen Donnerstag ihren Anfang. „Sepp bekam massive Atemprobleme. Der Notarzt hat ihn auf die Intensivstation des Krankenhauses Rosenheim eingewiesen, wo die Ärzte sein Leben leider nicht mehr retten konnten“, schildert der Bruder das Geschehen. Sepp Mangstl schloss am Freitag gegen 15 Uhr für immer seine Augen. 

Todesnachricht per Telefon 

Besonders bitter für den Bruder und die gesamte Familie: Niemand konnte dem Sterbenden beistehen. Die Todesnachricht überbrachte das Klinikum der Familie telefonisch. Auch der Bruder hofft, dass der tragische Tod von Sepp Mangstl den Menschen in Stadt und Land als ernste Mahnung dient, das Corona-Virus nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Wir hätten uns vor ein paar Tagen nicht gedacht, dass unsere Familie mit einer solch traurigen Wahrheit konfrontiert wird.“

Den Tod will sie im engsten Kreis verarbeiten. Aus diesem Grund richtet sie einen eindringlichen Appell an die Öffentlichkeit. „Wir haben über das OVB alles gesagt. Bitte respektieren Sie diesen Wunsch und sehen von Nachfragen, persönlichen Beileidsbekundungen und Anrufen ab.“

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