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In Stadt und Kreis Rosenheim auffällig niedrige Impfquote

„Nicht mehr tragbar“: Ärzte aus der Region kritisieren Aiwanger für Haltung zur Corona-Impfung

Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister und Landesvorsitzender der Freien Wähler in Bayern
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Hubert Aiwanger, Vize-Ministerpräsident und Landesvorsitzender der Freien Wähler in Bayern, irritiert mit seinen Äußerungen zur Corona-Impfung.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Sie kommt nicht mehr richtig in Gang, die Impfkampagne gegen Corona. In der Region Rosenheim, ohnehin bayernweit hinten, melden sich immer weniger Menschen zu Erstimpfungen an. Währenddessen kritisieren Ärzte aus der Region Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger für seine Haltung in der Impf-Frage.

Rosenheim – Schon warnen Experten immer lauter vor einer vierten Welle, wappnen sich die Bundesländer mit schärferen Kontrollen an der Grenze gegen unerwünschte Souvenirs aus Urlaubsländern, allen voran die hoch ansteckende Delta-Variante. Doch das bei weitem wirksamste Instrument gegen die Corona-Pandemie wird weiter vernachlässigt. Die Impfkampagne stagniert, allen Appellen zum Trotz. Auch und gerade in der Region Rosenheim, wo das Impfzentrum auf der Loretowiese in Rosenheim in den vergangenen Wochen sogar impffreie Tage einlegte, zuletzt sogar drei Tage in einer Woche.

Impfquote: Die Region liegt weiter zurück.

30, 40 Anmeldungen zähle er noch pro Woche, sagt Dr. Fritz Ihler, Chef des ärztlichen Verbands Rosenheim, „der große Schwung ist weg“. Die Menschen warteten lieber ab, vermutet er, „aus einer diffusen Angst vor den Impfungen heraus“.

Aiwanger eigentlich nicht mehr tragbar

Verantwortlich macht er dafür nicht zuletzt den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Die Äußerungen des stellvertretenden Ministerpräsidenten etwa über angebliche massive Nebenwirkungen der Impfungen in seinem Bekanntenkreis seien nicht hilfreich, sagte Ihler; Aiwanger sei „eigentlich in der Staatsregierung nicht mehr tragbar“.

Kollege Dr. Florian Bonke, Allgemeinarzt mit Corona-Schwerpunktpraxis im Inntal, meldet einen deutlich sinkenden Anteil an Erstimpfungen. Er äußert sich ähnlich wie Ihler. Aiwangers Äußerungen seien „überhaupt nicht hilfreich“ und auch nicht verantwortungsvoll.

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Der stellvertretende bayerische Ministerpräsident Hubert Aiwanger steht seit Wochen in der Kritik wegen seiner Haltung zur Corona-Impfung. Erstens ist er ungeimpft. Viele seiner Kollegen in der Staatsregierung erwarten von ihm in der Frage eigentlich eine Vorbildfunktion. Zweitens irritiert Aiwanger immer wieder mit seinen Aussagen zur Corona-Impfung.

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Das bringt ihm auch die Kritik von Ärzten aus der Region ein. „Von einem Regierungsmitglied erwarte ich eigentlich, dass er sich an wissenschaftlichen Fakten orientiert und nicht an Erzählungen aus seinem Freundes- oder Bekanntenkreis“, sagt Bonke.

Schwere Komplikationen der absolute Ausnahmefall

Auch Dr. Josef Stein schüttelt ob der Panik-Meldungen den Kopf. „Ich hab sicher tausend Impfungen gegeben“, sagt der Rosenheimer Mediziner. „Da waren vielleicht fünf Menschen dabei, die danach für ein, zwei Tage krankgeschrieben waren.“ Nicht einer aber habe im Krankenhaus stationär behandelt werden müssen.

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Wie die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen zu beurteilen sei, darüber kann Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des staatlichen Gesundheitsamts Rosenheim, etwas sagen.

Seine Behörde übermittelt die von Ärzten gemeldeten Verdachtsfälle von Impfkomplikationen an das Paul-Ehrlich-Institut in Langen (Hessen). Auf den ersten Blick können Hierls Zahlen Unwohlsein verursachen: Zwölf mögliche Fälle von Komplikationen seit dem 27. Dezember 2020 listet das Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Rosenheim auf.

Von diesen möglichen Komplikationen seien sieben schwer verlaufen, fünf mit vielleicht tödlichem Ausgang. Hierl betont jedoch, dass es sich um Verdachtsfälle handle. Bei rund 306 000 Erst- und Zweitimpfungen durch Impfzentrum und Ärzteschaft in Stadt und Landkreis stellten die Komplikationen „nur einen Bruchteil“ der Impfungen dar.

Noch dazu sei der Zusammenhang längst nicht immer als kausal anzusehen, die Menschen hätten also wohlgemerkt nach der Impfung Probleme bekommen, sagt Hierl, nicht unbedingt wegen der Impfung.

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So hätten Ärzte drei Todesfälle von hochbetagten Personen gemeldet, bei denen schwere chronische Grunderkrankungen vorlagen. In einem weiteren Todesfall konnten die Mediziner auf dem Wege einer Obduktion die Impfung als Ursache ausschließen. Aus ärztlicher Sicht sehe er in zwei schweren Fällen, darunter ein Todesfall (wir berichteten), einen „wahrscheinlichen Zusammenhang mit der Impfung mit dem Astra-Zeneca-Impfstoff“, berichtet Hierl den OVB-Heimatzeitungen.

Gewisse Merkmale passten zur Sicherheitsbewertung der Europäischen Arzneimittel-Agentur und des Paul-Ehrlich Instituts sowie der „Rote-Hand-Briefen“ des Arzneimittelunternehmens. Die vier unwahrscheinlichen, beziehungsweise ausgeschlossenen Todesfälle waren mit Biontech in Verbindung gebracht worden.

Impfzelt auf Loretowiese wird nach dem Sommer abgebaut

Das Paul-Ehrlich-Institut, das mit Risiko-Einschätzungen von Arzneimitteln über die Sicherheit der Patienten wacht, sieht ebenfalls die Möglichkeit von Komplikation – aber eben in einem sehr geringem Maße: „Die Melderate für schwerwiegende Reaktionen, die zum Beispiel eine Krankenhauseinweisung erfordern, zu einem bleibenden Schaden führen können und zu denen auch Todesfälle gehören, liegt für alle Impfungen zusammen bei 1 auf 10.000 Impfdosen.“ Das PEI zieht Fazit: Ein gravierendes Problem in Zusammenhang mit einer Impfung ist damit „ein seltenes Ereignis“.

Während die Impfbereitschaft weiter abnimmt, denkt man in Stadt und Landkreis offenbar über die Zukunft des Impfzentrums nach. Über die Einrichtung in der Inntalhalle laufen Gespräche zwischen Stadt und Auer Bräu, zu denen er noch nichts sagen könne, antwortete Sprecher Christian Schwalm auf Anfragen der OVB-Heimatzeitungen. Anders äußert er sich zum Impfzelt: „Das ist nicht winterfest und wird Ende September abgebaut.“

Bonke spricht sich für Beibehaltung des Impfzentrums bis Herbst aus

Auf die Möglichkeit eines Starkbierfestes im März nächsten Jahres angesprochen, sagt Schwalm: „Grundlage für einen möglichen Starkbieranstich und für alle großen Festlichkeiten ist nicht zuletzt der Impffortschritt.“

Allgemeinmediziner Florian Bonke plädiert für die Beibehaltung des Impfzentrums zumindest bis weit in den Herbst hinein. Schon jetzt, da die Ständige Impfkommission (Stiko) noch keine Empfehlung ausgesprochen habe, sprechen ihn betagtere Patienten auf eine Auffrisch-Impfung, an. Bonke: „Das wird noch einen ziemlichen Run geben, da wird man froh um das Zentrum sein.“

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