Coronavirus: Behörden gewappnet

Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Gesundheitsamtes.

Das Coronavirus ist in der Region Rosenheim angekommen – ein55-jähriger Mann aus dem Landkreis hat sich infiziert. Im Skiurlaub in Südtirol. Die Behörden sind alarmiert – und auf mögliche weitere Fälle vorbereitet. Eine extra Koordinierungsgruppe ist eingerichtet.

Rosenheim – Die Telefone stehen seit Tagen nicht mehr still im Staatlichen Gesundheitsamt Rosenheim, zuständig für Stadt und Landkreis. Fragen über Fragen, von besorgten Bürgern, aber auch von vielen Ärzten. Und alle haben nur ein Thema: das Coronavirus.

„Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist groß“, betont Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Gesundheitsamtes, in einer eigens angesetzten Pressekonferenz im Landratsamt Rosenheim. Der Anlass: der erste Coronavirus-Fall im Landkreis, der sich am Wochenende bestätigt hatte.

Die guten Nachrichten: dem Mann, ein 55-Jähriger aus dem Landkreis, geht es offenbar gut. „Er zeigt keine Symptome“, erklärt Hierl.

Angesteckt hatte sich der 55-Jährige im Skiurlaub in Südtirol, offensichtlich bei einem Freund aus Baden-Württemberg. Nach seiner Rückkehr hatte er von der Infektion seines Bekannten erfahren – und am Donnerstag umgehend das Gesundheitsamt informiert. „Er hat sich auch sofort von weiteren Familienmitgliedern ferngehalten“, führt Hierl aus.

In Schutzausrüstung Probe genommen

Wie ging es weiter? Eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes fuhr vor, nahm in Schutzausrüstung den für die Beprobung notwendigen Rachenabstrich vor. Dann das bange Warten – und Samstag schließlich das Ergebnis aus dem Landesamt für Gesundheit, das die Laboruntersuchungen in Oberschleißheim vornimmt: positiv. Von nun an heißt es: strenge Quarantäne für den 55-Jährigen, kein Kontakt zur Außenwelt und auch nicht zu seinen Angehörigen. Und dennoch hat er Glück im Unglück: Da symptomfrei und in einem Einfamilienhaus mitsamt Einliegerwohnung lebend, in die er sich zurückziehen kann, zeigte sich das Gesundheitsamt mit einer „häuslichen Quarantäne“ einverstanden – „ein Novum, aber nur aufgrund der guten Voraussetzungen“, erklärt Hierl. Dort muss der 55-Jährige nun 14 Tage ausharren – so lange ist das Virus nach Angaben der Experten ansteckend.

Laut Experten mit der beste Schutz, sich nicht mit dem Coronavirus anzustecken: regelmäßiges Händewaschen.

Hinzu kommt: regelmäßig die Körpertemperatur messen, auf Symptome achten – und der enge Draht zum Gesundheitsamt. „Sollten Symp tome auftreten, ist vorgesehen, dass der Patient umgehend ins Klinikum Rosenheim kommt“, betont Hierl. Dort ist man für den Fall der Fälle gerüstet: Zwei Zimmer sind laufend für Corona-Notfälle reserviert, die dann in Quarantänezonen verwandelt werden können.

Großes Lob zollt der Leiter des Gesundheitsamtes dem 55-jährigen Infizierten: für sein verantwortungsbewusstes Handeln. „Dadurch und durch das schnelle und stringente Vorgehen hoffen wir, dass keine Folgefälle daraus resultieren.“

Dennoch rechnet der Behördenleiter durchaus damit, dass auch in der Region weitere Fälle auftreten werden. „Die Situation entwickelt sich sehr dynamisch“, erklärt Hierl. Derzeit setze man auf die Eindämmungsstrategie, mit guten Erfolgen. Bei steigenden Fallzahlen könnte indes ein Strategiewechsel erforderlich werden, zu prüfen von den Experten des Robert-Koch-Instituts.

Stufen-Plan fürden Notfall steht

Für alle Eventualitäten gerüstet fühlt sich der Landkreis – zum einen durch gebriefte Arztpraxen, das Romed-Klinikum mit Notfallplänen und das Gesundheitsamt. Hinzu kommt ganz aktuell eine frisch ins Leben gerufene Koordinierungsgruppe aus Rettungsdiensten, Hilfsorganisationen, Feuerwehren, der Bundespolizei und dem Polizeipräsidium Oberbayern sowie Vertretern des Romed-Klinikums, die einen Drei-Stufen-Plan erarbeitet hat.

Stufe 1: die optimale Vorgehensweise bei Einzelfällen. Stufe 2: bei Verdachtsmomenten von Personengruppen, ähnlich der Reisegruppe von vergangener Woche am Chiemsee, was sich allerdings als blinder Alarm herausgestellt hatte. Und Stufe 3: eine flächendeckende Infektion – „was wir hoffentlich nicht so schnell erreichen werden und wovon wir derzeit noch weit entfernt sind“, beschwichtigt Hierl, unterstützt von Bettina Bauer von der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landratsamt Rosenheim.

Doch worauf ist nun zu achten? Reiserückkehrer aus Risikogebieten, unter anderem die Lombardei oder Emilia-Romagna in Italien, sollten sich bei Symptomen (Atemwegserkrankungen) ans Gesundheitsamt Rosenheim (Telefon 0 80 31/392-60 02) wenden – und unter keinen Umständen unangekündigt eine Arztpraxis oder die Notaufnahme des Krankenhauses aufsuchen, warnt Hierl. Ansonsten: zwei Meter Abstand halten zu Erkrankten, sich nicht anhusten oder anniesen lassen – und mehrmals täglich Hände waschen. „Denn die Hände sind das Übertragungsvehikel Nummer eins.“

Insgesamt warnt der Behördenleiter aber davor, in Panik zu verfallen. „Im Moment ist die Lage noch sehr unübersichtlich.“ Weder müssten nach aktuellem Stand in der Region Schulen geschlossen noch große Veranstaltungen wie zum Beispiel Starkbierfeste abgesagt werden. „Wir behalten die Lage im Blick, momentan halten wir das aber für nicht erforderlich“, beschwichtigt Hierl.

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