Erfolg für Staatsanwaltschaft Traunstein: Betrug mit Gesichtsmasken – Täter geschnappt

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Einem groß angelegten Betrug mit Atemschutzmasken ist die Staatsanwaltschaft Traunstein auf die Spur gekommen.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Einen groß angelegten Betrug mit nicht existenten Atemschutzmasken haben Staatsanwaltschaft und Kripo Traunstein aufgedeckt. Wie die OVB-Heimatzeitungen exklusiv erfahren hatten, ging es um mehrere Millionen Euro. Nun wurden die Täter dingfest gemacht.

Update 24. September:

Schlag gegen international angelegten Masken-Betrug

Der Leitende Oberstaatsanwalt in Traunstein

Mitte März 2020, als in verschiedenen Ländern wegen des Coronavirus ein sogenannter Lockdown in Kraft trat, beauftragten deutsche Gesundheitsbehörden einen deutschen Geschäftsmann mit der Besorgung von Mundnasemasken im Wert von 15 Millionen Euro. Da die üblichen Hersteller solcher Produkte Lieferschwierigkeiten hatten, versuchte der Geschäftsmann neue Kontakte zu knüpfen, um die Masken besorgen zu können.

Trotz Millionensumme keine Lieferung

Der Geschäftsmann wurde daher von seinen neuen Geschäftspartnern aufgefordert, einen Vorschuss von 1,5 Millionen Euro auf ein irisches Konto zu bezahlen. Nachdem er das getan hatte, begab er sich mit 52 Lkws in die Niederlande, um die Masken abzuholen. Bei Ankunft wurde ihm mitgeteilt, dass das Geld in Irland angeblich nicht angekommen wäre und dass er weitere 880.000 Euro auf ein niederländisches Konto zahlen müsste. Obwohl er auch das tat, wurden die Masken nicht geliefert. Als er versuchte, den angeblichen Verkäufer der Masken zu kontaktieren, musste er feststellen, betrogen worden zu sein.

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Die Spezialabteilung gegen transnationale Kriminalität der Staatsanwaltschaft Traunstein (Traunsteiner Modell) wurde informiert und übernahm die Ermittlungen in Deutschland. Mit der Hilfe von Eurojust (die Behörde für die Zusammenarbeit von Staatsanwaltschaften der EU), Interpol und der bayerischen, niederländischen und irischen Polizei konnten mehr als 2,1 Millionen Euro der Beute gesichert werden. Staatsanwälte in Nigeria und den Niederlanden begannen eigene Ermittlungen und eine bestmögliche Kooperation der beteiligten Stellen begann.

Täter nach Monaten geschnappt

Nach monatelangen Ermittlungen konnten die Behörden des Generalstaatsanwalts des Bundes (Nigeria), die nationale Staatsanwaltschaft für schweren Betrug (Niederlande) und die Staatsanwaltschaft Traunstein die Täter des Betrugs identifizieren. Zwei männliche Verdächtige niederländischer Staatsangehörigkeit wurden in den Niederlanden im April 2020 festgenommen und im Juli 2020 durch das Gericht Zwolle zu 24 Monaten Freiheitsstrafe wegen Geldwäsche verurteilt.

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In Nigeria konnte das National Crime Bureau im August 2020 die zwei mutmaßlichen Hinterleute und Organisatoren festnehmen. Die Ermittlungen zeigen, dass auch in einer modernen Welt, in der Kriminelle durch die Globalisierung in der Lage sind, ihre Taten in anderen Ländern zu begehen, eine gute, auf gegenseitigen Respekt und Vertrauen basierende Zusammenarbeit die Strafverfolgungsbehörden in den betroffenen Ländern befähigt, Straftätern effektiv zu begegnen.

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Meldung 7. April 2020:

Traunstein – "Von der geschädigten Firma überwiesene Gelder konnten zu einem großen Teil im Ausland gesichert werden", teilt die Staatsanwaltschaft Traunstein auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen mit.

Die Staatsanwaltschaft stellt den ermittelten Hergang der Tat wie folgt dar: Der Geschäftsführer von zwei Vertriebsfirmen mit Geschäftssitzen in Zürich und Hamburg hatte Mitte März von vermeintlichen Anbietern aus dem asiatischen Raum Angebote zur Lieferung von Atemschutzmasken erhalten und suchte hierfür Abnehmer in Deutschland. Das Land Nordrhein-Westfalen zeigte Interesse und wollte 10 Millionen Masken für knapp 15 Millionen Euro abnehmen. Die Übergabe der Masken sollte über mehrere im europäischen Ausland befindliche Zwischenhändler in den Niederlanden erfolgen.

Nordrhein-Westfalen hatte schon 14,7 Millionen Euro überwiesen

Die Täter brachten die geschädigte Firma durch geschickte Täuschungsmanöver dazu, schon vor der Auslieferung rund 2,4 Millionen Euro als Anzahlung zu überweisen. Für die Abholung und Auslieferung der Masken nach Nordrhein-Westfalen standen in den Niederlanden bereits 52 Lieferfahrzeuge bereit, die ab der deutschen Grenze von der Polizei begleitet werden sollten. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte schon 14,7 Millionen Euro an die Schweizer Gesellschaft überwiesen. Eine Lieferung der Masken erfolgte nicht.

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Den weiteren Verlauf der mutmaßlichen Betrugsmasche schildert die Staatsanwaltschaft Traunstein so: Der deutsche Geschäftsführer der genannten Unternehmen befand sich Ende März nach einem Urlaub in Österreich in häuslicher Quarantäne im Landkreis Traunstein und hatte von dort die Anzahlungen an die angeblichen Lieferfirmen im Ausland veranlasst. Nachdem er erkannt hatte, dass er Betrügern aufgesessen war, erstattete er am 30. März Strafanzeige.

Staatsanwaltschaft Traunstein lässt Gelder im Ausland einfrieren

Eine Spezialabteilung der Staatsanwaltschaft Traunstein habe daraufhin gemeinsam mit mehreren weiteren Ermittlungseinheiten die Arbeit aufgenommen. Gemeinsam mit Behörden mehrerer europäischer Länder sei es bislang gelungen, über 2 Millionen Euro im Ausland bei verschiedenen Banken einzufrieren und dem Zugriff der Täter zu entziehen. Das Land Nordrhein-Westfalen habe zudem von der Schweizer Firma bereits rund 12,3 Millionen Euro zurückbekommen. Die Agentur für die europäische Zusammenarbeit der Justizbehörden Eurojust und Interpol unterstützten nach Angaben der Staatsanwaltschaft Traunstein die nationalen Behörden bei der Koordination der Ermittlungen.

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Zum noch fehlenden Restbetrag und zu den mutmaßlichen Tätern, die nach Angaben der Ermittler die Identität einer Firma im europäischen Ausland gekapert hatten, laufen nach Behördenangaben umfangreiche Ermittlungen. Aus taktischen Gründen wolle man zu den mutmaßlichen Betrügern vorerst keine Angaben machen.

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