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Corona-Lage in der Region Rosenheim

Corona-Zahlen in der Stadt Rosenheim explodieren – Experte Hierl: „Eine Katastrophe mit Ansage“

Die Corona-Entwicklung in Stadt und Landkreis Rosenheim binnen einer Woche (Stand 20. August 2021).
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Die Corona-Entwicklung in Stadt und Landkreis Rosenheim binnen einer Woche (Stand 20. August 2021).
  • Rosi Gantner
    VonRosi Gantner
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Die Corona-Zahlen in der Stadt Rosenheim sind explodiert, liegen mit 116 den dritten Tag über 100. „Es ist eine Katastrophe mit Ansage“, sagt der Chef des Gesundheitsamtes Rosenheim. Er befürchtet Schlimmes und sieht die Region bereits mitten in der vierten Welle.

Rosenheim – Die Corona-Fallzahlen sind im Wochenverlauf geradezu explodiert – insbesondere in der Stadt Rosenheim. Dort ist die Inzidenz, insbesondere aufgrund von Reiserückkehrern aus Südosteuropa, auf zuletzt 116,4 angestiegen (21. August). Rosenheim liegt damit bayernweit an der Spitze und rangiert deutschlandweit auf Rang vier. Der Landkreis Rosenheim pendelt sich im Bereich der Marke 50 ein, aktuell bei 52,8 (Stand 21. August, 0 Uhr).

Hierl: „Dramatische Veränderung“

Das Staatliche Gesundheitsamt Rosenheim bewertet den „explosionsartigen Anstieg“ vor allem in der Stadt Rosenheim als „dramatische“ Veränderung des Infektionsgeschehens gegenüber der Vorwoche. Der Behörde wurden täglich zwischen 15 und 42 neue Fälle (insgesamt 215 Neumeldungen, Vorwoche: 95) gemeldet.

Trendwende hatte sich angekündigt

Sehr deutlich wird der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Wolfgang Hierl: „Es ist eine Katastrophe mit Ansage.“ Bereits seit Anfang August habe sich die Trendwende angekündigt und man habe vor allzu großer Sorglosigkeit gewarnt. Nunmehr seien die Infektionszahlen – vor allem in der Stadt Rosenheim – explosionsartig angestiegen und die 7-Tage-Inzidenz liege den zweiten Tag über 100. „Ich darf daran erinnern: Im letzten Jahr wurde diese Marke in der Stadt erst am 22. Oktober gerissen. Der Sommer ist, was das Infektionsgeschehen anbelangt, definitiv vorbei, wir befinden uns mitten in der vierten Welle.“

Die Reiserückkehrer aus Stadt und Landkreis Rosenheim, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden (Stand 19. August).

Festivals und Reiserückkehrer

Grund für den rasanten Anstieg des Infektionsgeschehens sind laut der Behörde neben einigen Ansteckungen auf zwei Festivals – das Opern-Festival Immling mit aktuell insgesamt 23 Positiv-Fällen und das Zrce-Festival in Kroatien mit zwölf Infizierten – vor allem zahlreiche Reiserückkehrer (seit 1. August 100 Fälle), die sich im Ausland angesteckt haben. Auffällig ist Hierl zufolge, dass es sich – vor allem in der Stadt – bei den Reisezielen um Länder Südosteuropas, darunter Kroatien, Kosovo, Albanien, Slowenien und Nordmazedonien, handelt. „Hier fanden zum Teil Familienbesuche statt.“ Aber auch in anderen Reiseländern, wie der Türkei, Italien und Österreich sei es zu Ansteckungen gekommen. Auffallend sei zudem, dass aufgrund der hohen Übertragbarkeit der Delta-Variante ein Indexfall in der Regel viele weitere Familienmitglieder anstecke.

Lesen Sie auch: Bringt die 3-G-Regel den Impfzwang? Mühldorfs Landrat Heimerl beantwortet Coronafragen

Unachtsamkeit und Leichtsinn

Hierl zürnt: „Unachtsamkeit, Leichtsinn und das bewusste Ignorieren der Hygiene- und Abstandsregeln sind zusammen mit der hohen Übertragbarkeit der Delta-Variante und einer zu geringen Impfquote in unserer Region die Zutaten für die Suppe, die wir nun gemeinsam auslöffeln müssen. Die Zeit, dass wir durch eine Steigerung des Impffortschritts breiter Bevölkerungsmassen und die Schaffung einer Herdenimmunität einen exponentiellen Anstieg der Infektionszahlen mit einer vierten Welle verhindern können, ist verpasst.“

Die Lage in den Kliniken

Auch wenn derzeit die Zahlen stationärer Behandlungen noch erfreulicherweise moderat seien, so sei mit steigenden Erkrankungszahlen auch der Anteil schwerer Verlaufsformen mit Intensiv- und Beatmungspflichtigkeit zu erwarten, ist Hierl überzeugt. Die Bettenbelegung in den Kliniken in Stadt und Landkreis lag in den vergangenen Tagen täglich zwischen 21 bis 30 Patienten auf Normalstation und sieben bis neun auf Intensivstationen.

Gefahr von Long-Covid droht

Hierl weiter: „Egal ob die Patienten einen schweren oder leichten Krankheitsverlauf durchlaufen haben: An Covid-19 Erkrankte können auch noch lange Zeit nach ihrer Akutbehandlung an körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen leiden.“ Betroffen seien dabei Menschen aller Altersgruppen – Kinder und Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen. Das Bayerische Gesundheitsministerium berichte über aktuelle Studien, die schätzen, dass circa zehn Prozent der Corona-Patienten vom Long-Covid-Syndrom betroffen sind.

Das waren die Infektionsherde

Soweit Infektionsursachen ermittelt werden konnten, ereigneten sich die Infektionsübertragungen laut dem Gesundheitsamt überwiegend bei Reiserückkehrern (38 Prozent) und im privaten Umfeld, das 30 Prozent ausmachte. Weitere Infektionsquellen waren Freizeitbetätigungen (neun Prozent), Arbeitsplatz (sechs Prozent) und medizinische Einrichtungen/Heime mit drei Prozent. Diese Woche war unter anderem eine Rosenheimer Firma von einem Corona-Ausbruch betroffen mit sechs Positiv-Fällen. Die betroffenen Mitarbeiter waren laut der Behörde in einer Halle beschäftigt und hatten näheren Kontakt. Eine Reihentestung in dem Unternehmen wurde angeordnet. Bis Freitag seien allerdings keine neuen Fälle hinzugekommen, erklärte die Behörde auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Die Impfquote in der Region Rosenheim im bayern- und deutschlandweiten Vergleich (Stand 19. August).

Impfquote in der Region Rosenheim

Weiter im Hintertreffen ist die Region Rosenheim, was die Impfquote anbelangt: Sie liegt mit 53,13 Prozent bei der Erstimpfung und 50,22 Prozent bei der Zweitimpfung weiter hinter dem bayernweiten (61,2/ 57,1 Prozent) und bundesweiten Schnitt (63,8/58,5 Prozent) zurück.

Die Regeln „50+“ für Stadt und Landkreis Rosenheim

  • Für Stadt und Landkreis Rosenheim gilt nun aufgrund der allgemein steigenden Corona-Fallzahlen gleichermaßen die Regelung „Inzidenz über 50“, angelehnt an die 13. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung.
  • Das bedeutet: Der gemeinsame Aufenthalt im privaten oder öffentlichen Raum ist nur noch Angehörigen des eigenen Hausstandes sowie Angehörigen zweier weiterer Hausstände erlaubt (maximal zehn Personen).
  • In der Gastronomie muss eine Dokumentation zur Kontaktnachverfolgung erfolgen. Wenn an einem Tisch Personen aus verschiedenen Hausständen sitzen, ist ein maximal 24 Stunden altes, negatives Testergebnis erforderlich oder ein Nachweis, dass die Person geimpft/genesen ist („3G“).
  • Für Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbäder, Freizeitparks etc. muss ein Testnachweis oder geimpft/genesen (3G) erfolgen.
  • Private Veranstaltungen aus besonderem Anlass und mit einem von Anfang an begrenzten und geladenen Personenkreis wie Geburtstags-, Hochzeits- oder Tauffeiern und Vereinssitzungen sind mit bis zu 25 Personen in geschlossenen Räumen und bis zu 50 Personen unter freiem Himmel zuzüglich geimpfter oder genesener Personen zulässig. Des Weiteren müssen die Teilnehmer über einen Testnachweis verfügen.
  • Sport ist mit 3G-Nachweis zulässig. Das betrifft auch den Betrieb und die Nutzung von Sportplätzen, Tanzschulen, Fitnessstudios und anderer Sportstätten. Ansonsten ist ohne Testnachweis unter freiem Himmel kontaktfreier Sport in Gruppen von bis zu 10 Personen oder in Gruppen von bis zu 20 Kindern unter 14 Jahren erlaubt. Bei Sportveranstaltungen müssen die Besucher einen Testnachweis vorlegen. 
  • Öffentliche Veranstaltungen aus besonderem Anlass und mit einem von Anfang an klar begrenzten und geladenen Personenkreis sind mit bis zu 25 Personen in geschlossenen Räumen und bis zu 50 Personen unter freiem Himmel einschließlich geimpfter oder genesener Personen zulässig. Des Weiteren müssen die Teilnehmer über einen Testnachweis verfügen. 
  • Beherbergung: Gäste müssen bei Ankunft sowie alle weiteren 48 Stunden einen Testnachweis vorlegen. 
  • Schulen: Ab einer Inzidenz von 50 grundsätzlich Maskenpflicht am Sitz- oder Arbeitsplatz für Schüler und Lehrkräfte an allen Schulen und in allen Jahrgangsstufen.  
  • Bei kulturellen Veranstaltungen in Theatern, Opern, Konzerthäusern, Bühnen, Kinos und sonst dafür geeigneten Örtlichkeiten müssen die Besucher einen Testnachweis vorlegen.

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