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Angespannte Lage in Romed-Klinikum

Corona-Werte gehen durch die Decke: Rosenheim Hotspot Nr. 1 in Deutschland

Alpine Kurven: Die zackige Gipfelkette spiegelt die Infektionskurve in Rosenheim. Die flachen Hügel dagegen sprechen für Bayern. Grafik Klinger
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Alpine Kurven: Die zackige Gipfelkette spiegelt die Infektionskurve in Rosenheim. Die flachen Hügel dagegen sprechen für Bayern.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Die nächsten zwei Wochen könnten darüber entscheiden, wie Rosenheim durch den Herbst kommt: Aktuell (Montag, 13. September) liegt die Stadt an der Spitze der Corona-Hotspots in Deutschland. Und obwohl sich Inzidenzzahlen mit Verzögerung bemerkbar machen, ist die Lage am Klinikum bereits angespannt.

Rosenheim – Der Inzidenzwert in Rosenheim geht durch die Decke: Mit einem Wert von 246,9 verzeichnet die kreisfreie Stadt den höchsten Wert in ganz Deutschland. Im Landkreis Rosenheim lag der Wert gestern bei 170 und belegte damit Platz 10 der am stärksten betroffenen Kommunen, zwei Plätze hinter dem Landkreis Traunstein (195,5).

Corona-Stand in Bayern: Es zählt die Klinik-Ampel

Die hohe Inzidenzzahl hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Corona-Regelungen – noch nicht. Der Freistaat hat bekanntlich den Corona-Kompass neu ausgerichtet, nicht mehr die Inzidenzzahl, sondern die Auslastung der Kliniken ist wichtigstes Kriterium. Nach dieser „Klinik-Ampel“, die allerdings bayernweit berechnet wird, dürfte man die Lage in der Region Rosenheim zumindest als besorgniserregend bezeichnen.

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29 Patienten mit Covid-19 wurden am Montag (13. September) im Romed-Verbund behandelt, davon elf auf der Intensivstation. Dazu kamen zehn Verdachtsfälle, davon ein Patient auf der Intensivstation. Die Belegung der Intensivstationen mit Covid-Patienten führe bereits zur Einschränkung für die Aufnahme von internistischen wie auch operativen Intensivpatienten, berichtete Dr. Birgitt Mergen, Krankenhaushygienikerin bei Romed. „Das bedingt, dass im Vorfeld seitens der Romed-Mediziner geklärt wird, ob ein Patient nach einer Operation auf der Intensivstation betreut werden muss.“

Corona-Hotspot Rosenheim: Das Virus als Urlaubssouvenir

Hauptantreiber für das Infektionsgeschehens dürften nach wie vor Reiserückkehrer sein. Vor allem die Länder des Balkan spielen dabei eine prominente Rolle. Der Leiter des Rosenheimer Gesundheitsamtes, Dr. Wolfgang Hierl, hatte daher nicht nur den Menschen, die aus einem Hochrisiko-Gebiet einreisen, dringend einen nochmaligen Test nach der Einreise empfohlen.

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Stadt und Landkreis hatten Tausende von Briefen abgeschickt, um die Urlaubsrückkehrer dafür zu sensibilisieren, wie es seitens des Landratsamtes heißt. Wie erfolgreich die Aktion war, darüber lässt sich mangels Fakten nicht einmal streiten. „Leider liegen uns keine Informationen oder verwertbare Zahlen vor, ob und wie viele Reiserückkehrer mit ausländischen Wurzeln sich fünf bis sieben Tage nach ihrer Rückkehr ein weiteres Mal auf das Corona-Virus haben testen lassen“, heißt es aus dem Landratsamt.

Rosenheimer Experten: Delta-Variante dominiert uneingeschränkt

Die Dynamik der vierten Welle beruht aber nicht nur auf den vielen Reisen der Feriensaison, sondern auch auf den besonderen Eigenschaften des Delta-Typus – er gilt als extrem ansteckend.

Unter den 558 neu gemeldeten Ansteckungen der vergangenen Woche befanden sich nach Auskunft des Gesundheitsamtes lediglich 20 Fälle dieser D-Variante, die zuerst aus Indien gemeldet worden war. Dabei handelt es sich nur um bestätigte Fälle.

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Damit sind die Fälle gemeint, die über die aufwendige und teure Methode der Sequenzierung eindeutig als Delta-Variante erkannt wurden. Tatsächlich hat Delta alle anderen Varianten weitgehend verdrängt. „Von 140 positiven Proben der vergangenen Woche waren 139 Delta“, sagt Dr. Thomas Schulzki vom Medizinischen Labor Rosenheim nach den PCR-Tests. Auch im Romed-Klinikum herrscht Delta – aktuell seien alle Patienten mit dieser Variante infiziert, sagt Birgitt Mergen.

Diskussion über Impfwilligkeit von Heim-Mitarbeitern

In der vergangenen Woche hatte das Seniorenheim Elisabeth in Rosenheim für Aufsehen gesorgt. Acht Mitarbeiter und zwölf Bewohner hatten sich in der Einrichtung des Katholischen Jugendsozialwerks München angesteckt. In insgesamt fünf Senioreneinrichtungen waren Infektionen festgestellt worden, immerhin sind keine neuen Fälle dazugekommen. Im Altenheim Elisabeth sind nach Auskunft des Landratsamtes aktuell 13 Bewohner erkrankt, fünf von ihnen werden im Krankenhaus behandelt.

Andauern dürfte die Diskussion über die Impfwilligkeit, denn von acht infizierten Mitarbeitern im Altenheim Elisabeth waren sieben ungeimpft. Erst seit vergangener Woche dürfen Arbeitgeber in Gesundheitsberufen den Impfstatus ihrer Mitarbeiter abfragen, die meisten Einrichtungen haben ihre Erhebungen noch nicht abgeschlossen. Vielerorts ist abzusehen, dass nicht einmal die Hälfte aller Mitarbeiter geimpft ist. „Absolut erschreckend“ findet dies Anita Read vom Katharinenheim Endorf e.V., in dessen Haus St. Anna kürzlich ein Bewohner und zwei Mitarbeiter positiv getestet wurden.

Schulen: Quarantäne wohl nur noch für Banknachbarn

Klarheit herrscht pünktlich zum ersten Schultag, was Quarantäne am Corona-Hotspot Rosenheim betrifft. Wird in ein Schüler positiv getestet, müssen nicht mehr alle Klassenkameraden in Qurantäne, sondern nur die mit besonders engem Kontakt. Künftig werde in der Regel nur der Sitznachbar, der im Unterricht keine Maske getragen hat, als enge Kontaktperson eingestuft, sagt Wolfgang Hierl.

Derweil setzt Hans Meyrl. Leiter des Impfzentrums, auf eine hohe Impfbereitschaft von Kindern und Jugendlichen und Freiwilligkeit. Impfteams sollen vorerst nicht eingesetzt werden – an den Schulen könne „ein gewisser Druck auf die Schüler“ nicht ausgeschlossen werden. Auch Belohnungen, etwa Kino-Freikarten, wie in anderen Kommunen soll es nicht geben. „Auf Lockmittel wurde bisher verzichtet“, sagt Meyrl.

Entscheidung am 1. Oktober

Das Gesundheitsministerium des Freistaats hat währenddessen bekräftigt, dass die 7-Tage-Infektionsinzidenz aufgrund der 14. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung als das bisher dominierende Kriterium in der Pandemiebekämpfung abgelöst bleibt. „Mit der Verordnung sind auch alle bislang inzidenzabhängigen Regelungen entfallen“, heißt es aus dem Ministerium. „Lediglich für die Anwendung von 3G (ab Inzidenz 35 als Startpunkt) bleibt die 7-Tage-Infektionsinzidenz relevant.“ Die Verordnung, die eine Krankenhaus-Ampel mit Grenzzahlen von neu zugelassenen Patienten auf der Normal- oder gar Intensivstation vorsieht, gilt demnach bis einschließlich 1. Oktober. Danach soll es auch Clubs und Diskotheken möglich sein, wieder zu öffnen.

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