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Telefongespräch mitgefilmt

Corona-Video bringt mächtig Ärger - Romed-Klinikum Rosenheim schaltet Anwalt ein

Den Anruf im Romed-Klinikum filmte Paul Werfinger mit. Er konnte auf Youtube verfolgt werden.
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Den Anruf im Romed-Klinikum filmte Paul Werfinger mit. Er konnte auf Youtube verfolgt werden.

Im Romed-Klinikum Rosenheim ist man fassungslos: Seit Tagen kursiert ein Video in den sozialen Netzwerken und Messengerdiensten, in dem ein Arzt regelrecht vorgeführt wird. Die offensichtliche Intention des Anrufers: herauszukehren, dass im Klinikum die Zahl der Corona-Toten manipuliert wird.

Rosenheim – Der Anrufer, der sich offenbar im Romed-Klinikum zu einem Stationsarzt hatte durchstellen lassen, zweifelt in dem Video die Diagnose Covid-19 auf dem Totenschein einer Verstorbenen an. Und er scheut nicht davor zurück, den Arzt am anderen Ende der Leitung aufs Glatteis zu führen. Das Video geht inzwischen viral, der Beifall, zumeist aus einschlägigen Kreisen, ist groß – doch den Anrufer wird bald nicht nur Fanpost ereilen: Das Romed-Klinikum will sich nun juristisch zur Wehr setzen, wie gegenüber den OVB-Heimatzeitungen bestätigt wurde. Eine Unterlassungserklärung wird vorbereitet.

Strafrechtliche Konsequenzen?

Romed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram setzt sogar noch eins drauf: „Das Romed-Klinikum behält sich vor, die unberechtigte Aufzeichnung und Veröffentlichung des Telefongesprächs strafrechtlich würdigen zu lassen.“ Der Klinik-Chef weiter: „Der Anrufer in dem Youtube-Video hat gegen die Rechte des Arztes und des Klinikums verstoßen, um einer offensichtlich politisch motivierten Aussage, nämlich der Leugnung der Corona-Pandemie, Nahrung zu geben.“

Telefongespräch mitgefilmt

Was war passiert? Vergangene Woche hatte sich ein Anrufer im Romed-Klinikum Rosenheim als Angehöriger einer verstorbenen Patientin ausgegeben und gegenüber einem Arzt die Todesursache Covid-19 angezweifelt. Seine Argumentation, die im Videomitschnitt bis zuletzt im gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus verfolgt werden konnte: Bei der Mutter seiner Lebensgefährtin, mit Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert und schließlich dort verstorben, habe die Klinik trotz zweier negativer Corona-Tests Covid-19 als Todesursache im Totenschein vermerkt. Seine Ansicht: ein Zeichen von Manipulation. Er glaubt, einem gewaltigen Schwindel um die Zahl der Corona-Toten auf der Spur zu sein.

Video über Telegram verbreitet

Die Erklärungen des Arztes in dem Gespräch, dass das CT-Bild der Lunge deutliche Hinweise auf Covid-19 aufgewiesen habe und auch daraus auf die Erkrankung geschlossen werden könne – das ließ der Anrufer nicht gelten. Und es hinderte ihn auch nicht daran, das mitgefilmte Gespräch aufzubereiten und noch am selben Tag als Video über den Messengerdienst Telegram zu verbreiten. Ein klarer Verstoß gegen die Rechte des Arztes und des Klinikums, da es unberechtigt aufgezeichnet und veröffentlicht wurde. So sieht es der Romed-Chef. Und dagegen will sich der Klinikverbund nun zur Wehr setzen.

Münchner Anwaltskanzlei übernimmt

Die Klinikleitung hat den Vorfall inzwischen einer Münchner Anwaltskanzlei übergeben, will eine Unterlassungsverfügung anstreben und hat zudem die Löschung des Videos bei den Social-Media-Kanälen beantragt. Was den Romed-Geschäftsführer besonders ärgert: Neben der unterstellten Manipulation, die das Klinikum als „inhaltlich falsch“ zurückweist, die mitunter große Verunsicherung bei den Klinikmitarbeitern, die nach diesem Vorfall herrscht. „In Corona-Zeiten, wenn keine Besuche möglich sind, sind Telefonate mit Angehörigen enorm wichtig. Wenn jetzt bei jedem Gespräch die Angst mitschwingt, dass möglicherweise mitgefilmt wird, dann ist das natürlich schockierend.“

So geht es mit Angehörigengesprächen weiter

Dennoch will Deerberg-Wittram an den Angehörigengesprächen festhalten: „Auch weiterhin werden die Mitarbeiter von Romed besorgten Angehörigen telefonisch Auskunft erteilen.“ Er setzt dabei auf das Verantwortungsgefühl der Angehörigen, die Auskunft über den Gesundheitszustand von Patienten erhalten wollen. „Der Arzt, der mit dem Anrufer sprach, gab ausdrücklich zu bedenken, wie belastend die tägliche Betreuung der schwer an Covid-19 erkrankten und sterbenden Menschen für das pflegerische und ärztliche Personal ist. An der Schwere der Erkrankung besteht ja kein Zweifel.“

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Das sagen die Ärzte

Der Geschäftsführer fügt hinzu: „Ganz allgemein und jenseits des konkreten Einzelfalls weisen die Ärzte der Romed-Kliniken darauf hin, dass für eine Covid-19 Erkrankung eindeutige klinische und diagnostische Kriterien in der Bildgebung existieren, sodass unabhängig von Laborergebnissen die Diagnose Covid-Erkrankung gestellt werden kann.“

Corona-Demos mitveranstaltet

Der Anrufer, Paul Werfinger (51), aus dem Raum Waldkraiburg (Aschau am Inn), ist in Corona-kritischen Kreisen kein Unbekannter: Er zählt zu den Mitveranstaltern zweier Corona-Demos im April und Mai 2020 in Waldkraiburg – und gibt im Gespräch mit der OVB-Redaktion auch offen zu, mit der amerikanischen Q-Anon-Bewegung zu sympathisieren. Dabei handelt es sich um einen Verschwörungszirkel aus den USA. Sich selbst betrachtet er als „Wahrheitsfinder“ im „Kampf gegen Lügengebilde“.

Der „Herkules von Aschau“

Vor Corona war der „Herkules von Aschau“, wie sich der Bodybuilder in Gewichtsheber-Kreisen feiern lässt, bereits anderweitig aktiv: im Widerstand gegen eine neue Moschee in der Stadt Waldkraiburg – damals als Vertreter des „Bürgerforums Südostbayern, in Gründung“. Diese Mission war allerdings nicht von Erfolg gekrönt. Die Moschee befindet sich zwischenzeitlich in Bau, soll 2021 noch eingeweiht werden.

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