Auswirkungen auf Pendler

Corona-Varianten im Landkreis Rosenheim: Situation anders als im benachbarten Tirol

Kein Garant für Einreise: Auch ein absolvierter Corona-Test soll in Österreich künftig nicht mehr von der Quarantänepflicht befreien.
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Kein Garant für Einreise: Auch ein absolvierter Corona-Test soll in Österreich künftig nicht mehr von der Quarantänepflicht befreien.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Weiterhin nur ein Fall in der Region Rosenheim, Angst vor einem „zweiten Ischgl“ hingegen bei den Nachbarn in Tirol: Angesichts der Ausbreitung der südafrikanischen Virus-Variante hat die Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer laut einem Bericht der Tiroler Tageszeitung die weitgehende Isolation Tirols gefordert.

Update 4. Februar

Rosenheim – In dem österreichischen Bundesland haben die Behörden in Proben mittlerweile 75 Fälle der südafrikanischen und 21 Fälle der britischen Virus-Variante festgestellt. Mit den neuen Einreiseregeln, die ab Mittwoch, 10. Februar, gelten, ist der kleine Grenzverkehr im Inntal deutlich eingeschränkt.

Touristische Fahrten oder Einkaufstouren sollen unterbunden werden, die Österreicher haben verstärkte Kontrollen angekündigt. Pendler dürfen passieren, müssen sich aber registrieren und ein Antigen- oder PCR-Testergebnis mit sich führen, das nicht älter als sieben Tage ist. In Tirol sind offenbar Untervarianten des südafrikanischen Typs aufgetreten. Das zumindest berichtet die Innsbrucker Virologin.

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In Rosenheim war Ende Januar bei einem Reiserückkehrer die südafrikanische Variante des Corona-Virus festgestellt worden. Der Mann war mit negativem Test eingereist, Tage drauf war ein positiver Test genommen worden. Das Gesundheitsamt hatte aufgrund der vorangegangenen Südafrika-Reise eine Probe ans Landesamt für Gesundheit geschickt, das die südafrikanische Variante nachwies.

Eine Weiterverbreitung in der Region habe es durch diesen Fall nicht gegeben, versichert das Rosenheimer Gesundheitsamt. Die Kontakte könnten allgemein zuverlässig nachverfolgt werden. Zu besseren Vernetzung mit Behörden und Medizinern führt das Amt nach Auskunft seines Leiters Dr. Wolfgang Hierl derzeit außerdem das vom Helmholtz-Institut entwickelte Programm Sormas ein, das Akteure der Pandemiebekämpfung und relevante Daten wie Fallzahlen und Symptome vernetzt. 

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Erstmeldung 2. Februar

Rosenheim/Kiefersfelden – Österreich verschärft die Einreiseregeln und schützt mit seinen härteren Vorschriften offenbar weniger die eigenen Bürger als vielmehr die Menschen diesseits des Inns. Denn während in der Region die Fallzahlen sinken, sind sie in Tirol noch immer hoch. Und vor allem: Die Varianten des britischen und südafrikanischen Typs greifen dort um sich. In der Region Rosenheim hingegen sind diese bisher kein großes Thema.

Nur ein Fall ist in Rosenheim dokumentiert

Es bleibt nach Auskunft des Gesundheitsamtes bei dem einen bereits gemeldeten Fall: Wie berichtet, war bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika die rasanter übertragbare südafrikanische Variante des Virus festgestellt worden. „Der Betroffene konnte inzwischen aus der häuslichen Quarantäne entlassen werden“, sagt Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Gesundheitsamts Rosenheim. „Eine Weiterverbreitung der südafrikanischen Variante des Coronavirus in der Region hat es durch diese Infektion nicht gegeben.“

Was Wolfgang Hierl mit umso größerer Sicherheit sagen kann, da das Gesundheitsamt nach seinen Worten Infektionsketten dokumentiert. Die Nachverfolgung sowohl der Indexfälle als auch bei den Kontaktpersonen sei gesichert, „diese Aufgabe ist aufgrund der rückläufigen Fallzahlen besser zu bewerkstelligen“

Corona-Infektionszahlen in Tirol weiter hoch

Die Kollegen auf österreichischer Seite dürften da aktuell stärker gefordert sein. In Tirol lag die Inzidenzzahl bei 117, viel höher als in der Region Rosenheim (Stadt 86,5, Landkreis 72,3). Allein die südafrikanische Variante des Virus wurde in Tirol bis zur vergangenen Woche 18 Mal festgestellt, die Infektionswege waren für die österreichischen Gesundheitsbehörden nicht nachzuverfolgen. Den aktuellen Stand der Ausbreitung von Virus-Varianten meldete das Ministerium auch auf mehrfache Nachfragen nicht.

Angesichts der Lage bei den Nachbarn könnte sich der kleine Grenzverkehr als Infektionstreiber erweisen. Da Österreich ab nächster Woche Schulen, Geschäfte und auch Friseur-Salons die Öffnung wieder erlauben will, dürfte für monatelang unfrisierte Rosenheimer die Versuchung steigen, die Nachbarn auf einen Haarschnitt zu besuchen.

Dort aber will man die Grenzen so weit wie möglich dichtmachen. „Ja, es wird schärfere Kontrollen geben“, sagte ein Sprecher des österreichischen Innenministeriums auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Touristische Fahrten sollen unterbunden werden, man werde auch gegen unerlaubte Übernachtungen vorgehen. Ausnahmen für Grenzübertritte sollen reduziert werden, und es entfällt künftig auch die Möglichkeit, durch ein negatives Testergebnis die Quarantäne abzukürzen.

Die Bundespolizei fährt keine Extra-Patrouillen

Zu solch scharfen Methoden greift man auf deutscher Seite nicht. Die Bundespolizei fahnde nach wie vor nicht gezielt nach Reisenden aus Risikogebieten, die etwa ihre Registrierungsbögen nicht ausgefüllt haben.

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Allerdings, sagt Rainer Scharf, Sprecher der Bundespolizei Rosenheim, können die Beamten auch ohne Anlass Autos zur Kontrolle anhalten und Verstöße gegen die Einreise-Regelungen oder Infektionsschutzbestimmungen anzeigen.

Dass die Abschottung auf österreichischer Seite die Verbreitung der Virus-Varianten ganz ausschließen kann, erscheint fraglich. Auf Mutationen werden positiv Getestete dann untersucht, wenn sie zum Beispiel gerade aus einem Risikogebiet wie Südafrika eingereist sind. Wer vor der der Corona-Einreiseverordnung der Bundesregierung vom 13. Januar aus einem Risikogebiet zurückgereist ist, könnte es unbemerkt in der Region verteilt haben.

„Es bestehen keine Probleme bei der Impfbereitschaft des Personals“

Nicht auszuschließen ist laut Robert-Koch-Institut, dass die südafrikanische Variante sich auf die Bildung von Antikörpern gegen Corona auswirkt. Währenddessen werden Menschen der obersten Priorität weiter mit dem Biontech-Pfizer-Impfstoff geimpftDie Impfung gerade in besonders exponierten Einrichtungen macht Fortschritte. Bislang wurden nach Auskunft des Gesundheitsamtes in Stadt und Landkreis Rosenheim insgesamt 10 608 Menschen in Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern und am Impfzentrum geimpft, allein in der vierten Kalenderwoche seien es 2322 gewesen.

„Die Impfzahlen sind bislang durch die noch geringen Liefermengen an Impfstoff beschränkt“, sagt Hierl. Im Landkreis Rosenheim wurden bisher noch nicht infizierte, impfwillige Bewohner von 50 vollstationären Einrichtungen im Landkreis einmal geimpft. Insgesamt fallen 59 dieser Einrichtungen unter die höchste Impfpriorität, somit wurden in neun die Bewohner noch nicht geimpft.

Zweimal geimpft wurden im Landkreis die Bewohner von 22 Alten- und Pflegeheimen. In der Stadt Rosenheim wurden Bewohner von vier vollstationären Einrichtungen zweimal geimpft, zwei Einrichtungen haben erst die erste Impfung hinter sich. Im Landkreis waren mindestens 2004 Mitarbeiter von Heimen impfwillig, 429 haben die Impfung abgelehnt. 750 Mitarbeiter haben die erste Impfung absolviert. Das Beispiel der Kollegen zünde, immer weniger Mitarbeiter lehnten die Impfung ab, sagt Hierl. „Aus unserer Sicht bestehen keine Probleme bei der Impfbereitschaft des Personals.“

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