Corona-Tests für Urlauber: Wie zwei Riederinger die Datenpanne erleben

Corona-Tests Riederinger
+
Mallorca-Fans in Warteschleife: Alexander Stern und Sabine Weinhardt
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
    schließen

Dem Schnellstart folgt der Datenstau: Zehntausende Urlauber warteten am Donnerstag noch. Und zwar auf die Ergebnisse ihrer Corona-Tests an den Autobahnrastanlagen Inntal-Ost bei Kiefersfelden und Hochfelln-Nord bei Bergen, an Flughäfen oder Bahnhöfen. Auch Sabine Weinhardt und ihr Freund aus Riedering.

Rosenheim/Riedering – Nach den Ferien zum Corona-Test Sabine Weinhardt und Alexander Stern mögen Mallorca. Die Atmosphäre, das Essen dort, das Meer, die Landschaft. Das findet Sabine Weinhardt super. Auch das Feiern. Urlaub auf Mallorca ist bei den beiden ein Höhepunkt im Jahreslauf.

Auch im Jahr der Covid-19-Pandemie. Ohne Party diesmal, aber mit der Absicht, den Tourismus nicht hängen zu lassen, sagt Weinhardt, Dafür nahmen sie auch in Kauf, dass Spanien und speziell Mallorca noch ein bisschen strenger auf die Regeln achten als andere Urlaubsziele. Strenge Corona-Regeln im Urlaubsparadies

Lesen Sie auch: Söder und Huml nach der Datenpanne um Corona-Tests für Reiserückkehrer: Doch kein Rücktritt

So sicher empfinden Rückkehrer Mallorca

Abstand auch an den Balnearios, den Badeabschnitten am Strand. Und innerhalb von Ortschaften Schutzmaske auch im Freien. „Man muss Mallorca ganz schön lieben, um sich das in der Hitze anzutun“, sagt sie. Ihr Fazit: „Gefühlt werden die Hygiene- und Abstandsregeln in Gastronomie und Öffentlichkeit auf Mallorca noch strenger umgesetzt als in Deutschland.“ 

Um die Bedenken ihrer Eltern auszuräumen, ließen sich die beiden Riederinger bei der Rückkehr am Münchner Flughafen testen. Vor mehr als einer Woche war das, genauer: In der Nacht auf Donnerstag, 6. August.

Auch interessant: Sind es Reiserückkehrer? Corona-Neuinfektionen im Landkreis Mühldorf stark angestiegen

Warten auf den Test-Bescheid 

Den Bescheid aber, den haben sie noch immer nicht bekommen. „Wir sind gelandet, haben unsere Koffer vom Band geholt, sind raufmarschiert in die obere Ebene des Flughafens“, erzählt Sabine Weinhardt. Die beiden füllten das Formular aus, mit der Hand, „was wahrscheinlich auch eine Fehlerquelle sein könnte“, wie sie glaubt. Allerdings: „Nachdem wir unsere Ergebnisse beide noch nicht bekommen haben, kann’s eigentlich nicht an der Handschrift liegen.“

Jedenfalls: Aus der Frist von zwei bis vier Tagen wurde nichts. Sie warteten am Donnerstag, acht Tage später, noch immer. Am Montag schickten sie eine E-Mail an die Adresse, die sie auf der Homepage des Flughafens recherchiert hatten. Nicht mal eine automatische Empfangsbestätigung sei gekommen, sagt Weinhardt.

Nach den Tests wie hier in Kiefersfelden warteten Tausende Heimkehrer auf Resultate.

Mitschuld an Panne? Ehrenamtliche sind irritiert

Groß ist die Irritation auch bei den Ehrenamtlichen, die unter Federführung des Bayerischen Roten Kreuzes zwölf Tage lang unter anderem in Kiefersfelden die Stellung an den Teststationen gehalten hatten, bevor kürzlich das private Labor Eurofins übernahm. Vorwürfe, dass man für die Verzögerungen mitverantwortlich sei, weist BRK-Kreisverbandsgeschäftsführer Martin Schmidt entschieden zurück. „Die Tests sind ja da, es liegt an denen, die die Getesteten nicht anrufen.“ Seiner Meinung nach soll das Landesamt für Gesundheit in Erlangen zu seiner Verantwortung stehen.

Grund für die Verzögerungen seien vor allem Probleme bei der händischen Übertragung von Daten und eine unerwartet hohe Nutzung des Angebots, hieß es von Seiten des Gesundheitsministeriums. Dass der Andrang groß war, das kann BRK-Mann Schmidt bestätigen. Fast 11 600 Tests nahmen die Ehrenamtlichen in den 295 Stunden ihres Dienstes in Kiefersfelden. „Uns hat das von Anfang an geärgert, dass das nicht zügig abgearbeitet wurde“, sagt Schmidt. „Natürlich fällt das erstmal auf den Tester zurück.“

Tatsächlich erhielt die BRK-Zentrale in den vergangenen Tagen rund 200 Anrufe von ratlosen Heimkehrern. Das eigentlich zuständige Landesamt für Gesundheit in Erlangen hat zwar eine Hotline eingerichtet, dort war jedoch Donnerstag – bei mehreren Versuchen – niemand zu erreichen. Verantwortung beim Landesamt für Gesundheit? Dort, in Mittelfranken, sieht Schmidt die Ursache für den Stau. 

Viele Anfragen von Getesteten

Er stellt sich vor seine Leute und die Hilfsorganisationen, mit denen die Helfer vom Roten Kreuz zusammengearbeitet haben. „Wir haben einen großartigen Job gemacht, für die verspäteten Resultate ziehen wir uns den Schuh nicht an.“ Auch im Staatlichen Gesundheitsamt Rosenheim häuften sich die Anfragen von Getetesten, die ihre Ergebnisse noch nicht erhalten hatten. 

Man habe alle vom Labor gemeldeten Ergebnisse sofort an die Betroffenen weitergegeben und im Falle positiver Tests auch die betreffenden Gesundheitsämter informiert, sagte Sprecher Michael Fischer. Gesundheitswesen: Bei Digitalisierung weit hinterher Für Dr. Felix Bonke, Allgemeinarzt mit Corona-Schwerpunktpraxis in Flintsbach, liegt der Stau nicht an den Testkapazitäten, immerhin sei ja bekannt, dass unter den ausstehenden Resultaten auch 900 positive Tests seien. 

Es hake vielmehr an der Weitergabe der Daten, sagt er. „Das Gesundheitswesen hängt in puncto Digitalisierung weit hinterher.“ Symptome spüren Sabine Weinhardt und Alexander Stern nicht. Nur noch vier, fünf Tage, dann wissen sie auch ohne Testergebnis: entweder waren sie nicht infiziert – oder der Verlauf von Covid-19 war ein äußerst leichter. In diesem Fall hätten die beiden noch lange andere Menschen infizieren können.

Kommentare