Corona-Test für alle – so kommt das kostenlose Angebot in der Region Rosenheim an

Befürwortet Corona-Tests für alle: Dr. Florian Bonke, Allgemeinarzt in Flintsbach.
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Befürwortet Corona-Tests für alle: Dr. Florian Bonke, Allgemeinarzt in Flintsbach.
  • Rosi Gantner
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Kostenlose Corona-Tests für alle – sie sind seit Mittwoch, 1. Juli, auch in den Hausarztpraxen der Region Rosenheim möglich. Wir haben nachgefragt: Ist der Ansturm groß – und sind die Praxen dem gewachsen? Die ersten Erfahrungen von Ärzten aus der Region.

Rosenheim – „Das Interesse ist sehr gering“, winkt Dr. Nikolaus Klecker, Bezirksvorsitzender im Bayerischen Hausärzteverband und Allgemeinarzt in Rosenheim, ab. Am ersten Tag habe sich lediglich ein Patient testen lassen, für kommende Woche hätten sich zwei angemeldet. „Das erstaunt mich dann doch.“ Auch von Kollegen im Kreisverband wisse er, dass sich der Ansturm sehr in Grenzen hielte.

Dr. Klecker: „Rausgeschmissenes Geld“

Der Bezirksvorsitzende ist nach wie vor kein Fan von der seitens der Staatsregierung eingeführten kostenlosen Massentestung. „Das ist zum jetzigen Zeitpunkt rausgeschmissenes Geld. Fehlt bloß noch, dass dann im Herbst bei einer zweiten Welle nicht mehr ausreichend Testkits vorhanden sind“, ärgert sich Klecker.

Dr. Bonke: „Eine gute Sache"

Gegenteiliger Meinung ist Dr. Florian Bonke, der in Flintsbach die Corona-Schwerpunktpraxis für das Inntal betreibt – und von Beginn an zu den Vorreitern unter den Allgemeinärzten in der Region im Kampf gegen die Pandemie zählte. Er sagt: „Die Tests für alle sind gut, wenn man verantwortungsvoll damit umgeht.“

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Gemeint ist: Beispielsweise Menschen, die aus dem Urlaub zurückkehren und unsicher sind, sich mit dem Virus angesteckt zu haben; oder wer Kontakt mit einer größeren Personengruppe hatte und zuhause pflegebedürftige Angehörige betreut. Denn: Eine einzige infizierte Person reiche aus, um den nächsten Ausbruch auszulösen – „da ist es wichtig, sie rechtzeitig zu isolieren.“

So sieht es in Flintsbach aus

Bis dato hält sich das Interesse am Corona-Test für alle aber auch in der Flintsbacher Praxis in Grenzen. Ein bis zwei Tests habe man bislang pro Tag durchgeführt, zieht Bonke eine erste Bilanz.

Echte Verdachtsfälle gibt‘s eine Menge

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Anders bei den echten Verdachtsfällen, auf die sich Bonke spezialisiert hat. Nach wie vor nimmt er drei bis sieben dieser Abstriche am Tag vor – wobei die Anzahl der tatsächlich Infizierten inzwischen gegen null geht. „Seit vier Wochen hatten wir keinen Positivfall mehr“, berichtet er. In der Anfangszeit habe er, der sich eigens mit einem Isolier-Zelt für Covid-Patienten vor seinen Praxisräumen ausgestattet hatte, täglich 25 bis 30 Tests vorgenommen – „und jeden Tag waren Positivfälle dabei.“

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Ärgerlich: Keine Handlungsanweisung

Gerüstet ist Dr. Bonke allemal, sollte sich der Ansturm anbahnen – ebenso wie Bezirksvorsitzender Klecker in seiner Rosenheimer Praxis. Letzterer vermisst allerdings eine offizielle Handlungsanweisung, wie mit den freiwilligen Testungen umgegangen werden muss – „im Prinzip muss man diese Personen als potenziell infektiös behandeln, den Abstrich also mit voller Schutzmontur vornehmen, das ist dann durchaus aufwendig.“

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