Corona: Stillstand in Busbranche

Die Busunternehmen kämpfen um ihre Existenz. Sowohl Linienfahrten (hier ein Archivbild vor der Corona-Krise vom Busbahnhof am Bahnhof Rosenheim) wie auch Reisen fallen weg. Archiv Aerzbäck

Die Welt steht still: Es gilt nicht nur die vom Auswärtigen Amt verhängte weltweite Reisewarnung, sondern auch die bayernweite Ausgangsbeschränkung. Das trifft nicht nur Fluggesellschaften, auch regionale Busunternehmen mit europäischen Reisezielen kämpfen um ihre Existenz. Zudem leidet der öffentliche Linienverkehr.

Von Tina Blum

Rosenheim – „Dass es so weit kommt, das hätten wir uns nie träumen lassen“, sagt Elisabeth Berr, Geschäftsführerin von Berr-Reisen. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Bruckmühl und betreibt zudem ein Reisebüro in Rosenheim. Bereits in den vergangenen Tagen hätten viele verunsicherte Kunden bei dem Reiseveranstalter angerufen, erst aufgrund der Empfehlungen, Reisen zu vermeiden, dann aufgrund der weltweiten Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.

Kurzarbeit fürdie Mitarbeiter

40 Busse sind bei Berr derzeit stillgelegt. Erst traf es die Schulbuslinien. Schnell war klar: Auch die Busreisen und Tagesfahrten kommen zum Erliegen. „Derzeit haben wir noch zwei Linienbusse im öffentlichen Nahverkehr“, sagt Elisabeth Berr. Die wirtschaftlichen Folgen seien enorm. Die Folge für die Mitarbeiter: Kurzarbeit. „Alle unsere Mitarbeiter haben diesem Schritt zugestimmt. Da hatte ich Tränen in den Augen.“

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Hinzu kommt die Unsicherheit im Hinblick auf sämtliche Reisen im Jahr 2020. „Viele Kunden wollen jetzt schon den Urlaub im Oktober canceln“, berichtet Elisabeth Berr.

Viele Busunternehmer wie Berr-Reisen haben aufgrund der weltweiten Reisewarnung nun vorerst keine Einnahmen mehr. Laut Auskunft des Landesverbandes Bayerischer Omnibusunternehmer (LBO) gibt es in Bayern rund 1100 privatwirtschaftliche Omnibusunternehmen. Eine große Zahl davon, besonders kleinere Betriebe, würden derzeit um ihre Existenz kämpfen. „Wir sind im engen Austausch mit der Staatsregierung, um möglichst unbürokratisch Unterstützung für die Busunternehmer zu bekommen“, sagt Stephan Rabl, LBO-Geschäftsführer.

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Auch Unternehmen, die im Schulbusverkehr aktiv sind, erleiden durch die Schulschließungen bis 19 April Umsatzeinbußen in Millionenhöhe. Die Soforthilfen, die von der Bayerischen Staatsregierung für Kleinunternehmer angeboten werden, liegen je nach Größe des Betriebs, zwischen 5000 und 30 000 Euro. „Diese Maßnahmen sind zwar gut, reichen aber bei Weitem nicht aus, um die Einbußen über längere Zeit zu kompensieren. Gerade private Betriebe können nicht auf Einnahmen verzichten“, sagt Rabl. Daher wünscht er sich zunächst schnelle und unbürokratische Hilfe.

Auch der öffentliche Nahverkehr ist stark eingeschränkt. Ingmar Töppel, Geschäftsführer von Kroiss und Stadtverkehr Rosenheim: „Der Bereich Busreisen ist für das ganze Jahr bis in den Herbst tot. Wie es für die kommende Wintersaison aussieht, werden wir sehen“, sagt er.

Im ÖPNV zwölf Linien tagsüber und vier Nachtbusse unterweg

Im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) sind derzeit nur noch zwölf Linien tagsüber und vier Nachtbusse unterwegs. Gefahren wird nach dem Ferienfahrplan. Doch gut 80 Prozent der Fahrgäste fielen weg. Gut die Hälfte der Fahrgäste im Linienverkehr sind ansonsten Schüler. Laut einem Sprecher des Regionalverkehrs Oberbayern (RVO) ist im Südosten Bayerns derzeit ein „zuverlässiger Linienbusverkehr“ gewährleistet. Nach Abstimmung mit den Auftraggebern, den Landratsämtern, würden die DB-Busse in einem der Lage angepassten Fahrplan verkehren.

Dieser Anweisung des Landratsamtes folgt auch Gerhard Reiter, Omnibusunternehmer aus Aschau: „Manche unserer Linien fahren nach dem Ferienplan und haben am ganzen Tag nur zwei Gäste an Bord. Diese Situation wird bald wirtschaftlich nicht mehr stemmbar sein.“ Drei Busse seien durch die Umstellung weggefallen. Trotzdem hat Reiter keine Kurzarbeit beantragt. „Wir haben uns immer auf unsere Mitarbeiter verlassen können, jetzt wollen wir auch etwas zurückgeben“, sagt Reiter. Deswegen verbrauche man erst Überstunden und Resturlaub. „Ein bis zwei Monate können wir so auf jeden Fall überbrücken.“ Reiter hofft zudem, dass der LBO staatliche Unterstützung aushandeln kann und die Gemeinden den Busunternehmern bei den Vorhaltekosten, also die durch die Existenz des Fahrzeugs täglich entstehenden Kosten, entgegenkommen.

Bei Hollinger in Bad Aibling rollen noch alle Linienbusse, der Reisebereich ist lahmgelegt. „Wir versuchen, den Betrieb so weit wie möglich aufrecht zu erhalten. Aber im Moment ist für uns nicht absehbar, wie lange das so weiter geht“, sagt Geschäftsführerin Claudia Hollinger.

Unsicherheitund Hoffnung

Schwer getroffen hat die Corona-Krise auch das Busunternehmen Heidenreich in Raubling. „Wir befördern täglich rund 800 Schüler und behinderte Menschen“, sagt Dagmar Heidenreich, Geschäftsführerin. 100 Fahrzeuge zählt ihre Flotte. Derzeit fahren noch drei Personen bei ihr mit. Sie musste den Großteil ihrer Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, nur in der Werkstatt und im Büro wird noch regulär gearbeitet. „Ich hoffe, dass sich die Menschen umsichtig verhalten und dass es nach Ostern wieder normal weitergeht.“ Denn die Corona-Pandemie treffe nicht nur die Busunternehmer und deren Mitarbeiter, sondern alle. „Es ist auch für unsere Fahrgäste schwer. Für viele bricht ein Teil des gewohnten Alltags weg und sie wissen nicht, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen.“

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