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Kampf gegen die Corona-Pandemie

„Ein Skandal“: Ärzte in der Region klagen über zu wenig Nachschub für zweiten Corona-Impftermin

Vertrauenssache: Viele Menschen lassen sich gerne von ihren Hausärzten impfen. Was aber, wenn die zu wenig Impf-Nachschub erhalten?
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Vertrauenssache: Viele Menschen lassen sich gerne von ihren Hausärzten impfen. Was aber, wenn die zu wenig Impf-Nachschub erhalten?
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Seit der ersten Aprilwoche sitzen die Haus- und Fachärzte in der Region Rosenheim bei der Corona-Impfkampagne mit im Boot. Von voll eingespielten Abläufen aber kann auch nach sechs Wochen nicht die Rede sein. Im Gegenteil: der Ärger steigt. Denn den wichtigen zweiten Impftermin sehen viele der Ärzte in Gefahr.

Rosenheim – Die Hausärzte bekommen regelmäßig weniger als sie verimpfen könnten. Daran haben sie sich schon fast gewöhnt. Nicht aber an die aus ihrer Sicht noch schlimmere neue Entwicklung: In jüngster Zeit bleibt mitunter auch noch der Impfstoff für die obligatorische zweite Impfung mit Biontech-Pfizer aus.

Die Klagen unter den Hausärzten der Region werden lauter. Weil die Suche nach Ersatzterminen viel Zeit kostet. Und weil die Zeit drängt: Für die Verabreichung der zweiten Dosis Biontech-Pfizer gibt es ein empfohlenes Zeitfenster von etwa von sechs Wochen.

Die Garantie für den zweiten Impftermin - was ist sie noch wert?

„Es ist ein Skandal“, schimpft zum Beispiel Dr, Fritz Ihler, Allgemeinarzt in Rosenheim und Schechen sowie Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Rosenheim. Ihn nervt weniger, dass für die Erstimpfung regelmäßig weniger Impfstoff ankommt als ursprünglich n Aussicht gestellt. Das sei von Beginn an eigentlich nicht anders gewesen, sagen er und viele seiner Kollegen. Was ihn auf die Palme bringt, ist die gebrochene Garantie für den wichtigen Zweittermin.

Es gibt einen festen Plan – theoretisch zumindest

Mit diesem zweiten Termin läuft es eigentlich so: Bei der Erstimpfung mit Biontech-Pfizer wird bereits ein zweiter Termin fest vereinbart, und für diesen Termin ist denn auch Impfstoff garantiert. So bestätigt das auch die Kassenärztliche Vereinigung Bayern. Am Freitag werde bekannt gegeben, was an welchen Mitteln zur Verfügung stehe.

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Dann seien die Ärzte mit dem Bestellen dran. Prinzipiell bekomme man für Erstimpfungen nicht die Menge, die bestellt worden sei. Anders sei das bei der Zweitimpfung. Da werde geliefert, was vereinbart sei.

Der große Impffrust: „Viele Kollegen sind stinksauer“

„Das ist mit der jetzigen Lieferung, nicht mehr der Fall“, sagt Ihler. „So geht das nicht.“ Einer der Ärzte, die von den Komplikationen berichten können, ist Dr. Ziegner mit seiner Praxis in Feldkirchen-Westerham. Er sagt: „Wir müssen Patienten absagen, mit denen wir bereits Termine vereinbart haben.“

Dass ein Gymnasium im Landkreis München die Schüler ab 16 Jahren mit Biontech-Pfizer impfen lässt, und zwar mit Dosen aus den nicht verimpften Beständen einer Praxis, kann er nicht nachvollziehen. Auch wegen des Aussetzens der Priorisierung. „Unsere schwerranken Patienten bekommen ihre Dosis nicht, auf der anderen Seite gibt es offenbar einen Überschuss bei Praxen in München.“ Ein Einzelfall sei er beileibe nicht, „ich spreche für viele Kollegen, die stinksauer sind“.

Ärzte beklagen undurchsichtiges Zuteilungsverfahren

Etwa Dr. Nikolaus Klecker. Der Bezirksvorsitzende des bayerischen Hausärzteverbands mit Praxis in Rosenheim beklagt den Mangel an Durchschaubarkeit. Das Verfahren der Zuteilung sei absolut nicht transparent, sagt er.

Die Verteilung der Impfstoffe von Biontech und Moderna auf die oberbayerischen Impfzentren erfolge je nach Anzahl der Einwohner, heißt es aus der dafür zuständigen Regierung von Oberbayern. Allerdings habe man mit der Zuteilung an die Hausärzte nichts zu tun, sagte ein Sprecher.; die liege in den Händen des Pharmazeutischen Großhandels.

Es wird um jede Dosis gerungen

Begrenzte Mengen – darin sieht Dr. Josef Mager aus Neubeuern ein generelles Problem. Man ringe um jede Dosis, sagt er. Was den Wettbewerb noch verschärft, ist nach seiner Ansicht die Beteiligung der Betriebsärzte an der Impfkampagne. „Die Impfstoffe fehlen den Hausärzten.“ Die aber seien es, die Patienten am besten kennten und kurzfristig Einspringer anrufen könnten.

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Daraus spricht ein Engagement, der manchen Ärzten mittlerweile abhanden zu kommen droht. „Ich habe von einer Reihe von Kollegen gehört, dass sie überlegen, unter diesen Umständen mit dem Impfen aufzuhören“ sagt Ihler. Ein schlimmer Zustand sei das, „da gehört dringend nachgebessert.“

Die Nachbesserung dürfte sich nach Ansicht der Kassenärztlichen Vereinigung auch auf viele Impfwillige beziehen. Manche meldeten sich beim Impfzentrum und zusätzlich bei zwei, drei Hausärzten an. Wenn sich die Geimpften sich dann nicht bei den anderen Adressen abmeldeten, könne sich das Bestellgeschehen verzerren.

Woher kommen die unterschiedlichen Impfquoten?

Das Impfgeschehen sorgt weiterhin für Diskussionen. Die Frage, warum der Landkreis Rosenheim so weit hinter dem Landkreis Starnberg hinterherhinkt, war auch gestern nicht wirklich zu klären. Ärzte aus der Region Rosenheim hatten eine „Kuckucks-Mentalität“ beklagt.

Sprich: Landräte, die beharrlicher fordern, bekommen auch mehr. Dem tritt Rosenheims Landrat Otto Lederer (CSU) gegenüber den OVB-Heimatzeitungen entschieden entgegen. Es gebe zwar Unterschiede bei der Impfquote, „sie erklären sich aber nicht durch die Lautstärke im Auftreten des Landrats“, sagte Lederer. Er stehe diesbezüglich in regelmäßigem Kontakt mit der Bayerischen Staatsregierung. In den Gesprächen auch mit Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sei natürlich auch über die Zuteilung zusätzlicher Impfstoffe für die Region gesprochen worden.

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Laut Regierung von Oberbayern wird die Verteilung auf die Bezirke streng nach Bevölkerungsproporz vorgenommen. Die Koordinierungsstelle der Regierung von Oberbayern verteilt den durch die Koordinierungsstelle am Bayerischen Landesamt für Gesundheit zugeteilten Impfstoff auf die einzelnen Städte und Landkreise auf Grundlage des Bevölkerungsanteils. Lediglich aufgrund der Liefermengen an die Impfzentren sollte man so gravierende Unterschiede also nicht annehmen können.

Impfungen: Ein paar Extra-Lieferungen gab es

Allerdings gab es nach Lederers Worten seitens des Freistaats immer wieder auch Extra-Lieferungen. Bayern habe in den zurückliegenden Wochen immer wieder Sonderkontingente an Landkreise und kreisfreie Städte zugewiesen. „Stadt und Landkreis Rosenheim sind hier bisher nie berücksichtigt worden“, sagte Lederer. Es gebe dafür unterschiedliche Gründe.

„Sonderzuweisungen gab es, weil die Landkreise in Nachbarschaft zu einem Hochinzidenzgebiet lagen wie Tschechien, oder weil die Inzidenzzahlen außerordentlich hoch waren, deutlich höher als in unserer Region.“ Es gebe überdies keine Informationen, wie sich die Impfkampagne der Polizei auf die lokalen Impfquoten auswirkten. Als Bayern das Modellprojekt für Corona-Impfungen in Betrieben startete, sei kein Unternehmen aus Stadt und Landkreis Rosenheim unter den ersten Auserwählten gewesen.

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