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Hoher Anstieg der Inzidenz

Rosenheimer Zahlen belegen: Vierte Welle der Corona-Pandemie trifft die Ungeimpften

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  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Die Zahlen gehen in der Stadt Rosenheim durch die Decke, die Experten aber bleiben noch gelassen. Was neben der hohen Zahl der infizierten Reiserückkehrer auffällt: Die Zahlen des Gesundheitsamtes belegen, wie gut die Impfungen gegen Infektionen, aber vor allem gegen schwere Verläufe schützen.

Rosenheim – Die Infektionszahlen steigen wieder, mit hohem Tempo in der Stadt, deutlich aber auch im Landkreis Rosenheim. Doch trotz eines Siebentage-Inzidenz von 201,3 in der Stadt und 82,5 im Landkreis bleiben die Experten noch gelassen. Insgesamt sei die Situation als „moderat“ zu bezeichnen, sagt Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamts in Rosenheim.

Dem Gesundheitsamt wurden in der vergangenen Woche täglich zwischen 23 und 97 neue Fälle gemeldet. Das macht insgesamt 343 Neumeldungen, während es in der Vorwoche noch 215 Meldungen gewesen waren. Dies bedeutet eine Zunahme der Fallzahlen um nahezu zwei Drittel, genau 62,7 Prozent.

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So alarmierend diese Zahlen zunächst wirken, so sind sie doch differenziert zu betrachten. Drei Viertel der positiv Getesteten sind zwischen 18 und 59 Jahre alt, neun Prozent sogar erst zwischen zwölf und 17 Jahren alt. Die weitaus meisten Infizierten gehören also nicht zu den betagteren Altersklassen, die während der ersten Wellen der Corona-Pandemie so viele schwere Verläufe und Todesfälle zu verzeichnen hatten.

Krankenhäuser von Überlastung weit entfernt

Zudem sind die Krankenhäuser von Überlastung weiterhin weit entfernt. Hierl beobachtet eine geringere Zunahme der Patientenzahi. In den letzten Tagen seien täglich zwischen 21 und 33 Patienten auf Normalstation und neun oder zehn Patienten auf Intensivstationen gelegen. Allerdings geht Hierl davon aus, dass sich die stark gestiegenen Zahlen der Infektionen erst in zwei Wochen in den Krankenhäusern voll bemerkbar machen.

Noch sei die Behörde in der Lage, die positiv Getesteten zu informieren. Jedoch gelangten die Mitarbeiter bei der Nachverfolgung der Kontaktpersonen zunehmend an ihre Grenzen. So greift das Gesundheitsamt zunehmend auf Springer zurück. Zudem läuft das Verfahren zur Einstellung neuer Mitarbeiter laut Hierl „unter Hochdruck“.

Rückkehrer treiben Infektionen hoch

Während Freizeitaktivitäten und Job zusammen mit zehn Prozent zu Buche schlagen, sind die Reiserückkehrer weiter Haupttreiber des Infektionsgeschehens. Nach jüngsten Berechnungen des Gesundheitsamts liegen sie bei ungefähr 45 Prozent der Neuansteckungen. Für die Zeit zwischen 21. und 24. August hatte das Amt einen Anteil von über 67 Prozent errechnet.

Ebenfalls interessant: Gesundheitsamt warnt vor vierter Welle: „Katastrophe mit Ansage“

Die große Anzahl an Infizierten unter den Reiserückkehrern legt den Verdacht nahe, dass die Grenzkontrollen Lücken aufweisen. Das Innenministerium bestätigte auf Anfragen der OVB-Heimatzeitungen, dass ein Check aller Einreisenden nicht angestrebt sei, auch weil lockenlose Kontrollen zu Chaos an der Grenze führen könnte. Grenz- und Bundespolizei prüften stichprobenartig oder ließen sich bei Stopps im Zuge der Schleierfahndung Test-, Impf- oder Genesungsnachweise zeigen.

Beide Polizeibehörden berichteten auf Nachfrage, dass der weit überwiegende Teil der Urlauber mit korrekten Nachweisen angetroffen worden sei. Nach den Zahlen der Grenzpolizei verstoße nur jeder tausendste kontrollierte Urlauber gegen die Corona-Auflagen.

Laut Wolfgang Hierl ist dies kein Widerspruch zu den hohen Zahlen in der Region. „Wir beobachten bei vielen Reiserückkehrern, dass zwar das Ergebnis der verpflichtenden Testung bei Einreise in Deutschland noch negativ ist, sich in den Folgetagen aber Erkältungssymptome entwickeln, die sich nach einer nochmaligen Testung als Infektion entpuppen.“ Deswegen empfiehlt der Amtschef einige Tage nach der Rückkehr eine zweite Testung, auch wenn man nicht aus einem Hochrisikogebiet zurückgekehrt ist.

Die Zahlen in der Region

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Rosenheim führt nach der Inzidenz in Bayern, hängt aber woanders zurück. Mit einer Zweitimpfungsquote von knapp über 50 Prozent liegt die Stadt weit hinter Bayern (58,3 Prozent) und Deutschland (59,9). Eine Säumigkeit mit schweren Folgen. Die vierte Welle wird zur Pandemie der Ungeimpften. Immerhin acht Prozent der seit 1. August neu Infizierten gehören der Altersklasse der über 60-Jährigen an und hätten sich ihre Infektion womöglich ersparen können, wenn sie gemäß Piorisierung immunisiert worden wären. Lediglich die acht Prozent am anderen Ende der Altersskala wären damit nicht zu schützen gewesen: die neu Infizierten unter zwölf Jahren. Für sie gibt es nach wie vor keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission.

Auffällig: Die Gemeinden mit den meisten Infektionen sind – von Prien mit 18 neuen Fällen abgesehen nahe Rosenheim. Das ausbruchsgeschehen ist diffus. In Bad Aibling (17 neue Fälle) handele es sich vermutlich um Einzelfälle, berichtete Bürgermeister Stephan Schlier, Jedenfalls habe das Ordnungsamt keinen Massenausbruch gemeldet.

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Bislang sind in der Region 18 655 Fälle aufgetreten (Landkreis: 14 469, Stadt: 4186). Seit 1. August wurden 677 Fällen registriert, davon waren 554 (81,8 Prozent) ungeimpft, 48 (7,1 Prozent) waren entweder unvollständig geimpft oder die zweite Impfung lag weniger als 15 Tage zurück. Die Impfung schützt nicht unbedingt vor Ansteckungen, aber wohl vor schweren Verläufen: Bei 75 Personen mit vollständiger Impfung verspürten 62 (9,2 Prozent) Symptome, sie zählen damit als Impfdurchbrüche. Lediglich zwei Menschen lediglich zwei Personen (0,3 Prozent) mussten stationär behandelt werden.

Mittlerweile wurde bei mindestens 17 437 Personen eine Genesung dokumentiert. Seit vergangener Woche ist kein Mensch in der Region an oder mit Corona verstorben.

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