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„Haben die Pandemie von der Kette gelassen“

Rosenheimer Stadtrat fordert Corona-Impfpflicht - „Kleiner Teil stellt seine Bedürfnisse über alles“

Die Rosenheimer Stadträte haben mehrheitlich eine Resolution verabschiedet und die Bundesregierung dazu aufgerufen, schnellstmöglich die Voraussetzungen für eine Impfpflicht zu schaffen.
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Die Rosenheimer Stadträte haben mehrheitlich eine Resolution verabschiedet und die Bundesregierung dazu aufgerufen, schnellstmöglich die Voraussetzungen für eine Impfpflicht zu schaffen.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Angesichts der dramatischen Corona-Lage in der Region haben sich die Rosenheimer Stadträte für eine Impfpflicht ausgesprochen. Einen anderen Weg aus der Pandemie scheint es nicht zu geben. Das wurde in der fast zweistündigen Diskussion in der Luitpoldhalle mehr als deutlich.

Rosenheim – Es sind deutliche Worte, die Dr. Jens Deerberg-Wittram in der jüngsten Sitzung des Stadtrates findet. „Wir haben die Pandemie von der Kette gelassen“, sagt der Geschäftsführer der Romed-Kliniken. Er erzählt von der Notaufnahme, die kurz vor dem Kollaps steht, den vollen Intensivstationen und dem fehlenden Personal.

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Nach zwei Jahren Pandemie haben sich viele Kollegen für die Teilzeit entschieden. Stellen, für die früher ohne Probleme ein Nachfolger gefunden werden konnte, bleiben jetzt unbesetzt. Etwa 30 Intensivbetten stehen deshalb im Moment zur Verfügung. 16 davon sind - Stand 25. November - mit Covid-Patienten belegt, von denen acht beatmet werden müssen.

Verlegung nach Bremen und Frankfurt

„In den kommenden Wochen wird sich die Zahl der Covid-Patienten auf den heimischen Intensivstationen verdoppeln“, sagt Deerberg-Wittram. Es ist eine düstere Prognose, die auch erahnen lässt, warum Patienten teils schon jetzt nach Frankfurt oder Bremen verlegt werden müssen. „Covid-Patienten, die jetzt auf die Intensivstationen kommen, werden in der Regel in Rosenheim nicht zu Ende behandelt werden“, sagt der Romed-Geschäftsführer.

Verlegung von Intensivpatienten auf Normalstation

Das Wort Triage nimmt er nicht in den Mund. Vielmehr spricht er von einer „Priorisierung“. So müssten die Ärzte schon seit einigen Wochen immer wieder entscheiden, welcher Intensivpatient am ehesten auf eine Normalstation verlegt werden kann. „Das bedeutet nicht, dass man jemanden in den Tod schickt“, stellt Deerberg-Wittram klar.

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Aber es bedeutet, dass Patienten einem Risiko ausgesetzt werden und Klinikum-Mitarbeiter von ihren medizinischen Standards abweichen müssen. Ein Ende sei nicht in Sicht. Im Gegenteil. Die Infektionszahlen steigen weiter an – bei einer nach wie vor niedrigen Impfquote in der Region. Der seit gestern geltende Lockdown soll helfen, den Anstieg zumindest abbremsen. So die Hoffnung von Wolfgang Hierl, Leiter des Rosenheimer Gesundheitsamtes.

„Von einer Lawine überrollt“

Auch er hat sich den Abend freigehalten, um den Rosenheimer Stadträten von der Situation zu berichten. „Die neu gemeldeten Fälle haben uns wie eine Lawine überrollt“, sagt er. Pro Tag würden ihm und seinen Kollegen rund 600 neue Infektionen gemeldet. Jeder einzelne davon müsste angeschaut und bewertet werden. Dass es in den kommenden Tagen ruhiger wird, bezweifelt Hierl. „Es wird ein paar Wochen dauern, bis die Maßnahmen greifen“, sagt er. Bis dahin werde man weiter „mit Sorge dem Winter entgegenblicken“.

Impfdurchbrüche und fehlende Disziplin

Sowohl Wolfgang Hierl als auch Jens Deerberg-Wittram können nur vermuten, warum es soweit gekommen ist. Der Lockdown hätte früher beschlossen werden müssen. Darin sind sich die beiden Männer einig.

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Hinzu kommen Impfdurchbrüche, die ansteckendere Delta-Variante, die fehlende Disziplin bei der Umsetzung der AHA-Regeln, das Überschätzen der eigenen Immunabwehr, aber auch die Menschen, die eher auf Naturheilkunde setzen und die Wirksamkeit der Impfungen hinterfragen. All das spiegele sich in den hohen Inzidenzzahlen und der niedrigen Impfquote wider.

Nicht nur eine persönliche Angelegenheit

Und genau hier wollen die Rosenheimer Politiker ansetzen – mit einer Resolution, die in der jüngsten Sitzung des Stadtrates verabschiedet wurde. Darin appellieren sie an die Bürger, Verantwortung und Solidarität zu zeigen und sich und ihre Familien gegen Covid-19 impfen zu lassen. „Diese Impfung ist gerade nicht nur eine persönliche Angelegenheit“, heißt es.

Mut zeigen

Angesichts der geschilderten Dramatik sprachen sich zahlreiche Stadträte zudem für eine Impfpflicht aus. „Es geht nicht mehr nur um die Frage, was wir unseren Bürgern zutrauen, sondern darum, was sich unser Gremium zutraut“, sagte Peter Rutz, Fraktionsvorsitzender der Grünen und weiter: „Es geht darum, welchen Mut wir mit der Resolution zeigen.“

Verantwortung nicht einfach abgeben

Der Zweite Bürgermeister der Stadt, Daniel Artmann, der die Diskussion überhaupt erst ins Rollen gebracht hatte, stimmte zu, sagte, dass man die politische Verantwortung nicht einfach abgeben könne, wenn man im kommenden Herbst nicht wieder in der gleichen Situation sein wolle. „Wir sollten ein Zeichen setzen“, sagte Markus Dick (Freie Wähler/UP).

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„Ich bin es leid, dass ein kleiner Teil der Bevölkerung seine Bedürfnisse über alles stellt“, ergänzte Gabriele Leicht (SPD).

Sechs stimmen dagegen

Mit 32:6 Stimmen haben die Rosenheimer Stadträte die Resolution verabschiedet und die Bundesregierung dazu aufgerufen, schnellstmöglich die Voraussetzungen für eine Impfpflicht zu schaffen. Nach den deutlichen Worten ein deutliches Zeichen.

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