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Zwangspause wegen Corona-Pandemie

Rosenheim steht vor dunkler Zeit: Am Donnerstag beginnt der Lockdown - Das sind die Reaktionen

Impfzentrum Rosenheim, Loretowiese
+
Booster-Impfung auf der Loretowiese - hilft der dritte Piks aus dem Lockdown?
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Keine Weihnachtsmärkte, Gastronomie geschlossen, keine kulturellen Veranstaltungen: Wegen explosionsartig steigender Infektionszahlen geht die Region Rosenheim ab Donnerstag in den Lockdown. Die Reaktionen auf die harte Corona-Notbremse.

Rosenheim – Es gab schon mal gemütlichere Zeiten in Deutschland. Giuseppe Tedesco aber ist sich sicher. „Ich würde gerade in keinem anderen Land leben wollen als in Deutschland“, sagt der Gastronom („Giuseppe e Amici“, „Kunstmühle“). „Wir haben von der Regierung tolle Unterstützung bekommen“, berichtet Tedesco von Erfahrungen aus den ersten beiden Lockdowns. Und schließlich sei der Lockdown – er beginnt am Donnerstag – angesichts der dramatischen Entwicklungen nötig.

Politik im Zugzwang

Giuseppe Tedesco ist nicht der einzige, der Zustimmung für den Lockdown äußert. Die Alarmsignale aus den Kliniken zeigen Wirkung, auch Landrat Otto Lederer hatte bereits am Dienstagabend Lockdowns als Waffe gegen die drohende Überforderung des Gesundheitswesens bezeichnet.

Explodierende Ansteckungszahlen: Erstmals werden für Stadt und Landkreis Rosenheim zusammen über 1000 neue Ansteckungen an einem Tag registriert.

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Die Maßnahmen führten hoffentlich dazu, die „außerordentlichen Belastungen im Gesundheitswesen in der Region“ zu mildern. Die Belegungszahlen und die damit verbundenen „erheblichen Belastungen für das Klinikpersonal dürfen auf gar keinen Fall so etwas wie ein Normalzustand werden“, sagte Lederer. Der Landrat drängt darüber hinaus auf eine staatliche Unterstützung der besonders vom Lockdown betroffenen Berufsgruppen.

Große Not in den Kliniken

Die Dramatik der Situation in den Krankenhäusern bedeutet für die Bundeswehr einen Ernstfall. Wurden bislang Mitglieder der Streitkräfte vornehmlich in der Feststellung von Kontaktpersonen eingesetzt, sind mittlerweile 1000 Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 aus Bad Reichenhall in Krankenhäusern unter anderem in Mühldorf, in Impfzentren und Pflegeheimen eingesetzt. Der Stiftung Attl in Wasserburg gehen die Mitarbeiter bereits aus, die Einrichtung für Menschen mit Behinderung hat einen verzweifelten Hilferuf an die Öffentlichkeit gerichtet. Außerdem soll auch dort die Bundeswehr aushelfen.

„Die Lage ist ernst, die Politik muss agieren, um die Situation in den Griff zu bekommen“, sagt Dr. Thomas Geppert, der Bad Aiblinger ist Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands in Bayern.

Auch Rosenheims 2. Bürgermeister Daniel Artmann (CSU) sieht derzeit keine andere Möglichkeit: „Notwendig – angesichts der kritischen Situation in den Kliniken.“ Christina Pfaffinger, Geschäftsführerin der Chiemsee-Alpenland Tourismus GmbH, fügt hinzu: „Uns ist bewusst, was die Menschen im Gesundheitswesen leisten.“

Die Folgen für die Psyche der Menschen und die Wirtschaft in der Region werden deutlich spürbar sein. Einbußen werden Künstler und Veranstalter, Schausteller und Unternehmer im Gastgewerbe treffen. „Seit einer Woche stornieren wir“, berichtet Christina Pfaffinger. „Die Menschen sind verunsichert“, die Mitarbeiter hängen am Telefon, um Anfragen zu beantworten.

City-Management in Rosenheim befürchtet Todesstoß

Den „Todesstoß“ für Teile des Rosenheimer Einzelhandels befürchtet gar Rainer Pastätter, Vorsitzender vom City-Management in Rosenheim. „Es ist eine Katastrophe“, sagt er, die Umsätze seien ohnehin schon dramatisch zurückgegangen.

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Düster sehe es aus, wenn die Gastronomie als Frequenzbringer ausfalle – Menschen gehen eben lieber in die City, wenn sie dort auch noch von Bars, Cafes und Restaurants angezogen werden. Nun soll der Einzelhandel in der Stadt mit extra großen Kerzen vor der Tür zum Nach-Shopping locken. „Auf dass wir ein bisschen Atmosphäre in die Stadt bekommen“, sagt Pastätter, der in der Unternehmensberatung tätig ist sowie in München und Augsburg Peter-Pane-Restaurants betreibt.

Insgesamt ist die Verunsicherung groß. Man bekomme dauernd Anfragen, sagt Bernherd Weber von Weko Wohnen in Rosenheim, „wir spüren die Verunsicherung der Kunden“. Er könne aber versichern, dass der Einzelhandel aber weiterhin wie gewohnt geöffnet habe.

Kein Problem mit der Regierung, aber ein Problem mit den Ungeimpften

Bei aller grundsätzlichen Zustimmung – gegen Details wird auch Kritik laut. Pastätter ärgert sich über den Zickzackkurs in der Corona-Bekämpfung. In dieser Lage alles der Politikvorzuwerfen, sei zu einfach, findet er.

Auf der anderen Seite aber: „Wir brauchen Führung.“ Das vage Datum 15. Dezember biete keine echte Perspektive, findet er. In der Tat ist fürs Ende des Lockdowns noch etwas mehr notwendig: Dazu müssen die Inzidenzwerte in einer Region an fünf Tagen hintereinander unter 1000 gefallen sein.

Warum immer auf Wirte und Hoteliers?

Thomas Geppert irrtiert die Fixierung auf Wirte und Hoteliers. Die Pandemie müsse wirkungsvoll abgebremst werden. „Wir haben die große Befürchtung, dass es Schaden anrichtet, wenn man regulierte Bereiche schließt, obwohl sie nicht verantwortlich für Weitergabe des Virus sind.“

Die Dehoga werde daher auch Unternehmen unterstützen und beraten, wenn sie die Maßnahmen gerichtlich überprüfen lassen wollten. Auch Christina Pfaffinger sieht die Last zu Unrecht allein auf den Schultern von Künstlern, Wirten und Touristikern. Ob es nur die eine Branche sei, die das Infektionsgeschehen antreibt, „das ist die Frage“, sagt sie.

Angesichts der explodierenden Zahlen und des Lockdowns mehren sich die Stimmen nach einer Impfpflicht. Man komme sonst aus dieser Spirale nicht mehr raus, sagt Daniel Artmann. „Man hat an den gesunden Menschverstand appelliert, und es hat nicht geklappt.“

Für eine Impfflicht ist auch Rainer Pastätter, und auch Giuseppe Tedesco drängt vehement auf den Schutz durch die Spritze: „Ich habe kein Problem mit der Regierung, ich habe ein Problem mit den Ungeimpften.“

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