Marathon ohne Ziellinie

Corona-Pandemie: Projekt „Landkreis-Wichteln“ soll Rosenheimer Wirte unterstützen

In den regionalen Gaststätten unterwegs: Der Rosenheimer JU-Kreisvorsitzende Matthias Eggerl will mit seinem Landkreis-Wichtel-Projekt helfen.
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In den regionalen Gaststätten unterwegs: Der Rosenheimer JU-Kreisvorsitzende Matthias Eggerl will mit seinem Landkreis-Wichtel-Projekt helfen.
  • Korbinian Sautter
    vonKorbinian Sautter
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Durch die verschärften Corona-Maßnahmen müssen die Wirte in der Rosenheimer Region ihre Gaststätten geschlossen halten. Die Junge Union Rosenheimer Land will den Betroffenen unter die Arme greifen und startet eine ungewöhnliche Hilfsaktion mit Weihnachtsbezug.

Rosenheim– „Ein Marathonlauf, bei dem man nicht weiß, wo sich die Ziellinie befindet.“ So beschreibt Theresa Albrecht, die Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel– und Gaststättenverbandes (Dehoga), die aktuelle Situation in der Gastronomie. Aufgrund der verschärften Corona-Maßnahmen müssen die Wirtschaften geschlossen bleiben, was zahlreiche Betreiber vor große Probleme stellt. Um den Wirten in der Zeit des zweiten Lockdowns zu helfen, hat die Junge Union (JU) Rosenheimer Land das Projekt Landkreis-Wichteln ins Leben gerufen.

Ein Gutschein für den guten Zweck

„Das Prinzip ist ganz einfach“, erklärt der Rosenheimer JU-Kreisvorsitzende Matthias Eggerl. Mit dem Kauf eines Gutscheins im Wert von 20 Euro kann man einen teilnehmenden Gastwirt seiner Wahl unterstützen. Am vierten Adventswochenende werden die gesammelten Gutscheine dann unter allen Teilnehmern verlost.

„Über 50 Wirte aus Rosenheim, Wasserburg, Mühldorf und Prien sind schon dabei“, freut sich Eggerl. Er hat die bei einem Feierabendbier in Traunstein entstandene Idee aufgegriffen, um den durch die verschärften Corona-Maßnahmen getroffenen Betrieben zu helfen. Denn auch mit den staatlichen Hilfen könne das so wichtige Weihnachtsgeschäft nicht vollständig kompensiert werden. Der Kreisvorsitzende sieht daher dringenden Handlungsbedarf. Er ist überzeugt, dass sein vorweihnachtliches Landkreis-Projekt Erfolg haben wird und einen kleinen Teil der Ausfälle für die Wirte in der Region kompensieren kann.

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Das Wichtel-Konzept hat allerdings auch für die Unterstützer selbst einen Vorteil, wie der Rosenheimer Landrat Otto Lederer betont: „Das Besondere beim Wichteln ist ja, dass Gutscheine zufällig zugelost werden. Das heißt, ich darf ein mir unbekanntes, tolles Restaurant oder eine für mich neue Gastwirtschaft ausprobieren.“ Als Schirmherr der Aktion möchte er die kulinarischen Abenteuer in der Region erhalten.

Auch Rosenheimer Oberbürgermeister Andreas März hat sich als Schirmherr zur Verfügung gestellt und will dazu animieren, „durch die pfiffige Idee neue Wirtschaften zu entdecken“.

Unterstützung von Rosenheimer Brauereien

Damit das Wichteln bis zum 18. Dezember ein Erfolg wird, bedurfte es auch der Hilfe durch die regionalen Brauereien. So hat beispielsweise Andreas Steegmüller-Pyhrr, der Geschäftsführer der Brauerei Flötzinger, seine Kontakte zu den Wirten spielen lassen, um sie auf die Aktion aufmerksam zu machen und sie zur Teilnahme zu bewegen. Er habe bei seinen Gesprächen bemerkt, wie sehr einige der Wirte zu kämpfen hätten und teilweise daran denken, ihr Geschäft wegen der Corona-Krise aufzugeben. „Denn auch wenn die staatliche Unterstützung bis zu 75 Prozent des Geschäftsausfalls abdecken soll, heißt das nicht, dass alle sofort eine Entschädigung erhalten haben“, stellt Phyrr klar. Den Geldfluss mit Gutscheinen zumindest kurzfristig zu reaktivieren, ist für den Brauerei-Chef daher eine schöne Maßnahme.

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Auch der Marketingleiter von Auerbräu, Michael Hinterseer, war eigenen Angaben zufolge sofort von der Idee überzeugt und will gemeinsam mit den Wirtsleuten aus der Region durch die Krise kommen.

Projekt-Initiator Eggerl ist mit der bisherigen Resonanz sehr zufrieden. Rund 3 000 Euro habe man bereits einnehmen können. Zudem steige die Beteiligung an der Wichtelaktion von Tag zu Tag an. Auch die Wirte haben laut dem JU-Kreisvorsitzenden bereits jede Menge positives Feedback gegeben und freuen sich schon auf die Zeit, in der die Teilnehmer ihre Gutscheine einlösen können.

„Hilfe ist ein Tropfen auf dem heißen Stein“

Theresa Albrecht ist ebenfalls erfreut über jegliche Unterstützung für die Gaststätten im Landkreis, egal ob sie von sozialer, staatlicher oder politischer Richtungen kommt. Auch wenn es aus ihrer Sicht „höchstens Tropfen auf dem heißen Stein“ sind, da jegliche Spenden nicht den Ursprung der misslichen Lage bekämpfen. Für sie steht fest: Solange die Gaststätten geschlossen bleiben müssen, ist für viele Betreiber noch lange kein Ziel bei dem derzeitigen Marathonlauf in Sicht.

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