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Die vierte Welle der Pandemie

Nach fulminantem Anstieg der Corona-Zahlen in Rosenheim: Einführung der 3-G-Regeln am Arbeitsplatz?

Knick in der Kurve: Innerhalb von 24 Stunden stieg die Inzidenzzahl für die Stadt um über 30 Prozent.
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Knick in der Kurve: Innerhalb von 24 Stunden stieg die Inzidenzzahl für die Stadt um über 30 Prozent.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Nach dem fulminantem Anstieg der Corona-Zahlen denkt die Stadt Rosenheim über die Einführung der 3-G-Regeln am Arbeitsplatz nach. Die Inzidenz stabilisierte sich am Donnerstag auf hohem Niveau.

++++ Update vom 26. August, 16.35 Uhr ++++

Rosenheim – Die Sieben-Tage-Inzidenz sprang in der kreisfreien Stadt Rosenheim am Mittwoch von unter 150 auf 196,7. Dort verharrte dieser Wert am Donnerstag. Im Angesicht der vierten Welle der Corona-Pandemie denkt die Stadtverwaltung (wie berichtet) über die Einführung der 3-G-Regel in der Wirtschaft im Rahmen einer Allgemeinverfügung nach. Die Belegschaft am Arbeitsplatz müsste dann geimpft, genesen oder getestet sein.

Anleitungen für betriebliche Corona-Testungen

Der Landkreis Rosenheim liegt mit einem Wert von 72,6 noch deutlich unter der Zahl der Stadt. Dennoch gibt das Gesundheitsamt den Firmen bereits Anleitungen für die Tests an die Hand. Für betriebliche Testungen mit Sars-Cov-2-Antigen-Schnelltests benötigen Unternehmen demnach keine Genehmigung aus dem Gesundheitsamt. 

Die Antigentests müssen nach einer Mitteilung des Landratsamts jedoch vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen sein und von geschultem Personal durchgeführt werden. Die Verantwortung dafür liege bei der Leitung des Betriebs, ebenso wie die Übernahme der Kosten.

Auch Selbsttests unter Aufsicht möglich

Die einfachste Möglichkeit: Der Betriebsarzt übernimmt die Aufgabe mit professionellen Antigen-Schnelltests. Ansonsten müssen die Unternehmen Personal für diese Aufgabe schulen lassen. Möglich sind auch Selbsttests unter Aufsicht von geschultem oder Personal „mit Kenntnis oder Erfahrung“, wie es seitens des Landratsamtes heißt.

++++ Originaltext vom 25. August ++++

Die vierte Welle der Corona-Pandemie, sie baut sich nicht langsam auf, sie bricht vielmehr über Rosenheim herein: Innerhalb von 24 Stunden stieg die Sieben-Tage-Inzidenz der Stadt um über 30 Prozent von 147,9 auf 196,7. Die Kommune verzeichnet damit hinter Leverkusen den zweithöchsten Wert in ganz Deutschland.

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Das nahende Ende der Sommerferien spielt offenbar die entscheidende Rolle. Denn das Gesundheitsamt sieht einen klaren Auslöser für den rasanten Anstieg – den Andrang der Reiserückkehrer vor allem aus dem Balkan. Die Stadt Rosenheim wird Konsequenzen ziehen, nach den Worten von Sprecher Thomas Bugl ist eine Allgemeinverfügung in Vorbereitung.

95 Ansteckungen binnen eines Tages

Aus Stadt und Landkreis Rosenheim waren dem Gesundheitsamt innerhalb eines Tages 95 neue Infektionen gemeldet worden, davon 50 allein aus dem Landkreis. Die Inzidenzzahl im Landkreis stieg gegenüber Dienstag von 55,5 auf 62,4. 70 Prozent der Infektionen sind auf Reisen zurückzuführen. 30 Prozent ereigneten sich im privaten Umfeld, etwa innerhalb von Familien, in die möglicherweise wiederum ein Reiserückkehrer den Virus eingeschleppt haben könnte.

Dr. Wolfgang Hierl, der Leiter des Gesundheitsamts Rosenheim, spricht von einem „fulminanten Anstieg“. Ein Großteil der Infektionen sei auf Aufenthalte im Ausland, insbesondere im Kosovo, in Albanien, Nordmazedonien, Kroatien und Serbien zurückzuführen. Hierl spricht angesichts der seit dem Sommer stockenden Impfkampagne von vergebenen Möglichkeiten. Die Zeit, in der man durch mehr und mehr Impfungen eine Herdenimmunität hätte erreichen können, „wurde verspielt“, sagt Hierl. Nur damit hätte man den exponentiellen Anstieg der Infektionszahlen mit einer vierten Welle verhindern können.

Von der Herdenimmunität verhängnisvoll weit entfernt

Die vierte Welle scheint sich steiler aufzubauen als die vorangegangenen Wellen. Allein innerhalb der vergangenen sieben Tage verdoppelte sich der Inzidenzwert, die Zahl der gemeldeten Infektionen pro 100 000 Einwohner stieg um über 130 Prozent von 78,7 auf 196,7. Dabei hatte sich die Stadt in der Woche von 4. bis 10. August sogar noch im einstelligen Bereich bewegt.

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Die Inzidenzzahl müsste mathematisch gesehen sogar höher angesetzt werden. Schließlich könnte man aus der Bevölkerung die über 50 Prozent Durchgeimpften herausrechnen, die im Ansteckungsgeschehen eine geringe Rolle spielen. Die Impfquote sei aber nach wie vor zu niedrig, sagt Hierl.: „Die Durchimpfungsrate in Stadt und Landkreis ist bei Weitem zu gering, als dass ein Effekt der Herdenimmunität auf die Entwicklung der Fallzahlen und der Belegung der stationären Betten zu erwarten wäre“, sagt Hierl. Ein Befund, den die Zahlen bei den Reiserückkehrern bestätigten, wie Hierl sagt. Die Infektionen seien weit überwiegend bei Tests von Menschen entdeckt worden, die bereits Symptome spürten. Ein Großteil der Fälle – 86 Prozent – sei überhaupt nicht oder nicht ausreichend geimpft gewesen.

Mediziner schauen auf Anstieg der Patientenzahlen

Die Inzidenzzahl an sich bereitet Medizinern gar nicht so viele Sorgen, „wir schauen eher, wie viele Menschen schwerer erkranken“, sagt Romed-Chefarzt und Pandemiebeauftragter Dr. Hanns Lohner. Und da falle der schnelle, frühe Anstieg ins Auge. Von 21 stationär behandelten Patienten am 19. August stieg die Zahl im gesamten Landkreis bis Mittwoch auf 33. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Intensiv-Patienten von sieben auf zehn. Bereits am Dienstag hat das Romed-Klinikum seine Covid-Stationen wieder eröffnet.

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Verwaltung prüft 3-G-Regel für die Arbeit

Mit Sorgen registriert auch Thomas Bugl, Wirtschaftsdezernent und Sprecher der Stadt Rosenheim, die Entwicklung. „ Wir müssen reagieren“, sagt er, eine neue Allgemeinverfügung sei daher in Arbeit, eine Herausforderung sei es, Freiheitsrechte mit der Pflicht zum Schutze der Gesundheit abzuwägen. Eine Verschärfung ist nach seinen Worten in den Kontaktregeln zu erwarten, vor allem in der Zahl der beteiligten Haushalte.

Legitim sei außerdem die Überlegung, ob die 3-G-Regeln – Zutritt nur für Genesene, Geimpfte oder Getestete – nicht auch in der Wirtschaft und für die Belegschaft gelten sollten. Die Verwaltung prüfe dies im Moment sorgfältig. Allerdings habe auch Gesundheitsminister Spahn (CDU) von den ursprünglich strengeren Inzidenz-Grenzwerten Abstand genommen. Nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres erscheine die Entwicklung außerdem nicht mehr so dramatisch wie ehedem.

Niederschwellige Impfangebote kommen offenbar an

Möglicherweise überzeugen die steigenden Inzidenzzahlen wieder mehr Menschen, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Bereits die Ankündigung, ab Mitte Oktober nicht mehr kostenlos zu testen, hat nach Bugls Beobachtung beim Impfzentrum für leicht erhöhte Nachfrage gesorgt.

Erfolgreich seien vor allem die niederschwelligen, mobilen Impfangebote, sagt der Sprecher. Der Impfbus auf dem Max-Josefs-Platz am vergangenen Samstag sei von 143 Impfwilligen aufgesucht worden. Das sei ein Höchstwert, sagt Bugl.

Wo man sich impfen lassen kann

Der Landkreis Rosenheim bietet weitere Sonderimpftage an an, die nächsten am Freitag, 3. September, in Bad Aibling im Impfbus auf dem Marienplatz sowie am Samstag, 4. September, in Feldkirchen-Westerham im Kultur- und Sportzentrum, Karl-Weigl-Platz 14 an. die Aktionen laufen jeweils von 9 bis 16 Uhr. Außerdem macht die Stadt Rosenheim darauf aufmerksam, dass man sich im Impfzentrum auf der Loretowiese auch ohne Anmeldung impfen lassen kann.  

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