Bringen Urlauber Corona zurück? Darauf bereiten sich Ärzte in der Region vor

Das Interesse an den Corona-Tests für alle steigt in der Region Rosenheim.
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Das Interesse an den Corona-Tests für alle steigt in der Region Rosenheim.
  • Rosi Gantner
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Die Corona-Infektionszahlen in der Region Rosenheim befinden sich aktuell auf einem niedrigen Niveau – doch wie stabil ist die Lage? Ein Risikofaktor: Urlaubsrückkehrer – darüber sind sich führende Hausärzte aus der Region einig. Ihre Hoffnung: Corona-Tests für alle. Doch die Nachfrage hält sich in Grenzen.

Rosenheim – Seit 1. Juli sind sie auch in Stadt und Landkreis Rosenheim möglich: Corona-Tests für alle – ohne jegliche Symptome, mitunter auch als reine Vorsichtsmaßnahme. Doch das Angebot, angestoßen vom Bayerischen Gesundheitsministerium, hat offenbar einen Haken: Es wird bislang in der Region nur mäßig angenommen. „Die Nachfrage ist relativ gering, wir haben im Schnitt zwei bis drei Tests pro Tag“, erklärt dazu Dr. Nikolaus Klecker, Bezirksvorsitzender im Bayerischen Hausärzteverband und als Allgemeinarzt mit Praxis in Rosenheim vertreten. Doch das, damit rechnet Klecker durchaus, könnte sich in Kürze ändern: Wenn die Sommerferien und damit die Haupturlaubszeit beginnen. „Dann dürfte das Thema interessant werden.“

Corona-Testzentrum am Flughafen: „Das ist top“

In diesem Zusammenhang begrüßt der Bezirksvorsitzende auch ausdrücklich das von Regierungsseite geplante Corona-Testzentrum am Flughafen München. „Das ist sehr sinnvoll, dort zu testen und womöglich Infizierte gleich dort abzufangen.“

So sieht es in Rosenheim aus

Keinen großartigen Ansturm auf die Testmöglichkeiten, aber durchaus ein „zunehmendes Interesse“ beobachtet Dr. Fritz Ihler, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes und Hausarzt in Rosenheim. „Das Angebot wird in unserer Praxis inzwischen ganz gut angenommen“, berichtet er. Darunter befänden sich auch viele Urlaubsrückkehrer, deren Arbeitgeber einen Negativtest eingefordert hätten.

Die aktuelle Infektionslage

Die Infektionslage an sich im Raum Rosenheim: ruhig. Damit teilt Ihler die aktuelle Einschätzung des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, die er als einer der Initiatoren des Corona-Testzentrums auf der Loretowiese Rosenheim nach wie vor sehr genau im Blick behält. Denn sollte der Bedarf steigen und die Verdachtsfälle zunehmen, ließen Ihler und seine Kollegen die zentrale Teststelle, die als Entlastung für die niedergelassenen Ärzte in der Region geschaffen worden war, wieder in Betrieb gehen.

Schwerpunkt-Praxis im Inntal

Nach wie vor kein Run auf die Tests, aber zunehmende Nachfrage – so schätzt Dr. Florian Bonke, Allgemeinarzt mit Corona-Schwerpunktpraxis in Flintsbach, die Lage im Inntal ein. Auf zwischen fünf und sieben Abstriche pro Tag beziffert er den aktuellen Bedarf, ein Großteil davon Urlaubsrückkehrer. Die gute Nachricht: Bis zuletzt habe sich kein einziger positiver Fall unter den in seiner Praxis asymptomatisch Getesteten befunden. „Das sieht derzeit sehr gut aus.“

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Hausärzte rechnen mit zweiter Welle

Und dennoch: Als überstanden bewerten die Hausärzte die Corona-Pandemie noch lange nicht – ganz im Gegenteil. Sie alle blicken mit einer gewissen Sorge in Richtung Herbst. Denn darin sind sie sich einig: Eine zweite Welle wird kommen. „Ich rechne Ende September, Anfang Oktober damit, wenn die Erkältungs- und Grippesaison beginnt“, sagt Klecker.

Diese Einschätzung teilt Dr. Bonke aus Flintsbach, der sich zumindest gut gerüstet fühlt. „Wir haben genügend Schutzausrüstung und auch unser Zelt, in dem wir Verdachtsfälle separiert behandeln können, steht noch.“ 

Testergebnisse kommen zu langsam

Aktuelles Ärgernis, und auch darin stimmen die drei Experten überein: die inzwischen wieder vergleichsweise lange Wartezeit auf die Testergebnisse. „Und zwar auf die Ergebnisse der asymptomatischen Tests, das kann bis zu sieben Tage dauern“, verdeutlicht Klecker. Denn ganz klar würden seitens der Labore die Verdachtsfälle vordringlich behandelt. „Diese Testergebnisse liegen uns innerhalb von 24 bis 48 Stunden vor, das passt“, ergänzt der Bezirksvorsitzende. Alles andere: höchst ärgerlich. 

Warum dauert es länger?

Davon weiß auch Kollege Bonke ein Lied zu singen. So manch eine Wunsch-Testung, unter anderem einer Sportmannschaft, habe er zuletzt absagen müssen, weil er das Ergebnis nicht zuverlässig zum benötigten Zeitpunkt hätte liefern können. Den „Verursacher“ für die unzureichenden Testkapazitäten sieht er in den Krankenkassen, die kürzlich die Vergütung der Laborleistungen um rund ein Drittel gekürzt hätten (von 59 auf 39,40 Euro).

 „Deshalb haben die Labore natürlich ihre Kapazitäten nicht weiter ausgebaut oder diese sogar wieder runtergefahren“, ist Bonke überzeugt. Für ihn ganz klar: „Hier wird mal wieder an der falschen Stelle gespart.“ Die Rückkopplung dürfte spätestens im Herbst zu spüren sein – wenn im Falle einer zweiten Welle wieder schnelle Testergebnisse dringend notwendig werden, um der Pandemie Herr zu werden.

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