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Umstrittene Maßnahme gegen Corona

Klinikbetreiber in Region Rosenheim warnen: Mitarbeiter sauer wegen Impfpflicht

Helfer unter Druck? Klinik- und Heimleiter befürchten, dass sich viele Mitarbeiter durch die Impfpflicht diskriminiert fühlen könnten.
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Helfer unter Druck? Klinik- und Heimleiter befürchten, dass sich viele Mitarbeiter durch die Impfpflicht diskriminiert fühlen könnten.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Gut gemeint und schlecht gemacht? Die „einrichtungsbezogene Impfpflicht“ für Mitarbeiter in Gesundheitsberufen ist am Dienstag (15. März) in Kraft getreten. Doch die Skepsis von Klinik-Experten in der Region Rosenheim ist nach wie vor groß. Und der Aufwand könnte immens werden.

Rosenheim – Das Staatliche Gesundheitsamt in Rosenheim darf sich auf eine Flut von Daten einrichten. Denn ab Dienstag liefern Pflegeheime und Kliniken in der Region Rosenheim Informationen über den Impfstatus ihrer Mitarbeiter.

Das Problem daran: Das Gesundheitsamt hatte bislang schon mit der Corona-Pandemie mehr als genug zu tun. Nun komme auf das „ohnehin stark belastete Team“ eine weitere Aufgabe zu, heißt es nüchtern aus dem Landratsamt.

Auch an anderer Stelle hält sich die Begeisterung in Grenzen: auf Seiten der Kliniken und Heime. Seit Monaten ist das Datum für den Start der einrichtungsbezogenen Impfpflicht bekannt, ebenso lange dauern die Diskussionen darüber an. Schon Ende des vergangenen Jahres sprach Romed-Chef Dr. Jens Deerberg-Wittram von einer drohenden Stigmatisierung der Mitarbeiter.

Die Mehrheit seiner Kollegen in der Region Rosenheim scheint ihm recht zu geben. Der Tenor: Allgemeine Impfpflicht: ja. Spezifische Impfpflicht für Mitarbeiter: nein.

Die Sorge: Schwer beanspruchte Mitarbeiter könnten sich diskriminiert fühlen

„An und für sich begrüßen wir das“, sagt Anja Dieterle, Geschäftsführerin der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen. In der Klinik werden Schwerkranke versorgt, die man natürlich schützen wolle. „Aber wir hätten uns eine allgemeine Impfpflicht 18 plus gewünscht.“ Schließlich fühlten sich Mitarbeiter durch den Impfzwang diskriminiert, nachdem sie zwei Jahre lang in die Bresche gesprungen seien. „Wir hören das vielfach im Haus, und ich kann das auch nachvollziehen.“


Auch Heiko Leske, Sprecher von Medical Park , zeigt sich skeptisch: „Eine einrichtungsbezogene Impfpflicht sehen wir mit gemischten Gefühlen.“ Sie erhöhe die Impfquote insgesamt nur unwesentlich, setze Menschen unter Druck und „führt möglicherweise dazu, dass diese Menschen in andere Jobs ausweichen“.

Das könne sich in der ohnehin angespannten Personalsituation als kontraproduktiv erweisen. Ähnliche Bedenken waren von Leitern von Alten- und Pflegeheimen in der Region zu hören.

Hoher Aufwand für die Ermittlung des Impfstatus

So soll die „einrichtungsbezogene Impfpflicht“ funktionieren: Wer bis gestern keinen Impf- oder Genesenen-Nachweis oder ein ärztliches Attest über schwerwiegende medizinische Gründe gegen eine Corona-Impfung vorlegen konnte, muss ab heute vom Chef der jeweiligen Einrichtung ans Gesundheitsamt gemeldet werden.

Ein Berg von Mehrarbeit. „Enorm“ sei der Aufwand, sagt Anja Dieterle. „Der Aufwand zum Nachhalten des Immunitätsstatus ist sehr hoch“, sagt auch Heiko Leske. Er binde viele Kapazitäten und letztlich auch Arbeitszeit beim medizinischen Personal. Leske weiter: „Der Nachweis muss persönlich geführt werden – eine E-Mail reicht da nicht aus.“ Und der Ablauf des Genesenen-Status müsse letztlich auch immer wieder neu kontrolliert werden.

Derzeit können nach seiner Auskunft rund 80 Prozent aller Mittarbeiter einen vollständigen Immunitätsnachweis nach den Vorgaben des Paul-Ehrlich-Instituts erbringen. In der Schön Klinik in Bad Aibling sind nach Anja Dieterles Worten sogar 89 Prozent der Mitarbeiter vollständig geimpft.

Umgekehrt heißt das aber immer noch: Jeder zehnte Mitarbeiter steht möglicherweise vor Problemen.

Viel Arbeit auch für Mitarbeiter im Gesundheitsamt Rosenheim

Denn das Gesundheitsamt hat nach der Mitteilung durch den Arbeitgeber die Aufgabe, den Sachverhalt zu bewerten, beziehungsweise Nachweise zu prüfen, sobald Zweifel etwa an der Echtheit von vorgelegten Dokumenten entstehen. Es drohen Bußgelder und womöglich – im „Einzelfall“ – sogar ein Tätigkeits- und Betretungsverbot, wie das Landratsamt mitteilt.

Davor hat aber auch das Gesundheitsamt viel zu tun. Es muss nicht nur kontrollieren, sondern auch impfskeptische Mitarbeiter anhören und aufklären.

Amtschef Dr. Wolfgang Hierl will auch in Zeiten hoher Belastung nichts schleifenlassen. Man habe sich bereits auf eine größere Zahl von Meldungen eingestellt. „Wir sind gut aufgestellt und werden die Eingänge genau prüfen“, sagt Hierl. Denn: „Die Impfung medizinischen oder pflegerischen Personals ist für mich eine absolute ethische Verpflichtung.“