Teststation Heuberg

Corona-Regeln und Quarantäne-Verordnung: Verunsicherung in Kiefersfelden und Kufstein

Beibehalten oder Abbauen? Ob die Testzentren doch weiterarbeiten, darüber war gestern noch keine Entscheidung gefallen.
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Beibehalten oder Abbauen? Ob die Testzentren doch weiterarbeiten, darüber war gestern noch keine Entscheidung gefallen.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Die neuen Quarantäne-Regeln sorgen für Verunsicherung: Wer nach einem Aufenthalt in Tirol in häusliche Isolation muss, ist nicht immer einfach zu klären. Unsicher ist, wie es mit den Teststationen Heuberg und Hochfelln weitergeht. Am Wochenende waren dort noch lange Staus zu beobachten.

Kiefersfelden/Kufstein – Von großem Andrang bei den Teststationen in Heuberg und Hochfelln berichteten die OVB-Heimatzeitungen am Wochenende. Abgebaut werden sollten sie ursprünglich am Mittwoch (30. September), nach dem Anstieg des Testbedarfs aber hieß es: Die Teststationen bleiben. Eine Entscheidung aber war bis Dienstagabend nicht gefallen.

Unklarheit prägt gerade das Bild an der Grenze zwischen Bayern und Tirol. Die Entwicklungen der Corona-Lage, die Reaktion von Bayern und Tirol: Sie irritieren die Menschen.

Zum Beispiel Martin Krumschnabel. Eigentlich hätte Kufsteins Bürgermeister für diese Woche eine Pressekonferenz im Terminkalender stehen gehabt. Zusammen mit Amtskollegen aus Tirol und Oberbayern hätte er bei den Nachbarn in Kiefersfelden der Vorstellung eines neuen Kultur-Führers für Inntal und Karwendel beigewohnt.

Es kam nicht dazu. Wegen Corona. Die Lage verschärft sich, die Zügel werden wieder angezogen. „Man hat die Pressekonferenz abgesagt“, sagt Martin Krumschnabel und lacht bitter. „Vielleicht, weil man gar nicht wusste, ob man uns Österreicher wieder rauslassen darf oder ob wir in Quarantäne bleiben müssen.“

Die Unsicherheit ist groß, auf beiden Seiten der Grenze. Weil man nicht immer weiß, wem und was man die Einstufung eines Gebietes zum Risikogebiet zu verdanken hat. Und weil man nicht weiß, welche Einschränkungen folgen.

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„Wir als Gemeinde haben von keiner übergeordneten Stelle Infos bekommen, das ist schon ein bisserl schade“, sagt Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber. „Ich sammle ich mir das halt zusammen aus der Seite vom Auswärtigem Amt, vom RKI oder aus seriösen Medien.“ Die Verunsicherung sei greifbar, „was man darf oder nicht, das ist das Thema, über das sich die Menschen unterhalten“.

Corona-Lage: Was erstmal feststeht

Was man sicher weiß: Tirol wurde am vergangenen Freitag zum Risikogebiet erklärt. Und: Wer aus Tirol zurück nach Oberbayern will, sollte sich mit den verschärften Quarantäne-Regeln beschäftigen. Was so einfach nicht ist. Denn es gibt eine Menge Ausnahmen, von denen es wieder Ausnahmen gibt.

In der Quarantäne-Verordnung steht zu lesen, dass Menschen, die sich „weniger als 48 Stunden im Ausland aufgehalten haben“, von der Pflicht zur Quarantäne ausgenommen sind. Voraussetzung ist allerdings, dass sie im Ausland nicht privat „an einer kulturellen Veranstaltung, einem Sportereignis, einer öffentlichen Festivität oder einer sonstigen Freizeitveranstaltung“ teilgenommen haben.

Doch was genau ist eine „Veranstaltung“? Wir fragten nach. Und erhielten einen Hinweis des Bayerischen Gesundheitsministeriums: Entscheidend sei der Aufwand an Organisation. Die Bergwanderung: erlaubt. Die geführte Gruppenwanderung des Alpenvereins nicht. Die Reitstunden beim vertrauten Lehrer in Tirol: erlaubt. Teilnahme am organisierten Skitraining in Tirol? Das dann wohl nicht. Das Regelwerk, es bietet Interpretationsspielraum.

Zusammenleben nur noch mit Hürden

Das Verhältnis zwischen Bayern und Tirol leidet jedenfalls. Zwanglose Nachbarschaft, reger Austausch, grenzenloses Zusammenleben: Woran sich die Menschen gewöhnt hatten, ist während der Corona-Krise fraglich geworden. In Kufstein sitzt der Bürgermeister und grollt den Deutschen. Weil die Tirol zum Risikogebiet erklärt haben und damit womöglich ruinieren, was vom Tourismusgeschäft 2020 noch geblieben ist.

Dabei seien die Zahlen auf niedrigem Niveau, bei aktuell nicht mal 60 Infizierten in Stadt und Bezirk, sagt Krumschnabel. „Eine entsetzliche Europapolitik ist das, so wird das Zusammenleben unmöglich“. So schimpft er. Andererseits räumt er ein: „Das mit den Reisewarnungen kam ja zuerst von uns in Österreich.“ Hajo Gruber ist optimistscher. „Ich kenn meine Nachbarn. Wenn die ein Problem haben, dann gehen sie sehr schnell an die Lösung.“ Fraglich bleibt, wie der Staat die Regeln mit Leben erfüllen will. „Manche Leute leben weiter, als ob nichts wäre, weil ja auch nicht kontrolliert wird“, hat Gruber beobachtet.

Vielleicht ist das komplizierte Regelwerk ja auch gar nicht nur als Anordnung zu verstehen, sondern als Einladung zum Nachdenken über Mobilität. Unabhängig von den Regeln empfehle die Staatsregierung, „Besuche in Risikogebieten auf das erforderliche Mindestmaß zu beschränken“, heißt es nochmals aus dem Gesundheitsministerium. „Dies gilt insbesondere für Besuche in Risikogebieten zu rein touristischen Zwecken.“

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