Verunsicherung in der Grenzregion

Corona-Quarantäne-Verordnung für Tiroler: Viele Regeln, aber kaum Kontrollen

Werden die Corona-Quarantäneregeln eingehalten? Momentaufnahme auf dem Parkplatz eines sonst von Tirolern sehr stark besuchten Drogeriemarktes in Kiefersfelden
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Werden die Corona-Quarantäneregeln eingehalten? Momentaufnahme auf dem Parkplatz eines sonst von Tirolern sehr stark besuchten Drogeriemarktes in Kiefersfelden
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Die Regeln sind da – aber wer kontrolliert ihre Einhaltung? Über eine Woche nach Einführung der Quarantäne-Verordnung für unsere Tiroler Nachbarn ist die Verunsicherung nach wie vor groß. Vor allem in Kiefersfelden, wo man mit und von dem kleinen Grenzverkehr normalerweise gut lebt.

Kiefersfelden – Der Besuch von Tiroler Seite habe „deutlich abgenommen“, sagt eine Mitarbeiterin im Rewe in Kiefersfelden. Auch anderswo schlägt sich das Zögern von Tiroler Seite aus bereits in den Umsätzen nieder. Es will nur niemand als Überbringer der schlechten Nachricht mit seinem Namen in der Zeitung stehen.

Leere Parkplätze vor dem Rossmann

Es hilft der Augenschein: Zum Beispiel am Rossmann-Drogeriemarkt. Wo normalerweise Rangieren angesagt ist, will man einen der raren Parkplätze anfahren, hat man jetzt die freie Wahl – die Stellflächen sind deutlich leerer als sonst.

Die Shopper aus Tirol zögern

Reine „Einkäufer“ aus Tirol trauen sich wegen der Quarantäne-Regeln offenbar nicht mehr über die Grenze. Der kurze Trip zu den Nachbarn, er hat etwas von Schmuggel-Kommando. Wer also diesseits des Inns aus einem Auto mit österreichischem Kennzeichen steigt, bemüht sich zumindest um eine gute Begründung.

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„Ich bin Pendler und fahre daher täglich über die Grenze zum Arbeiten nach Bayern“, sagt Josef Klausner (Name auf Bitte des Betreffenden geändert) aus dem Bereich Schwaz. „Bei der Rückfahrt komme ich direkt am Rossmann vorbei. Ich denke, da ist ein kleiner Zwischenstopp, natürlich mit Maske, vertretbar.“

Es gibt so viele Ausnahmen

Was nach Auskunft des bayerischen Gesundheitsministeriums sogar stimmt. Wer einen triftigen Grund oder – besser noch – einen negativen Coronatest, nicht älter als zwei Tage – hat, hält sich erlaubt in Bayern auf. Und wer sich erlaubt im Freistaat aufhält, darf auch einkaufen. Einkaufstouren einfach so, als Allein- und Selbstzweck, seien allerdings nicht statthaft, sagt Marcus da Gloria Martins vom Gesundheitsministerium.

Alles erlaubte Besuche, oder?

Die Stichproben der OVB-Heimatzeitungen in Kiefersfelden ergaben nur „erlaubte“ Besuche. Man fährt zum Arzt, besucht Verwandte – all dies ist in Ordnung. Mitnahmeeffekte in Kiefersfeldens Geschäften inklusive. Ein Gast aus dem Innsbrucker Land vertraut auf das Augenmaß der Ordnungshüter. „Die örtlichen Sicherheitsbehörden wissen, wie eng die Tiroler und Bayern miteinander verbunden sind“, sagt er und zwinkert tatsächlich mit dem rechten Auge.

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Wer kontrolliert denn überhaupt?

Die Frage ist, wer diese Ordnungshüter sind. Wer fragt nach, ob sein Gegenüber aus Tirol einen triftigen Grund hat? Oder einen Test vorweisen kann? Bislang niemand.

Für das Polizeipräsidium Oberbayern Süd verweist Sprecher Stephan Sonntag auf die Verantwortung des Gesundheitsamtes in Rosenheim. Auch Rainer Scharf, Sprecher der Bundespolizei, sagt: keine Angelegenheit der Polizei. Man kontrolliere den Grenzverkehr im Hinblick auf irreguläre Migration oder Schleusung. Nicht aber auf Einhaltung der Quarantäneregeln.

Gesundheitsamt sieht sich an Grenze der Belastung

Beim Gesundheitsamt aber sagt man: Kontrolle unmöglich. „Leider haben wir keine Möglichkeit, zu kontrollieren, ob die Einreisequarantäneverordnung bei der Einreise nach Deutschland eingehalten wird“, sagt Ina Krug, Sprecherin des Landratsamtes. „Das ist personell nicht möglich, und die Einreise an sich ohnehin nicht zu beanstanden.“

40 Anzeigen, doch keine an der Grenze

Das Gesundheitsamt nimmt Meldungen entgegen, ordnet die Quarantäne an, überwacht deren Einhaltung. Solle das Amt den Verdacht hegen, es halte sich jemand nicht an es die häusliche Isolation, kann es die Polizei um Amtshilfe bitten. Dann fährt eine Streife zur Kontrolle vor. 40 Anzeigen hätten sich daraus ergeben, jeweils 500 Euro Bußgeld fällig geworden, sagt Krug. An der Grenze aber: Fehlanzeige. Kein Verfahren wurde bislang gegen einen Tiroler eingeleitet.

Es gibt, so wie es aussieht, mehr Paragraphen aus den Büros der Ministerien als Kontrolleure im Dienst des Gesundheitsamtes. „Wir können hier nur an die Eigenverantwortung der Menschen appellieren“, sagt Ina Krug.

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