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Riesenbedarf in der ganzen Region

Wartelisten quellen wegen Corona-Pause über: Kinder lernen immer später Schwimmen

Drei Kinder sind auf der Schwimmstrecke, beobachtet von den Mitgliedern der BRK Wasserwacht Ortsgruppe Flintsbach Tamara Streifeneder (links) und Marion Bornemann in der rot-weißen Wasserwacht Dress.
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Drei Kinder sind auf der Schwimmstrecke, beobachtet von den Mitgliedern der BRK Wasserwacht Ortsgruppe Flintsbach Tamara Streifeneder (links) und Marion Bornemann in der rot-weißen Wasserwacht Dress.
  • Barbara Forster
    VonBarbara Forster
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  • Franz Ruprecht
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Ab welchem Alter sollten Kinder schwimmen können? Christa Rauscher, Schwimmlehrerin im Kiefersfeldener Freizeitbad „Innsola“, ist der Meinung: „Sobald die Kinder in die Schule kommen.“ Doch die Wartelisten zeigten, dass die meisten Kinder sechs Jahre oder älter seien. Und das sei auch Corona geschuldet..

Kiefersfelden/Großholzhausen – Wegen der Pandemie konnten die Kinder, die im vergangenen Sommer über das Schwimmen gelernt haben, dieses Wissen nicht festigen. Die Folge daraus? Nicht abreißende Anfragen nach Schwimmkursen. „Wir sind fast ausgebucht bis zum 1. September“, sagt Rauscher.

Ideale Schwimm-Alter liegt bei fünf Jahren

Den letzten Schwimmkurs gab Rauscher im September 2020. Seither stauen sich die Anfragen: „Die Nachfrage ist wirklich da. Die Eltern halten das Schwimmen für sehr wichtig.“ Deshalb bietet die 39-Jährige seit Anfang Juli laufend Kurse an. Zehn Tage dauere ein Schwimmkurs. Dann erst sei die Schwimmbewegung bei den Kindern da. „Das hängt auch vom Trauen ab“, ergänzt Rauscher. Ein jedes Kind sei da anders.

Deshalb rät sie, den Eltern, ihre Kinder so früh wie möglich zu einem Schwimmkurs anzumelden. „Das ideale Alter ist fünf Jahre“ sagt Rauscher. Dann habe das Kind noch Zeit, seine Fertigkeiten zu festigen, ehe es in die Schule kommt.

Die Beobachtung, dass Kinder immer später das Schwimmen lernen, hat auch Andreas Maurer, stellvertretender technischer Leiter der Kreiswasserwacht Rosenheim, gemacht. „Und sie lernen es auch nicht von den Eltern.“

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Corona hat die Situation noch verschärft, ist er überzeugt: „Wir haben 2020 keinen einzigen Schwimmkurs fertiggestellt. Wir haben mit den Kursen zwar angefangen, aber keinen zu Ende gebracht.“ Dementsprechend lang seien jetzt die Wartelisten. „Wir haben so viele Anfragen, die wir nicht bedienen können. Im Landkreis liegen aktuell 200 vor.“ Teilweise seien Anfragen von Sieben- und Achtjährigen dabei. Das Problem an der Sache: Im Moment gebe es keine geeigneten Badestätten dafür. Diese müssten einen Nichtschwimmer-Bereich haben, bei welchem der Grund „klar erkennbar“ sei.

„Somit fallen Seen schon mal weg“, sagt Maurer. Aber auch Freibäder seien ungeeignet, weil die „Geräuschekulisse“ so enorm sei. „Bei Schwimmkursen muss ich häufig die Haltung der Kinder korrigieren, da brauch ich einen akustischen Zugang“, erklärt Maurer. Die Wasserwacht biete deshalb nur im Hallenbad Schwimmkurse an. Somit würden sich die Kursangebote in den Herbst verschieben: Erst ab September beziehungsweise Oktober gehe es mit den Kursen wieder los.

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Weil aufgrund der Pandemie die Bäder geschlossen waren, gibt es nun einen „erheblichen Wartestau“, sagt auch Michael Förster, Pressesprecher der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Landesverbands Bayern, auf Nachfrage. Mindestens 200 000 Kinder hätten in Bayern wegen der Pandemie nicht schwimmen lernen können. Diese Zahl käme zu derjenigen Dunkelzimmer von Menschen hinzu, die schon bisher nicht schwimmen gelernt hatten, macht Förster deutlich. Ein weiterer Knackpunkt: „Die Anzahl der Schwimmlehrer ist begrenzt“, so der Pressesprecher. Die DLRG habe während der Pandemie aber vorgesorgt und allein in Bayern 200 neue Schwimmlehrer ausgebildet.

Vom Sportbad zum Spaßbad

Aber auch die Bäder an sich hätten sich verändert, sagt Hubert Rohowsky, Betriebsleiter des Schwimmbads Großholzhausen und Mitglied der Wasserwacht Ortsgruppe Flintsbach. Herkömmliche Sportbäder gebe es fast nicht mehr, stattdessen nur noch Bäder mit Unterhaltungswert. „Ein wenig muss man aber auch die Verantwortung an die Eltern übergeben“, findet Rohowsky, „man gewinnt den Eindruck, dass sie sich zu wenig um das Schwimmen der Kinder kümmern. Früher haben wir es von unseren Eltern gelernt, heute soll es ihnen von anderen beigebracht werden.“

Dass die Kinder richtig schwimmen können, hält Andreas Maurer für lebenswichtig: „Bayern ist das Land der Seen.“ So sieht das auch Christa Rauscher: „Sonst kann das im Ernstfall ein Leben kosten.“

Die Eltern als Schwimmlehrer:

Weil Schwimmkurse nach wie vor auf „absehbare Zeit“ begrenzt seien, rät Michael Förster, Pressesprecher der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Landesverband Bayern, den Eltern, ihren Schützlingen das Schwimmen selbst beizubringen: „Dafür müssen aber die Voraussetzungen stimmen.“ Und das gelte es zu beachten:

• Das Kind sollte man spielerisch ans Wasser gewöhnen. Das gehe zum Beispiel in der Badewanne oder in der Dusche.

• Auf keinem Fall in einem See oder Fluss das Schwimmen üben.

• Eltern müssen immer in Griffweite zum Kind sein.

• Ein Schwimmbrett dient als gutes Hilfsmittel.

• Zuerst den Beinschlag üben, danach den Armzug.

• Mit Lob motivieren und Erfolgsdruck vermeiden.

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