Warum gab es so viele Corona-Fälle in Bad Feilnbach? RKI startet Studie

Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner war der erste Bürger, der in einem der beiden Untersuchungsbusse durch Studienmitarbeiter Nicu Anghel (links) den Rachenabstrich und die Blutentnahme vornehmen ließ.
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Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner war der erste Bürger, der in einem der beiden Untersuchungsbusse durch Studienmitarbeiter Nicu Anghel (links) den Rachenabstrich und die Blutentnahme vornehmen ließ.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Das Robert-Koch-Institut startete am Dienstag, 23. Juni, die Antikörper-Studie in Bad Feilnbach, mit der die Corona-Pandemie erforscht werden soll. Der erste Proband in einem der Untersuchungsbusse war Bürgermeister Anton Wallner.

Bad Feilnbach – Mit entschlossenem Blick betritt der Proband der Stunde Null den „Medibus“ vor dem Medical Park Blumenhof. Einmal Rachenabstrich, dann die Blutentnahme, das war‘s. „Völlig unspektakulär“, sagt Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner. Er war am Dienstag der erste von rund 2000 nach dem Zufallsprinzip ausgewählten Teilnehmern an der Bad Feilnbacher Antikörperstudie, mit der das Robert-Koch-Institut (RKI) die Verbreitung der Coronavirus-Infektion erforschen will.

Dass ausgerechnet Bad Feilnbach zu den bundesweit vier Kommunen zählt, in denen die Untersuchungen stattfinden, ist indes kein reiner Zufall. Zwar hatte Wallner die Bewerbung für die Gemeinde Bad Feilnbach sofort nach Bekanntwerden der Pläne an das RKI geschickt, doch dort hatte Epidemiologe Dr. Thomas Lampert die Gemeinde auch schon im Visier, wie beide bei der Pressekonferenz am 23. Juni in der Bad Feilnbacher Schulturnhalle verrieten.

„Die Pandemie hat uns mit voller Wucht erwischt“

„Uns hat die Pandemie sehr früh und mit voller Wucht erwischt“, blickt Wallner zurück. Mit 159 bestätigten Fällen liegt die 6500-Einwohner-Kommune bundesweit mit an der Spitze. Mit der Teilnahme an der Studie gehe es nun darum, ein Zeichen zu setzen und Klarheit zu gewinnen, weshalb die Zahlen in der Gemeinde so hoch waren.

Mittels der Studie will man laut Dr. Lampert vor Ort ermitteln, wie hoch der Anteil an akut noch Infizierten und an jenen ist, die nach überstandener Infektion Antikörper gebildet haben. Ebenso wolle man Faktoren erkenne, warum sich das Virus so stark verbreitet hat und wie es eingedämmt werden konnte. Dabei spielen nicht nur Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen der Untersuchten eine Rolle, sonder auch Unterschiede in der Haushaltszusammensetzung, Bildung oder Einkommenssituation.

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1500 ausgewählte Bad Feilnbacher haben sich angemeldet

Laut Studienleiterin Dr. Claudia Santos-Hövener vom RKI haben sich von den 2000 angeschriebenen Bürgern bereits 1500 angemeldet. Diese füllen zuhause einen Fragebogen aus, den sie mit zum Medical Park Blumenhof bringen, wo das Studienzentrum eingerichtet ist. Nach der Anmeldung im Empfangsbereich werden in einem der beiden mit Labor ausgestatteten Untersuchungsbusse der Rachenabstrich und die Blutabnahme für den Antikörpertest vorgenommen.

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„Bei Personen, die besonders schutzbedürftig sind, Angst haben oder nicht mobil sind, machen wir auch Hausbesuche“, so die Projektleiterin. Alle Werte würden täglich zum RKI gebracht, sodass circa vier Wochen nach Abschluss der Untersuchung die Ergebnisse vorliegen. Eine Woche nach den Tests erfolge zudem noch eine Nachbefragung, bei der auch auf psychosoziale Aspekte und das Gesundheitsverhalten eingegangen werde. „Dadurch lassen sich dann noch bessere Gruppenunterschiede erkennen“, so Dr. Santos Hövener.

RKI erhofft sich von Studie Erkenntnisse zur Durchseuchung

Laut Dr. Lampert verspreche man sich unter anderem Aufschlüsse über die Verursachung und Ausbreitung der Pandemie, wodurch man auch erkennen könne, wann welche Vorkehrungen zu treffen sind, falls die Fallzahlen wieder ansteigen. Dass damit gerechnet werden muss, davon gingen die Redner am Podium trotz aktuell auch in der Region niedriger Zahlen einhellig aus.

Zu ihnen zählten auch Professor Bernhard Liebl vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, der Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, Dr. Wolfgang Hierl und Landrat Otto Lederer. „Es wäre falsch zu glauben, wir hätten es überstanden“, lautete der Tenor vor allem auch vor dem Hintergrund der jüngsten Geschehnisse, etwa in einem Schlachthof in Gütersloh.

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Vor allem gehe es jetzt darum, die Zeit zu nutzen, das abgelaufene Geschehen aufzuarbeiten, so Professor Liebl. Die Studie werde auch Erkenntnisse über die bereits erfolgte Durchseuchung in der Bevölkerung bringen, wobei man von einer hohen Anzahl bei der Dunkelziffer ausgehe.

Was wird untersucht?

Wie häufig sind Infektionen mit dem SARS-CoV-2-Virus vor Ort? Wie hoch ist der Anteil von Infektionen ohne Krankheitssymptome? Welche Menschen sind häufiger von einer Infektion betroffen? Wie oft verläuft die Erkrankung mit COVID-19 so schwer, dass Menschen im Krankenhaus oder auf der Intensivstation behandelt werden müssen? Wie erfolgreich waren bisherige Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie?

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